30. Freundesmahl: Altbischof Horst Hirschler spricht über „Staunenswertes zur Reformation“

Luther, ein Rebell für die Freiheit

Horst Hirschler, Landesbischof i.R., hält die Festrede beim 30. Freundesmahl der Freunde der Diakonie Himmelsthür.

HILDESHEIM J Was hat Martin Luther mit Inklusion zu tun? Für Ulrich Stoebe, Direktor der Diakonie Himmelsthür, eine ganze Menge: „Protestantismus und Inklusion stehen eng beieinander.“ Für Luther verdanke sich die menschliche Existenz allein der Gnade Gottes, nicht den Leistungen und Erfolgen. Unterschiede zwischen den Menschen würden dadurch aus Gottes Sicht aufgehoben.

„Was Luther mit seinen 95 Thesen losgetreten hat. Staunenswertes zur Reformation“, war Thema des Festvortrags beim 30. Freundesmahl der Freunde der Diakonie. Der Verein hatte den ehemaligen Landesbischof und jetzigen Abt des Klosters Loccum, Horst Hirschler, als Festredner gewonnen. Hirschler bewegte sich in seiner Rede in Luthers Biographie, zwischen seinen Schriften und den Aussagen von Zeitgenossen mit der Leichtigkeit dessen, der sich auf absolut vertrautem Terrain befindet. „Manchmal hatte man ja das Gefühl, Horst Hirschler ist dabei gewesen“, bedankte sich Walter Meyer-Roscher, Vorsitzender des Vereins der Freunde der Diakonie Himmelsthür, im Anschluss.

Der Altbischof las einige der Thesen vor, ließ sich die für Luthers Zeitgenossen ungeheuerlichen Standpunkte auf der Zunge zergehen, offenbar immer wieder beeindruckt von der dahinter stehenden Entschlossenheit einer festen Überzeugung: „Man hat das Gefühl, während der schreibt, wird er immer frecher.“ Die Christen sollten ihr Geld lieber den Bedürftigen geben, anstatt es für Ablassbriefe zu verschwenden, heißt es da. Der Papst solle die Peterskirche lieber von seinem eigenen Geld finanzieren. Und schließlich: Gläubige Christen könnten selbst unter sich einen zum Predigen und Taufen berufen. Das könne auch ein einfacher Handwerker sein.

Ein unfehlbarer Supermann lasse sich aus Martin Luther nicht machen, erklärte Horst Hirschler. Doch Luther habe festgefügte Hierarchien in Zweifel gezogen. Er habe gehofft, dass sich die Kirche „zusammenreißt“, sich von innen heraus reformieren lasse. Da habe er die Standfestigkeit solcher Hierarchien unterschätzt. Es ist schon Tradition, dass die Festredner des Freundesmahls zum Dank ein Gemälde von einem Mitglied der Künstlergruppe „Wilderers“ erhalten. Hans-Joachim Teske hatte für Horst Hirschler das Bild „Martin Luther will gleich die Thesen anschlagen“ im Stil eines bunten Kirchenfensters gemalt. Mitarbeitende und viele ehrenamtliche Helfer servierten anschließend das Freundesmahl. Der Erlös ist für ein inklusives Malwochenende mit den „Wilderers“ gedacht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare