Werkakademie nach niederländischem Konzept nun auch in Hildesheim

Von guten Beispielen lernen

In der neu eröffneten Hildesheimer Werkakademie des bfw-Berufsfortbildungswerkes bieten sich Kunden neue Wege zur Jobsuche. Die erste Teilnehmerin der Maßnahme, Gisela Marquardt aus Grasdorf, wurde mit einem kleinen Kuchen begrüßt. Sie sucht eine Vollzeitstelle als Reinigungskraft. Foto: Rischmüller

HILDESHEIM Schon der Rat „Guck mal über den Tellerrand“ bringt zum Ausdruck, welche Erfolgsstrategien bei der Vermittlung von Jobsuchenden in den Arbeitsmarkt gerade auch im Ausland zu finden sein können. Von guten Beispielen aus Holland lernen nun auch die Kunden des Jobcenters Hildesheim. Denn das Konzept von Dick Vink wird bei unseren Nachbarn und in verschiedenen anderen Ländern Europas bereits seit acht Jahren erfolgreich umgesetzt.

Grund zur Freude also für alle Hildesheimer Kooperationspartner bei der Eröffnung der Werkakademie in der neuen zentral gelegenen Bildungsstätte des bfw-Berufsfortbildungswerkes. In den Räumen in der Bernwardstraße 6 in Hildesheim werden künftig täglich mehrere Gruppen die Gelegenheit erhalten, sich gegenseitig bei der Suche nach dem passenden Arbeitsplatz zu unterstützen. Denn genau darauf setzt das Konzept von Vink. Er möchte Menschen schnell wieder in den Arbeitsmarkt integrieren.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Etwa 50 Prozent der Teilnehmer finden innerhalb der maximal zehnwöchigen Maßnahme einen neuen Job. Drei Stunden täglich an vier Tagen in der Woche ist eines der Hauptziele der zwei begleitenden Coaches, dass die Teilnehmer Selbstsuch-Strategien entwickeln. Der Mensch steht im Mittelpunkt und mit ihm seine Erfahrungen, Kompetenzen und sein soziales Umfeld. Auf all dies können die Teilnehmer zurückgreifen.

Die Mischung machts laut Vink: „Der Akademiker hat andere Eindrücke im Berufsleben gewonnen als der Mitarbeiter aus dem Einzelhandel. Deshalb können beide voneinander lernen“, betont der Konzeptentwickler. Er möchte die Dynamik in der Gruppe dazu nutzen, dass jeder Einzelne erkennt, dass der Auftrag lautet: „Ich such mir einen Job“.

Zu oft, so Vink, werde vom Staat, dem Vermittler oder anderen Beteiligten gefordert, einen Arbeitsplatz zu beschaffen. Für Vink ist dies der falsche Weg. Denn für ihn liegt auf der Hand, dass der einzelne Teilnehmer selbst seine Verantwortung wahrnehmen kann. Gerade der Austausch mit den anderen Suchenden sei hierbei enorm unterstützend und hilfreich.

Wer hat gehört, in welchen Unternehmen Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, wie unterscheiden sich Bewerbungsanschreiben oder Lebensläufe, wie können sie gegebenenfalls optimiert werden und viele weitere Aspekte können durch den Austausch beleuchtet werden.

Auch die gemischte Altersstruktur der Teilnehmer bietet Chancen zum Reflektieren oder zur Neuausrichtung. Rund 60 Prozent der Stellen sind nicht im Internet ausgeschrieben, da sei der Austausch unerlässlich, so Vink. Jobsuchende indes sollten aus seiner Sicht unbedingt im Internet zu finden sein und sich auch die unterschiedlichen Möglichkeiten des Mediums zu nutze machen. So hätten berufliche Plattformen im Netz oder auch YouTube-Videos bei der Jobsuche durchaus zu Erfolgen geführt, ermutigt Vink.

Ob ein Board mit den Berufswünschen der Gruppenmitglieder, eine „Wall of Fame“ mit Erfolgsgeschichten ehemaliger Teilnehmer oder die Möglichkeit für Arbeitgeber, direkt während Kursgeschehens oder über einen Aushang in den Räumen des bfw-Bildungswerkes Personal zu rekrutieren, sind nur einige der Wege, die zum Erfolg führen sollen. In Braunschweig, Northeim und 17 weiteren Standorten in Deutschland wird das Konzept bereits ebenso erfolgreich wie im Ausland umgesetzt.

„Wir werden hier in Hildesheim durch das neue Angebot große Schritte machen“, ist sich Sabine Fricke, Geschäftsführerin des Jobcenters Hildesheim, sicher. Einen Vorteil sieht sie darin, in Deutschland das neue Angebot mit bereits bestehenden Möglichkeiten ergänzen zu können, um individuell auf den einzelnen Kunden einzugehen und die Erkenntnisse des Coachings der Werkakademie umzusetzen. Interessierte Kunden des Jobcenters Hildesheim können durch die Inanspruchnahme eines Aktivierungsgutscheines an der Maßnahme teilnehmen. ar

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare