Katholische und evangelische Christen feiern gemeinsam das 1000-jährige Weihejubliläum der Krypta

Ein Ort für die Engel

Bischof Norbert Trelle (r.) spricht in der Krypta das Weihe-Gedächtnis, neben ihm Markus Röde.

Hildesheim Als die Schola Gregoriana des Doms in der Michaeliskirche das „Benedicte Dominum“ erklingen lässt und die Stimmen der Sänger zur Decke emporsteigen, scheint der mittelalterliche Gesang in dieser beeindruckenden Architektur eine Verbindung zur Entstehungszeit der Kirche zu schaffen.

Auf Initiative des Freundeskreises St. Michael feiern katholische und evangelische Christen den 1000-jährigen Jahrestag der Weihe der Krypta im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes unter Mitwirkung von Bischof Norbert Trelle und Landessuperintendent Eckhard Gorka. Am Michaelistag 1015 hat Bischof Bernward die Krypta geweiht, fünf Jahre nach der Grundsteinlegung für die Michaeliskirche. Er hat die Krypta als seine Grablege geplant. Nach der Reformation 1542 wurde die Kirche evangelisch-lutherisch, die Krypta wurde weiterhin von den Benediktinermönchen des Michaelisklosters genutzt. 464 Jahre lang blieben die Durchgänge zwischen Krypta und Kirche fest verschlossen. Doch im Zuge der umfangreichen Sanierung der Michaeliskirche wurden 2006 die Mauern durchbrochen. Bischof Trelle und Landessuperintendent Gorka begegneten sich im Durchgang. Die Michaeliskirche gilt seither als Bild für das geschwisterliche Miteinander der beiden Konfessionen in Hildesheim. Wie schön sich die Öffnung der Durchgänge nutzen lässt, erleben die Besucher dieses Gottesdienstes: In einer feierlichen Prozession, angeführt vom Bernwardskreuz, zieht die ganze Gemeinde von der Michaeliskirche durch den Wandelgang in die Krypta ein. Dr. Gerhard Lutz gibt einige Erklärungen zum Bauwerk, Bischof Norbert Trelle spricht das Weihe-Gedächtnis, die Choralschola unter Leitung von Dommusikdirektor Thomas Viezens singt das „Locus iste“, dann kehren alle zum Hauptaltar der Kirche zurück. Landessuperintendent Eckhard Gorka vergleicht in seiner Ansprache die Krypta mit einem verborgenen Vorratsraum, aus dem sich lebenslang Hoffnung schöpfen lässt. Die Kirche sei nicht nur dem Erzengel Michael, sondern den gesamten himmlischen Heerscharen geweiht. „Und vielleicht ist es ja wirklich so: Menschen gehen hinein und Engel kommen heraus. Oder selbsternannte Engel gehen hinein und kommen als Menschen heraus“, sagte der Landessuperintendent.

Der Name des Erzengels Michael, das bedeutet „Wer ist wie Gott?“, sei Programm, so Bischof Norbert Trelle. Michael habe die Ungeheuer besiegt und es sei nicht schwer, heute in Kampfgas und Fassbomben solche Ungeheuer zu erkennen. „Die dagegen alle Kraft einsetzen, mögen wohl Engel sein“, sagte der Bischof.

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