Ministerpräsident Stephan Weil hält Predigt beim Jugendgottesdienst in der Hildesheimer Christuskirche

„Das Leben ist umsonst?!“

Predigt ohne Bibel und Kanzel: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil betrachtet in der Christuskirche den Wert des Lebens. Foto: Kolbe-Bode

Hildesheim Zwei der Amtsvorgänger des Ministerpräsidenten Stephan Weil hatte Jugendleiter Lars Schmitt bereits zum Jugendgottesdienst in die Christuskirche eingeladen. Beide wollten nicht. Weil sagte jedoch umgehend zu und ließ der Gemeinde Hildesheim-Moritzberg sogar mehre Termine zu Auswahl.

Das Motto des Gottesdienstes lautete „Das Leben ist umsonst?!“. Bevor der Ministerpräsident das Wort ergriff, erfolgten rockige Lieder mit geistlichen Texten, ein von Jugendlichen gestalteter Videofilm sowie ein Quiz und ein Theaterblock. Die Kirche war voll besetzt mit Jugendlichen, Eltern und Senioren, die allesamt mitklatschten, applaudierten und den sehr unkonventionellen Gottesdienst sichtlich genossen. Weil begann seine Predigt mit der Klärung der unterschiedlichen Bedeutungen des Wortes „umsonst“. Unverblümt erzählte er, welches Kopfzerbrechen ihm die Vorbereitungen bereiteten, die sich mit Frage und Aussage des Mottos beschäftigten. Ihm fiel der Spruch aus dem Volksmund ein: „Nichts ist umsonst, sogar der Tod kostet das Leben.“ Seine Gedanken schweiften weiter zum liebevoll überreichten Geschenk, das für den Beschenkten „umsonst“ ist und Freude bereitet. Wenn ein Schüler allerdings tagelang für eine Klausur büffelt und sie am Ende doch verpatzt, heißt es: „Alles war umsonst.“ Nun stellte Weil die Frage, ob die Menschen alles im Leben mit einem Euro-Preisschild versehen sollten, um einen begreifbaren Wert zu erhalten. Oder gibt es etwa andere Werte im Leben, die zählen? Er berichtete von aktuellen Studien, die belegen, dass vielen Jugendlichen gute Freunde, Beziehungen und die Familie sehr wertvoll sind. Er gab zu bedenken, dass auch ein Misserfolg oder Enttäuschungen einen positiven Wert im Leben haben können. Nämlich dann, wenn man sich den Dingen stellt und neue Wege sucht. Deshalb sei nach Meinung des Ministerpräsidenten im Leben nichts umsonst und alles mit einer eigenen Wertschöpfung versehen. Geld rückte bei den Betrachtungen sehr wenig in den Fokus. Aus Weils Tätigkeit als Hannovers Oberbürgermeister berichtete er von vielen Ordensverleihungen an ehrenamtlich tätige Menschen: „Meist waren es Orden und Auszeichnungen für Menschen, die anderen Menschen in irgendeiner Form geholfen haben.“ Ihn beeindruckte besonders, dass die Geehrten viel ihrer Zeit opferten. Weil sagte mit persönlicher Überzeugung: „Alle schienen mir glücklich und mit sich im Reinen.“

Die Predigt des Ministerpräsidenten besaß keine biblischen Elemente, schloss aber dennoch mit der christlichen Aussage, dass ein Mensch dann glücklich ist, wenn er für andere Menschen da ist. Als Fazit der Predigt kann gezogen werden, dass das Glücklichsein einen hohen Lebenswert besitzt und aus dem Zusammenspiel von Geben und Nehmen besteht. Es gibt nichts umsonst und nichts ist umsonst. Der Jugendgottesdienst findet alle acht Wochen statt und wird von den Jugendlichen in Zusammenarbeit mit Lars Schmitt gestaltet. ckb

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