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Jüdische Gemeinde: Angst vor rechter Aggression

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Gedenken: Wolf-Georg von Eickstedt, Dr. Ingo Meyer, Rabbi Jona Simon und Wolfgang Voges (vorne von links) begleiten die Gedenkstunde am Lappenberg.
Gedenken: Wolf-Georg von Eickstedt, Dr. Ingo Meyer, Rabbi Jona Simon und Wolfgang Voges (vorne von links) begleiten die Gedenkstunde am Lappenberg.

HILDESHEIM  Jährlich erinnert die Stadt Hildesheim am Standort der ehemaligen Jüdischen Synagoge am Lappenberg an die Opfer des Nationalsozialismus. Zur Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 erleuchteten Schüler des Scharnhorst-Gymnasiums den Davidstern, zudem wurden Kränze niedergelegt. Wolf-Georg von Eickstedt, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, berichtete, dass Juden in Deutschland auch heute noch mit versteckten Widerständen zu kämpfen haben.

Aus Angst vor bitteren Konsequenzen würden sie zum Teil sogar nicht in die Jüdische Gemeinde kommen: „Noch vor drei Jahren war ich überzeugt, sie würden sich zu Unrecht fürchten. Doch heute merke ich, dass die Furcht begründet ist.“ Er zeigte sich erschüttert über die antisemitischen Parolen, die bei Demonstrationen gegen Israel wieder laut werden. Als drohende Vorboten gefährlicher Gesinnungen zählte er auch die jüngsten Proteste in Köln. Er fürchtet, dass sich die rechte Aggression, die sich bislang gegen Muslime richtet, auch bald gegen Juden richten werde. Er warnte davor, die menschenverachtenden Greueltaten der Nazis zu vergessen und verdeutlichte, dass die Zeitzeugen langsam aussterben. Deshalb sei es wichtig, die Geschichte in den Köpfen der Menschen zu erhalten und sie zur Wachsamkeit zu ermutigen.

Aufflammen der Angst

Stadtdechant Wolfgang Voges zeigte sich betroffen von dem Wiederaufflammen der Angst, sogar in der eigenen Stadt. Eine seiner Fürbitten lautete: „Gott, lass uns begreifen, dass wir vor dir alle gleich sind.“ Auch Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer, der zu Beginn die Aufzeichnungen der grausamen Nacht aus dem Stadtarchiv verlas; zeigte sich nach den Worten von von Eickstedt sehr berührt darüber, „dass es nun wieder Menschen gibt, die in unserer Stadt in Angst leben müssen“. ckb

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