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Landrat verteidigt seine Mitarbeiter

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Pressekonferenze im Hildesheimer Kreishaus (von links): Verwaltungsvolzugsbeamter Maik Lampe, Evelin Löffler (Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes), Dr. Katharina Hüppe (Leiterin des Gesundheitsamtes), Landrat Bernd Lynack und Erste Kreisrätin Evelin Wißmann. © Bornemann

Kreis - Es war der 20. August dieses Jahres, als gegen 3.25 Uhr ein Gullydeckel von einer Autobahnbrücke bei Hildesheim-Drispenstedt auf die Fahrbahn geworfen wurde. In Verdacht steht noch immer ein 50-jähriger Mann aus der Gemeinde Harsum, allerdings nicht mehr in „dringendem Tatverdacht“, so dass er aus der U-Haft entlassen worden war.

Der Mann soll aber auch schon mehrfach den Harsumer Bürgermeister Marcel Litfin mit dem Tod bedroht haben. Zuletzt waren mehrere Briefe im Harsumer Rathaus und bei Litfin zuhause eingegangen. Darin drohte der Mann, Litfin und einem weiteren Mitarbeiter des Rathauses die Zähne auszuschlagen. Dass der 50-Jährige immer noch auf freiem Fuß ist, sorgt in weiten Teilen der Bevölkerung des Landkreises für Unverständnis. Besonders in Harsum fragen sich viele Menschen, warum der Mann nicht in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. In Kritik steht in diesem Zusammenhang der Sozialpsychiatrische Dienst des Landkreises. Landrat Bernd Lynack sah sich deshalb veranlasst, zu einer Pressekonferenz ins Kreishaus einzuladen. Dabei stellte er am Montagabend klar, dass ein „Wegsperren“ des Tatverdächtigen zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich ist. „Da ist die Verwaltung an Recht und Gesetz gebunden“, betonte er.
Bei der Pressekonferenz äußerte er aber auch Verständnis für den Harsumer Bürgermeister. „Herr Litfin steht stark unter Druck und ich stehe mit ihm ständig in Kontakt“, berichtete Lynack. Wenn jemand einen Menschen bedroht, müsse dies auch bewertet werden und das erfordere eine hohe Professionalität. „Für den Gully-Decke-Fall ist aber die Staatsanwaltschaft zuständig“, betonte der Landrat.
Lynack kritisierte in diesem Zusammenhang auch einen politisch motivierten Druck, der nicht hinnehmbar sei. Er spielte damit auf diverse Anträge und Anfragen der CDU-Kreistagsfraktion an, die die Arbeit des Sozialpsychiatrischen Dienstes unter die Lupe nehmen will um herauszufinden, ob der Dienst mit Blick auf den Harsumer Tatverdächtigen auch alle Mittel ausgeschöpft hat. In diesem Zusammenhang kündigte der Landrat auch an, dass demnächst die Besuchskommission in Angelegenheiten der psychiatrischen Krankenversorgung des Landes Niedersachsen eingeladen wird, um die Abläufe in seinem Haus genau zu untersuchen.
Auch die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Katharina Hüppe, stellte klar, dass es keine Versäumnisse im Kreishaus gegeben habe. Grundlage des Handelns des Sozialpsychiarischen Dienstes sei das Niedersächsische Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke (NPsyhKG). Danach sei die Unterbringung eines Menschen in einer psychiatrischen Klinik ein großes Thema und nur unter strengen Voraussetzungen möglich. Bei dem Harsumer sei aber bislang keine aktute Fremd- oder Selbstgefährdung erkannt worden. Kein Facharzt habe diese bislang bestätigt.
Wie der für entsprechende Anträge auf Klinikunterbringung zuständige Verwaltungsvollzugsbeamte Maik Lampe berichtete, würden er und seine Mitarbeiter jährlich zu etwa 1 000 Einsätzen gerufen. „Erster Ansprechpartner bei konkreter Gewalt ist und bleibt immer die Polizei“, stellte er zunächst fest. Im Übrigen könne die Unterbringung in einer Klinik aber immer nur das letzte Mittel der Wahl sein. Und bei der Bewertung einer bestimmten Lage gehe es auch nicht darum, was früher einmal war oder später einmal sein könnte. „Es geht immer nur um die akute und konkrete Situation“, stellte er klar. mb

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