Sozialpädagogen der Universität Hildesheim forschen jahrelang im Jugendamt des Landkreises

„Hilfen zur Erziehung“

Landrat Reiner Wegner und Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung.

KREIS  Die Kinder- und Jugendhilfe sieht eine Reihe von „Hilfen zur Erziehung“ vor, um Kinder, Jugendliche und Eltern zu unterstützen. Diese Hilfen reichen von der Beratung über die sozialpädagogische Familienhilfe bis hin zur Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie oder Wohngruppe. Ein Forscherteam der Uni Hildesheim untersucht im Jugendamt, wie „Hilfen zur Erziehung“ organisiert werden und wie Kinder, Jugendliche und Eltern sie erleben.

Verschlossen ist das Jugendamt des Landkreises Hildesheim nicht. Im Gegenteil, es öffnet die Türen für die Forschung, sucht Kooperation. Man muss nur Ulrich Wöhler, Dezernent für Jugend und Soziales, begegnen und ahnt, dass dieses Bild einer Behörde – verriegelt, intransparent – so nicht der Realität entspricht. Zumindest nicht in Hildesheim. Wöhler leitet einen Bereich mit über 300 Mitarbeitern. Die öffentliche Kinder- und Jugendhilfe sieht eine Reihe von Hilfen vor, „wenn eine Familie nicht in der Lage ist, dem Erziehungsauftrag nachzukommen“: „Die intensivste Form der Hilfe ist die Unterbringung in einer Pflegefamilie oder Wohngruppe, was wir möglichst vermeiden.“

Wenn Jugendliche und deren Familien Unterstützung brauchen, dann werden sie, um den Vorgang zu organisieren, in Jugendämtern zu einem Fall. Wie solche Hilfen geplant werden, untersuchen Sozialpädagogen nun gemeinsam mit dem Jugendamt des Landkreises. „Wir schauen uns an, wie Hilfen für Kinder und Jugendliche bearbeitet werden. Wir untersuchen vor Ort in der Fallbearbeitung, wie diese Prozesse ablaufen, wie Diagnosen getroffen und wie Kinder und Jugendliche beteiligt werden. Wir wissen aus der Fachdebatte, dass die Beteiligung der Jugendlichen entscheidend ist für das Gelingen der Hilfen“, sagt Professor Gunther Graßhoff. Florian Hinken ist Jugendhilfeplaner im Landkreis, er erfasst, welche Jugendhilfeeinrichtungen es gibt, wie der Bedarf ist und wie die Zusammenarbeit mit freien Trägern erfolgt, die die Hilfen durchführen, etwa Wohlfahrtverbände. In der Hilfeplanung sei viel Abstimmung erforderlich. Das Verfahren ist „partizipativ“, so Hinken, „es soll nicht über Jugendliche entschieden werden, sondern mit ihnen gemeinsam“. Jugendliche bearbeiten „ihren Fall“ also auch selber. Die Hilfen zur Erziehung basieren zu etwa 85 Prozent auf Freiwilligkeit.

Mit den Hilfen soll zum Beispiel erreicht werden, dass ein Kind den Schulbesuch positiv erleben kann. Bisher ist wenig erforscht, wie die Hilfen zur Erziehung im Verlaufe der Zeit gesteuert und überprüft werden. In dem zweijährigen Projekt „Hilfeplanung in den Hilfen zur Erziehung“ erfasst das Forscherteam seit 2015, wie Hilfeplanung in den einzelnen Schritten konkret umgesetzt und dokumentiert wird. Landrat Reiner Wegner weist anlässlich der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung auf die bisherige jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen der Jugendhilfe im Landkreis Hildesheim und der Universität hin. Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich bezeichnet die Zusammenarbeit „als unsere gesellschaftliche Verpflichtung“.

Das Forscherteam arbeitet seit über zehn Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe mit Einrichtungen und Behörden in Hildesheim zusammen. Das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik bildet in Bachelor- und Masterstudiengängen etwa 500 Fachkräfte aus.

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