Meisterfeier der Handwerkskammer in Halle 39 / ZDH-Präsident setzt bildungspolitische Akzente

„Bodenhaftung behalten“

Feuer und Flamme für das Handwerk: Die Vocalband Delta Q bei der Performance von „Never forget“ mit den Jungmeistern im Hintergrund.

KREIS Von den 335 Meistern, die erfolgreich ihre Prüfungen abgelegt haben, fanden sich jetzt rund 190 in der Halle 39 ein, um unter den freudigen Blicken ihrer Verwandten und Freunde die Meisterbriefe entgegenzunehmen. Neben den Meisterabsolventen und ihren Angehörigen gaben sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft die Ehre, um das spektakuläre Bühnenprogramm zu bestaunen. Unter den 1 100 Gästen befand unter anderem der Präsident des Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer.

Die Organisation und der Service wurden von den Mitarbeitern der Handwerkskammer in Eigenregie umgesetzt, die Feier selbst wurde anteilig durch das finanzielle Engagement lokaler Sponsoren finanziert. Ein Highlight war der Auftritt der Vocalband Delta Q aus Berlin, die eigens für die Jungmeister den Song „Never Forget“ von der Kultband Take That einstudiert hat, der sich sonst nicht im Repertoire der Gruppe befindet. Das Veranstaltungsteam um Julia Danne hat sich speziell für diesen Song entschieden, da in ihm die Ambivalenz des Erfolges offenbar wird. „Im Text heißt es: Finding a paradise wasn´t easy but still there´s a road going down the other side of this hill. In diesem Bewusstsein sollten wir Erfolg immer mit einem gesunden Maß an Bescheidenheit und Demut gegenübertreten; denn wahre Größe zeigt sich darin, einerseits stolz auf Erreichtes und selbstbewusst bezüglich des eigenen Könnens zu sein, andererseits aber nicht die Bodenhaftung zu verlieren“, interpretierte Danne die wesentliche Botschaft des Songs. In seiner Festrede setzte Wollseifer, der 1976 seinen Meister im Maler- und Lackierer-Handwerk abgelegt hat, bildungspolitische Akzente. „Wir sollten aufhören, jedem Jungen und Mädchen in Deutschland als Lebensziel Abitur und Studium anzupreisen. Wer lieber direkt in die Praxis gehen will, dem darf dieser Wunsch nicht schlecht geredet werden“, forderte er. Mit seinem Vergleich der Handwerksmeister als Häuptlinge, die sich beruflich im höchsten Maße verwirklicht haben, traf er einen ganz ähnlichen Ton wie Delfino Roman, Präsident der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Das Siegel „Made in Germany“ für Dienstleistungen, Produkte und letztendlich auch das Handwerk schüre eine hohe Erwartungshaltung an die Leistungen der Meister. „Leben Sie Ihr Können und machen Sie dem deutschen Handwerk national wie international alle Ehre. Aus herausragender Leistung erwächst aber auch Verantwortung – nicht nur für die Qualität in den Gewerken, sondern auch für die Mitarbeiter und die Betriebe“, so Roman. Damit die Führungsspitze des Handwerks auch über den Meisterabschluss hinaus in Kontakt bleiben kann, bietet die Handwerkskammer den Absolventen die Mitgliedschaft im Meister-Netzwerk an. Mit diesem Netzwerk sollen Ehemalige die Möglichkeit haben, miteinander sowie mit ihren Lehrwerkmeistern und Mitarbeitern der Handwerkskammer in Verbindung zu bleiben. Auf Bundesebene sei dies die erste Plattform, die sich speziell an Handwerksmeister richtet, erläutert Ina-Maria Heidmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer.

In diesem Jahr verlieh Gerda Schultze-Tostmann, Präsidentin des Soroptimist-International-Club Hildesheim, den Meisterinnen-Preis in Höhe von 1 000 Euro für herausragende Leistung und gesellschaftliches Engagement an Friseurmeisterin Julika Helmke. Die Hildesheimerin, die in Schellerten ihrem Handwerk nachgeht, erhielt den Preis aufgrund besonders guter Leistungen und ihres ankündigten Vorhabens, sich in baldiger Zeit ehrenamtlich im Meisterprüfungsausschuss ihres Gewerks engagieren zu wollen.

Der eigentliche Höhepunkt war die feierliche Übergabe der Meisterbriefe durch Wollseifer und Roman, die mit Schlussbild und Feuerwerk unter tosendem zehnminütigen Beifall ein erfolgreiches Ende fand.

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