Während der Gedenkstunde am 9. November spricht Ingo Meyer deutliche Worte zur aktuellen Situation

„Mauern in den Köpfen überwinden“

Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer: „Nicht die Hilfesuchenden sind eine Bedrohung für unsere Gesellschaft, sondern diejenigen, die versuchen, Ängste zu schüren.“

HILDESHEIM Die Hildesheimer gedachten vorgestern gemeinsam am Mahnmal am Lappenberg, dem einstigen Standort der Synagoge, der Opfer des Nationalsozialismus. Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer, Wolf-Georg von Eickstedt (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hildesheim) sowie Pastor Peter Noß-Kolbe erinnerten an die schrecklichen Ereignisse des Jahres 1938.

Sie legten zum Abschluss der Gedenkstunde, die von Schülern der Robert-Bosch-Gesamtschule mitgestaltet wurde, einen Kranz nieder. Eliav Abraham trug das Kaddisch vor, den musikalischen Rahmen bildete der Chor St. Lamberti.

Meyer betonte in seiner Rede die Bedeutung des wiederkehrenden Gedenkens: „Natürlich wollen wir zuerst einmal den Opfern des NS-Regimes gedenken, die Schreckliches erlebten, unvorstellbares Leid ertragen mussten und vielfach sogar ihr Leben verloren. Sie waren Mitbürger, wie wir alle, die wir hier heute versammelt sind.“ Mit Blick auf das Engagement der beteiligten Schüler sagte Meyer: „Darüber hinaus geht es selbstverständlich bei einer solchen Gedenkveranstaltung auch darum, die Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse nicht verblassen zu lassen und an die nachfolgenden Generationen weiter zu geben. Denn nur die Erinnerung an all dieses bewahrt uns davor, dass Ähnliches jemals wieder auf deutschem Boden oder mit deutscher Beteiligung geschehen kann.“

Der Oberbürgermeister wies in diesem Zusammenhang auch auf ein neues Angebot des Projekts „Vernetzes Erinnern“ hin: „Die Stadt Hildesheim pflegt eine ausgeprägte Erinnerungskultur, die in diesem Jahr um ein weiteres Element bereichert wurde: Orte der Erinnerung und des Gedenkens. Diese werden mit insgesamt 13 Stelen, die sukzessive aufgestellt werden, und einer Tafel sichtbar gemacht. Das Besondere: Alle Erinnerungsorte sind mit QR-Codes versehen. Dieser multimediale Aspekt macht die Nutzung des Informationsangebots insbesondere auch für die jüngere Generation anschaulicher.“ Meyer ging in seiner Rede auch auf die aktuelle Flüchtlingssituation ein und forderte weiterhin zu Hilfsbereitschaft auf, die in der Stadt Hildesheim überaus ausgeprägt ist: „Tragen bitte auch Sie weiterhin dazu bei, Mauern in unseren Köpfen zu überwinden und andere Denk- und Lebensweisen respektvoll zuzulassen. Nicht die Hilfesuchenden sind eine Bedrohung für unsere Gesellschaft, sondern diejenigen, die populistisch versuchen, Ängste zu schüren und regelrechte Hetzkampagnen starten.“

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