Arbeitsagentur Hildesheim zieht Bilanz / Arbeitsmarkt stabilisiert sich

„Motivation und Zuspruch sind sehr wichtig“

Pflegeberufe stehen hoch im Kurs bei Quereinsteigern. Die 90-jährige Elisabeth Hoffmann genießt den warmen Händedruck von der Betreuungskraft Claudia Redler. Foto: Kolbe-Bode

HILDESHEIM Das Jahr 2013 zeigte weniger Bewegung und mehr Stabilität auf dem Arbeitsmarkt als die Vorjahre. Agenturchef Horst Karrasch gab kürzlich die aufbereiteten Zahlen bekannt und meinte: „Mit Blick auf 2014 war die Vergangenheit gut, und daraus können wir viel mitnehmen.“

Anhand der Auswertungen bis Juni 2013, hat der Aufbau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungen zugenommen und verharrt auf einem derzeit hohen Niveau. Die Stellensuche für Geringqualifizierte wird allerdings zunehmend schwieriger. Dabei zeigt sich, dass der Anteil derer, die SGB II, also die Grundsicherung über das Job-Center erhalten, mit 10 012 Arbeitsuchenden um zwei Drittel höher ist als der Anteil derer, die über das beitragsgestützte SGB III auf Jobsuche sind.

Die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen verzeichnet mit 83 143 Arbeitsverträgen in 2012 einen leichten Rückgang auf 82 880 besetzte Stellen im Jahr 2013. Der prozentuale Anteil der Langzeitarbeitslosen lag im Jahr 2011 noch bei knapp 40 Prozent und hat sich auf 36,7 Prozent positiv verringert. Als „erschreckend hoch“ nannte Karrasch den Anteil von Geringqualifizierten, die einen prozentualen Wert von 46 Prozent der Arbeitssuchenden erreichen.

In 2013 meldeten die Betriebe 7 268 sozialversicherungspflichtige und 838 nicht sozialversicherungspflichtige freie Arbeitsplätze. Das macht einem Gesamtrückgang von 1,9 Prozent freier Stellen aus.

Mit verbesserten Strategien und Angeboten reagiert die Arbeitsagentur auf den aktuellen Arbeitsmarkt. Im vergangenen Jahr flossen 21 Millionen Euro an Fördergeldern. In diesem Jahr wird es noch eine Million mehr werden. „Es muss bei Fördergeldern am Geld nicht scheitern“ stellte Karrasch klar.

Das Programm „Spätstarter“ richtet sich an Erwachsene zwischen 25 und etwa 40 Jahren, die eine erwachsenengerechte Ausbildung in Betrieben beginnen wollen.

Projekt „Spätstarter“

„Dazu gehört auch viel Motivationsarbeit und der Zuspruch von Mut“, erklärte Cornelia Brünig, Teamleiterin im Arbeitgeber-Service. Dabei stehen Umschulungen in Pflege- oder gesundheitsnahe Berufe hoch im Kurs.

Mit einem hohen Betreuungsschlüssel von 1:65 (normalerweise 1:300) befasst sich das Team INGA (Initiative neue Qualität der Arbeit) mit Menschen, die mit mehreren Hindernissen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt zu kämpfen haben. Neben Langzeitarbeitslosen sind es verschuldete, oder mit suchtproblemen behaftete Menschen, gesundheitlich eingeschränkte oder gering gebildete Kunden der Agentur. In ganzheitlichem Ansatz erörtern die Berater die Probleme, suchen Fähigkeiten und helfen bei Bewerbungen oder begleiten sogar zu Bewerbungsgesprächen. Cornelia Brünig berichtete von zwei Fällen.

Ein Mann war in der Freizeit Hundetrainer und bekam nach längerer Arbeitslosigkeit einen festen Job als Tierpfleger. Eine Frau im Alter 50 Plus, konnte ihre kreativen Kenntnisse aus der Dekorationsbranche nun im Kindergarten anwenden. Mit rund 550 Integrationen in den ersten Arbeitsmarkt ist dieses Programm als sehr erfolgreich gewertet und wird fortgeführt.

Mit noch mehr Präsenz will die Agentur an Schüler herantreten und Aufklärungsarbeit vor Ort leisten. Infoveranstaltungen sollen auf die Vielzahl von Ausbildungsberufen und deren Vorzüge hinweisen. Wenig Begeisterung zeigt die jüngere Generation für Ausbildungen im Nahrungsmittelhandwerk, für Elektroberufe oder einen Job im Hotel- oder Gastronomiegewerbe. Hier suchen die Betriebe händeringend Nachwuchskräfte und bleiben auf offenen Stellen sitzen.

Richtig qualifizieren

Deshalb wird auch die Zielgruppe der Arbeitgeber verstärkt beraten. Dabei wird die Veränderung von Nachfrage und Angebot auf dem Arbeitsmarkt durchleuchtet oder nach Qualifizierungsmöglichkeiten für Mitarbeiter gesucht. Dazu fand innerhalb der Agentur-Teams eine Neuorganisation statt. Die Berater werden nach Wirtschaftsklassen und nicht wie bisher nach Standorten eingeteilt. ckb

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