Offene Ateliers: Young I Kim und Bernhard Simon gestalten mit Emaille und Glas

Geteilte Werkstatt, geteiltes Leben

Teilen Leben und Atelier: Die beiden Künstler Young I Kim und Bernhard Simon.

HILDESHEIM Es gibt bestimmt die unterschiedlichsten Meinungen über Künstler-Ehepaare. Wen sonst als seines Gleichen sollte ein Künstler oder eine Künstlerin überhaupt heiraten? Die Denkmuster ähneln sich. Die Welt wird auf ähnliche Weise wahrgenommen. Vielleicht – oder auch nicht. Bei Young I Kim und Bernhard Simon trifft kein Klischee so richtig zu, und das ist auch gut so, denn am Ende des Tages machen sie vor allem: ihr Ding.

2013 haben die beiden geheiratet, zuvor Metallgestaltung an der HAWK studiert, Kim noch auf Diplom, Simon schon als Bachelor. Sie ist 35, geboren in Südkorea, er ist 30, aus Wolfsburg. Beide ähneln sich auf gewisse Weise: Sie sind etwa gleich groß, haben schwarze Haare, eine ruhige und freundliche Ausstrahlung. Beide sind Künstler und „manchmal, wenn man größere Aufträge anfertigt, eher Handwerker“, sagt Simon.

Bernhard Simon ist Glaskünstler. Er macht Schmuck, vor allen Dingen Ringe in den unterschiedlichsten Farben. Manche schimmern wie das Meer, andere wie ein Regenbogen. Hier und da geht es auch etwas dunkler zu, etwa wenn Glas wie Beton gearbeitet wird. Allen seinen Arbeiten haftet etwas Geheimnisvolles an. Die Konturen seiner Ringe sind nicht klar, eher gebrochen, die Farbverläufe verschwimmen. Es ist, als würde man bei jedem Hinsehen etwas Neues an ihnen entdecken. Die Liebe zum Glas entdeckte Simon bei einem Praktikum bei einem Hersteller für Spezialglas. Mit der Zeit sei Glas ein bisschen aus der Mode gekommen, sagt er. „Aber ich dachte gleich: Das muss ich mit meinem Studium verbinden.“ Auch seine Young I Kim benutzt ein Material, das aus der Zeit gefallen ist – oder zu sein scheint: Emaille. Nicht das Industrie-Emaille, sagt sie, das man am ehesten noch von alten Geschirrstücken oder Badewannen kennt, sondern spezielles Schmuck-Emaille. Das benutzt sie zur äußeren Verzierung ihrer, wie sie es nennt, „charakterisierten Gefäße“. Zehn Tage benötigt Kim im Schnitt für ein Kunstgefäß, dessen Grundmaterial Kupfer ist. Mit tausenden kleinen Hammerschlägen formt und glättet sie die Kupferschale, spart die Innenseiten mit Gold aus und bedeckt die Außenseite mit Emaille in variierenden Farben. Der Schritt in die Selbstständigkeit direkt nach dem Studium ist den beiden leicht gefallen. Simon betont die gute Kuration der HAWK. Man werde schon im Studium Galeristen vorgestellt und immer dazu motiviert, seine Artefakte in Ausstellungen zu zeigen. Ob Hildesheim denn nicht schon völlig überlaufen sei von Metall- und Schmuckdesignern? „Der Ort spielt keine große Rolle“, sagt Simon. „Wichtig ist, sich auf Ausstellungen zu präsentieren.“ Letztlich sei man dann ortsunabhängig, könne überall hin Stücke verschicken. Young I Kim und Bernhard Simon zählen wohl zu den arriviertesten jungen Gestaltern. Beide würden über dieses Kompliment vermutlich nur lächeln. Understatement ist auch eine Kunst.

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