Stotterer-Selbsthilfegruppe: Zufriedenheit beim Rückblick auf das erste Jahr

Gruppe bietet vielen Halt

Anlässlich des einjährigen Bestehens der Selbsthilfegruppe danken Gruppenmitglieder Logopädin Petra Jordan, dass sie ihnen Räume für die Treffen zur Verfügung stellt. Foto: Rischmüller

HILDESHEIM „Wir stottern nur, wenn wir sprechen“, steht auf dem Informationsflyer der Hildesheimer Stotterer-Selbsthilfegruppe. Klingt logisch, doch für Betroffene mit der Sprechstörung liegt genau in der Gesprächssituation das Problem. Läuft das Gespräch nicht fließend, reagiert manch Gegenüber eines Stotterers unsicher. Ein Teufelskreislauf beginnt, denn dies wiederum führt nicht selten zu klassischen Vermeidungsstrategien der Stotternden.

Wörter werden von ihnen ersetzt, andere „retten“ sich ins Schweigen oder meiden Kommunikation in größeren Gruppen. Hilfesuchende treffen zudem auf eine kaum noch überschaubare Fülle verschiedener Behandlungsansätze.

Das Gefühl, mit den Problemen und Fragen allein dazustehen, kennen viele Betroffene. Grund genug für Anja Brinkmann aus Hildesheim, vor einem Jahr die Hildesheimer Stotterer-Selbsthilfegruppe zu gründen. Ihr fehlte der Austausch von Erfahrungswerten und, dass sie jemand versteht. Ein Jahr nach der Gründung blicken sie und die übrigen Mitglieder der Gruppe zufrieden auf die vergangene Zeit.

In der Hildesheimer Runde fühlen sich alle wohl. Fast alle berichten übereinstimmend von Hänseleien in der Kindheit oder Jugendzeit, eigener Unsicherheit und Rückzug, stockenden Gesprächssituationen oder auch der Tatsache, gerade in Gesprächsrunden mit mehreren Teilnehmern einfach übergangen zu werden.

An den Abenden mit den ebenfalls Betroffenen passiert dies nicht. Jeder versteht die Gefühle des anderen, wenn die Erlebnisse der vergangenen Tage besprochen werden, und keiner meidet den Blickkontakt während das Wort mal wieder nicht heraus will. Genau das ist es, was hier allen guttut und zum Wiederkommen motiviert. „Mir bietet die Gruppe Halt. Wenn ich Probleme habe, kann ich die Sachen hier los werden“, bilanziert ein Teilnehmer und ergänzt, dass das Feedback und das Nachspüren der Anderen ihn jedes Mal aufs Neue gestärkt in die nächsten Tage gehen lässt. Bei Themen- und Spieleabenden oder auch Übungen mit dem Schwerpunkt auf der Sprache, unterstützen sich die Teilnehmer gegenseitig. Ein weiteres Ziel konnte ebenfalls schon im ersten Jahr des Bestehens erreicht werden: Die Information von Nichtbetroffenen. So interessierten sich viele Besucher der Gesundheitsmesse für die Informationen der Selbsthilfegruppe. Beim Weltstotterertag öffneten sich die Türen der Gruppe im wahrsten Sinne des Wortes für interessierte Besucher. Über all diese Aktivitäten freuen sich die Mitglieder, die auch andere Betroffene motivieren wollen, sich ihnen anzuschließen.

Logopädin Petra Jordan, die die Gründung der Selbsthilfegruppe unterstützte, indem sie entsprechende Räume zur Verfügung stellte, merkt jedoch an, dass es schwierig sei, Betroffene zu mobilisieren. So könnten neben den üblichen Alltagsterminen auch Schwellenängste Grund hierfür sein, mutmaßen die Gruppenmitglieder. Sie weisen darauf hin, dass über die telefonische Kontaktaufnahme hinaus auch die Möglichkeit besteht, per E-Mail oder über Facebook in Kontakt zu treten. „Wir freuen uns über jeden, der sich uns anschließen möchte“, betonen die Hildesheimer. Sie treffen sich immer am ersten Mittwoch im Monat von 19 bis etwa 20.30 Uhr in der Praxis für Logopädie Petra Jordan, Scheelenstraße 7, in Hildesheim. Unter der Telefonnummer 05121/14166 sowie der E-Mail-Adresse stottern-hildesheim@gmx.de erhalten Interessierte nähere Informationen. ar

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