213 Steuersünder zeigen sich 2013 und 2014 selbst an

Hoeneß-Effekt schlägt auch im Landkreis durch

Reuige Steuersünder: Auch so mancher Vermögender im Landkreis Hildesheim sowie der angrenzenden Region hat sich als reuiger Steuersünder beim zuständigen Finanzamt selbst angezeigt. Laut dem Finanzministerium registriert das Finanzamt Hildesheim 112 Selbstanzeigen für das vergangene Jahr. Das sind 55 mehr als für das Jahr 2013.

HILDESHEIM / ALFELD Jahrelang war das Geld gut aufgehoben: Nur eben in der Schweiz, in Liechtenstein oder Luxemburg statt in Gronau, Elze oder Hildesheim. In den sogenannten Steuerparadiesen brachte das Ersparte gute Zinsen – und kostete keine Steuern. Denn in der Steuererklärung fehlten die Kapitaleinkünfte. Steuerhinterziehung haben nicht nur Prominente wie beispielsweise der Ex-Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß, und „Emma“-Gründerin Alice Schwarzer jahrelang praktiziert – offenbar suchte auch so mancher Vermögender aus dem Landkreis Hildesheim und der angrenzenden Region den eigenen Vorteil auf Kosten der Allgemeinheit.

Darauf deutet die Zahl an Selbstanzeigen hin, die vom Finanzministerium herausgegeben wurde. Beim Finanzamt Alfeld haben sich 2013 und 2014 insgesamt 45 Betrüger gemeldet. Beim Finanzamt der Kreisstadt sind in den beiden Jahren gar 168 Steuersünder zu Kreuze gekrochen.

Viele wollten wohl noch die alten Vorschriften nutzen, die seit Januar deutlich verschärft sind. Der Fahndungsdruck, der Ankauf von Steuer-CDs und die Gefängnisstrafen für Steuersünder haben landesweit zu einem Rekord an Selbstanzeigen geführt, wie Landesfinanzminister Peter-Jürgen Schneider jüngst erläuterte.

Mehr Selbstanzeigen

Dies spiegelt sich auch in der Zahl der Selbstanzeigen in Alfeld und Hildesheim wider. Zwar war in Alfeld nur ein moderater Anstieg der reuigen Steuersünder festzustellen – so stieg die Zahl der Selbstanzeigen beim Finanzamt Alfeld von 21 im Jahr 2013 auf 24 im vergangenen Jahr –, doch das Finanzamt in Hildesheim registrierte einen gewaltigen Sprung. Von 57 Selbstanzeigen im Jahr 2013 verdoppelte sich die Zahl zum vergangenen Jahr fast. Genauer: Die 112 Selbstanzeigen in 2014 bedeuten einen Anstieg von 96 Prozent.

Zum Vergleich: Landesweit stieg die Zahl der Selbstanzeigen von 2 862 auf 3 797 was einem Zuwachs von 33 Prozent entspricht. Von den 57 Finanzämtern in Niedersachsen landet das der Kreisstadt in Sachen relativer Zuwachs mit den 96 Prozent bereits auf Rang fünf.

Auch ein Blick in die Region zeigt die Ausnahmestellung des Finanzamts Hildesheim auf. So verzeichnet zwar auch die Behörde in Hameln einen Anstieg bei den Selbstanzeigen, jedoch fällt diese bei 41 im Jahr 2013 auf 59 im vergangenen Jahr beziehungsweise um 44 Prozent vergleichsweise gering aus.

Die nördlichen Nachbarn aus dem Bereich des Finanzamtes Hannover-Land I, unter anderem zuständig für Hemmingen, Laatzen, Pattensen, Ronnenberg, Springe und Wennigsen, hatten im vergangenen Jahr 130 reuige „schwarze Schafe“ unter sich. Das waren 38 Anzeigen beziehungsweise 41 Prozent mehr als 2013. Auch im städtischen Bereich des Finanzamtes Hannover-Süd zeigten sich 38 Prozent mehr Steuersünder selbst an. 53 Prozent mehr Selbstanzeigen als 2013 verzeichnete Peine mit 46 Vorgängen im vergangenen Jahr.

Landesweit war die Zahl der Selbstanzeigen 2014 so hoch wie nie. Nach Einschätzung von Finanzminister Schneider wollten Steuerbetrüger damit schnell vor einer Verschärfung der Strafen ab Januar aktiv werden. „Seit diesem Jahr ist die Abgabe einer Selbstanzeige deutlich teurer und die Hürden liegen höher – viele haben dies erkannt und den Weg in die Steuerehrlichkeit rechtzeitig eingeschlagen.“

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