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Frauenmahl, und dazu „eigener Senf“

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Premiere des Frauenmahls mit Tischreden im südniedersächsischen Raum: Gut 150 Frauen genießen einen anregenden Abend in der St. Michaeliskirche in Hildesheim. Fotos: Kolbe-Bode
Premiere des Frauenmahls mit Tischreden im südniedersächsischen Raum: Gut 150 Frauen genießen einen anregenden Abend in der St. Michaeliskirche in Hildesheim. Fotos: Kolbe-Bode

HILDESHEIM Das Frauenwerk im evangelischen Sprengel Hildesheim-Göttingen lud erstmals zum Frauenmahl in die Welterbekirche St. Michaelis ein. Gut 150 Frauen folgten der Einladung und genossen einen anregenden Abend in der außergewöhnlichen Umgebung, an dem die Tradition der Tischreden aufleben sollte. Vier Rednerinnen schilderten zwischen einem köstlichen Drei-Gänge-Menü kluge Gedanken darüber, ob und wie der Glaube mit der Politik und der Kirche zu vereinbaren ist.

Als Rednerinnen lud die Organisatorin Cornelia Renders, Referentin im Haus kirchlicher Dienste, die Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller, die Pastorin und Gleichstellungsbeauftragte der hannoverschen Landeskirche Hella Mahler, die Hildesheimer Justiziarin Bettina Syldat-Kern sowie Dr. Gesa C. Teichert aus dem Bereich Gender und Diversity der HAWK ein. Für die musikalische Untermalung zwischen den Menüfolgen sorgten Julia Beckert (Mezzosopran) und Katariina Lukaczweski (Klavier). Mit einem Grußwort erwähnte der Hausherr, Pastor Dirk Woltmann, dass die Politik und die Kirche schon für Bischof Bernward zusammen gehörten: „Bernward war Bischof und Politiker in Einem.“ Gabriele Lösekrug-Möller blickte 150 Jahre zurück und meinte, dass „die Sozis zu der Zeit einen großen Abstand zur Kirche gehalten haben“. Heute seien beide von der Gegnerschaft zur Gemeinsamkeit gekommen. Sie betonte, dass es heute an der Zeit sei, Inklusion zwischen den Menschen in der Kirche, der Politik, Schulen, Vereinen sowie weiteren Gruppen voranzutreiben. Durch ihren eigenen Glauben trägt sie die Zuversicht und keinen „blinden Optimismus“ zum Gelingen der stetigen Inklusion, in sich. Als zweite Tischrednerin stellte Hella Mahler die Frage, ob Glaube politisch sein darf oder die Kirche überhaupt Politik machen darf. Sie stützte ihre Rede auf eine Menüfolge und riet den Frauen: „Geben sie immer ihren eigenen Senf dazu.“ Zwischendurch erläuterte sie, dass auch das Schweigen politisch sei, die Art, in der ein jeder mit Macht umgeht oder das Handeln anderen Menschen überlässt. Es sei auch politisch, wo und zu welchem Preis Lebensmittel und Kleidung eingekauft werden. Sie meinte, dass Frauen ihre Worte auf eine andere Weise als die Männer verkünden und sich Gehör damit verschaffen, indem sie sich zusammentun. Die Bibel verglich sie mit einem Kompass und stellte klar, dass sie kein „Navi“ ist. Die Bibel gibt die Orientierung, aber nicht den genauen Weg vor. Sämtliche Tischreden boten interessanten Gesprächsstoff zwischen der Antipasti-Vielfalt zum Beginn, Hähnchenbrust auf Ratatouille und einer Dessert-Überraschung zum Schluss. ckb

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