Neues Notfallmanagmentsystem in der Testphase

„Jede Sekunde entscheidet“

Blick in die Leitstelle: Auf dem großen Monitor (oben) sehen die Mitarbeiter die Rettungswagen mit Patienten- und Fahrtrichtungsinformationen, auf dem dritten Monitor von links werden in rot und grün die Kapaziäten in den Krankenhäusern des Landkreises angezeigt.
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Blick in die Leitstelle: Auf dem großen Monitor (oben) sehen die Mitarbeiter die Rettungswagen mit Patienten- und Fahrtrichtungsinformationen, auf dem dritten Monitor von links werden in rot und grün die Kapaziäten in den Krankenhäusern des Landkreises angezeigt.

Kreis – Bisher mussten sich Notärzte und Rettungsfahrer auf drei Dinge verlassen, wenn sie einen Patienten in die Notaufnahme bringen wollten: Erfahrung, Bauchgefühl und Telefon. Doch diese Zeiten sind seit gestern vorbei: Der Rettungsdienst von Stadt und Landkreis Hildesheim sowie das Ameos-Klinikum Alfeld, das Helios-Klinikum Hildesheim, das Johanniter-Krankenhaus Gronau und das St. Bernward-Krankenhaus Hildesheim nutzen künftig das digitale Notfallmanagementsystem IVENA. 

„Im Notfall kann jede Sekunde über Leben und Tod entscheiden. Es ist daher überaus wichtig, schnell in das richtige Krankenhaus zu gelangen. Die Kapazitäten der vier Krankenhäuser in Hildesheim, Gronau und Alfeld sind nun dank IVENA in Echtzeit auf Knopfdruck ersichtlich“, erklärt Patrik Grieger (Integrierte Regionalleitstelle).

IVENA ist eine große Datenbank, die von verschiedenen Seiten gefüttert wird. Krankenhäuser stellen ihre Kapazitäten ein, so dass Rettungswagenbesatzungen sehen können, ob man bei einem Armbruch in Nordstemmen nach Hildesheim oder doch lieber nach Gronau fahren sollte. Ebenfalls kommen Informationen aus den Rettungswagen und von Notärzten. Sie schreiben ins System, welchen Fall sie vorliegen haben und wann sie in einem Krankenhaus ankommen. Das erspart Wartezeiten, und in der Online-Maske sind Kapazitäten und voraussichtliche Belegungen ersichtlich. 

System auch für Otto-Normal-Bürger nutzbar

Nicht nur für die Projektpartner (Landkreis, Stadt und Krankenhäuser) ist IVENA eine Erleichterung. Auch Einwohner, die selbst den Weg in die Klinik antreten wollen, können das System frei zugänglich nutzen und sich informieren, welches Krankenhaus nach einem kleinen häuslichen Unfall die nötigen Kapazitäten hat. Unter www.ivena-niedersachsen.de erreicht man mit ein paar Klicks zur Krankheit die Klinikauswahl, die rot oder grün zeigt. So kann man sich, zumindest in der Theorie, die Fahrt zu einem vollen Krankenhaus beziehungsweise lange Wartezeiten sparen.

In Niedersachsen existiert IVENA seit 2015. Hier sind mit Hildesheim 21 und somit rund zwei Drittel der kommunalen Rettungsleitstellen sowie 97 der 172 Krankenhäuser an IVENA angeschlossen. Das ist laut Degener ein Vorteil, besonders bei Großschadenslagen oder bei einer theoretischen Vollauslastung der vier Krankenhäuser, denn dann kann man auch in die Nachbarlandkreise Hameln und Salzgitter oder die Region Hannover schauen: „Mitunter ist es besser, zehn Minuten länger zu fahren als eine Stunde vorm Krankenhaus zu warten.“

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