Kirchengemeinde will ihre Markusschwester zurückgewinnen

Einmaliges Projekt

Die Nachbarschaftshilfe in der Markusgemeinde ist noch immer eine Baustelle, sagt das Schild. Weil Ursel Scholz das weiß, möchte sie ihre Baustelle auch nicht im Stich lassen.

HILDESHEIM Die Aufbauarbeit ist getan, jetzt könnte es richtig losgehen in der Markusgemeinde, findet Ursel Scholz. Aber das Projekt läuft aus, ihre Zeit als Markusschwester geht zu Ende. Am Sonntag, 9. November, um 10 Uhr wird sie in einem Gottesdienst in der Markuskirche als Mitarbeiterin verabschiedet. Was sie in zweieinhalb Jahren in der Gemeinde und für das Steinbergviertel angestoßen hat, muss mit Hilfe von Ehrenamtlichen weiterbestehen oder wird wieder einschlafen. Damit das nicht passiert, sucht der Kirchenvorstand Förderer für eine Fortsetzung des Projektes „Markusschwester“.

Anfangs hat Ursel Scholz diese Bezeichnung gar nicht gefallen, sie erschien der Diakonin etwas angestaubt und für ihren neuen Ansatz unpassend. „Aber inzwischen bin ich richtig stolz darauf, die Markusschwester zu sein“, sagt Ursel Scholz. Und deshalb will die Markusgemeinde diese Errungenschaft auch nicht verlieren. Nach einem Jahr könnten die notwendigen Förderer gefunden sein, die Stelle wieder zu beleben. Die Zeit bis dahin muss die Gemeinde mit eigenen Kräften überbrücken.

Für die Fortsetzung des Projektes hofft die Gemeinde nun auf eine Mix-Finanzierung aus verschiedenen Fördertöpfen. Schließlich hat die Markusschwester nicht nur Gemeindeglieder erreicht. „Es war eine tolle Zeit“, sagt Scholz. Im Mai 2012 übernahm sie die Aufgabe als Nachfolgerin von Susanna Tjardes. Während diese aber nur eine halbe Stelle innehatte, konnte Scholz eine volle Stelle antreten, je zur Hälfte gefördert von der Arbeitsagentur und durch den Innovationsfond der Landeskirche. Das gab ihr Freiraum, neue Akzente zu setzen, mit dem Schwerpunkt auf der Seniorenarbeit. Kaum im Amt, führte Scholz das Mahl bei Markus ein. Jeden Dienstag gibt es seither im Gemeindehaus ein Mittagessen, bei dem jeder willkommen ist. So brauchen Alleinstehende nicht allein zu Hause vor ihrem Teller zu sitzen, werden neue Bekanntschaften ganz zwanglos geknüpft. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit in zweieinhalb Jahren war der Aufbau einer Nachbarschaftshilfe. 15 Patenschaften seien daraus entstanden, freut sich Scholz: Feste Beziehungen zwischen Menschen, die Hilfe gebrauchen können, und Menschen, die Hilfe anbieten. Mit Besuchen, Gesellschaft, gemeinsamen Spaziergängen oder Einkäufen. Besonders wichtig waren ihr immer die persönlichen Besuche bei Senioren: „Das ist das Herzstück meiner Arbeit“, sagt die Diakonin: „Aber das fällt jetzt weg.“ Vor allem ging es ihr darum, Menschen aus der Vereinsamung zu holen, Gesellschaft zu leisten und zuzuhören. Sie gab aber auch praktischen Rat, ermutigte zum Besuch des Mittagsmahls und vermittelte Hilfen aus der Nachbarschaft. Das brauche oft Zeit, weiß die Markusschwester, die zuvor auch schon in der Nordstadt eine Nachbarschaftshilfe aufgebaut hatte: „Es ist schwer, sich helfen zu lassen.“

Wer Interesse hat, als Spender an dem Projekt teilzunehmen, kann sich an die Markusgemeinde wenden, Pastorin Anke Garhammer-Paul, E-Mail: KG.Markus. Hildesheim@evlka.de oder Telefon 05121/43972.

Kommentare