Anhänger der Gothic-Szene bevölkern das Hildesheimer Flughafen-Gelände / Schrille Outfits

M‘era Luna – Hauptsache anders

Die Musiker genießen den Blick auf das „schwarze Meer“. Über 25 000 Fans sind nach Hildesheim gekommen.

HILDESHEIM  Wer am Sonnabend kurzentschlossen das M‘era-Luna-Festival besuchen wollte, hatte Pech. Die Tickets waren am Nachmittag komplett ausverkauft und rund 25 000 Anhänger der Gothic-Szene bevölkerten das Hildesheimer Flughafen-Gelände.

Auf zwei Bühnen waren am Wochenende insgesamt 40 nationale und internationale Bands zu erleben. Als Headliner heizten am Sonnabend Marilyn Manson und „Within Temtation“ das Meer aus schwarzen Fans an. Für Sonntag waren „In Extremo“ und „And One“ als Headliner angesagt.

Doch neben der Musik zählt beim M‘era-Luna-Festival das Ausleben eines ganz persönlichen Stils und Lebensgefühl. Dazu das Sehen und Gesehen werden in schrillen Outfits, die oftmals in stundenlanger Arbeit vor dem Spiegel akribisch kreiert werden. Auf dem Mittelaltermarkt kann die neueste Mode der Szene neben unzählige Accessoires eingekauft werden. Die Palette reicht von züchtigen Kleidern mit Rüschen und Spitze aus der Viktorianischen Zeit, Schuhen und Stiefeln mit aggressiven Stacheln und Nieten, prunkvollen Hüten mit Federn oder Schmuck mit Drachen, Spinnen und riesigen Steinen. Dazu natürlich knappe Outfits in Lack und Leder – oder als Krönung der Subkultur „Cybermode“, die sich durch schrille Farben und spacige Materialien auszeichnet.

Auf dem Umschlagplatz der Kleider tummeln sich aber auch spitzfindige Geschäftsleute wie „Bruder Ignatius“ der heiratswillige Paare für 24 Stunden vermählt, Ablassbriefe schreibt oder sogar die Beichte abnimmt. Übrigens, wer seine Ehe innerhalb der 24 Stunden scheiden lassen möchte, kann dies beim Schmied nebenan erledigen. Was die Zukunft so bringt, egal ob frisch verheiratet, ledig oder vom Schmied geschieden erfahren die Festivalbesucher bei Doreen, die ihnen die Karten legt. Für Sauberkeit und Erfrischung in einem, mit Holzfeuer beheizten Waschzuber, sorgen Eve und Oli. Gegen verspannte Nacken nach einem ausgiebigen headbangig oder unbequemen Schlaf im Zelt, stehen gleich am Eingang des Geländes mehrere Masseure zu Diensten.

Trotz der riesigen Menschenmenge schien das Gelände nicht überfüllt. Einzige Warteschlangen gab es nach den Acts, wo sich die Fans Autogramme abholen wollten. Um die Leute die es sich auf einer Decke gemütlich machten, schlengelten sich die Anderen vorsichtig hindurch, jederzeit für ein kleines Schwätzchen bereit.

Das Wetter mit Sonne und angenehmen Temperaturen gab sein Bestes und der Fastvollmond am Nachthimmel besiegelte einen perfekten M‘era-Luna-Festivaltag am Sonnabend. Sonntagnacht zeigte sich der Mond dann aber in seiner vollen Größe und Schönheit. ckb

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