Im Jahr 2020/21 soll Kali-Abbau wieder aufgenommen werden / Raumordnungsverfahren abgeschlossen

„Belastung so gering wie möglich halten“

Ansicht auf den Kali-Berg bei Giesen, daneben die Siedlung Siegfried-Giesen: Links soll eine weitere Abraumhalde entstehen, allerdings um ein Vielfaches größer. Fotos: Greber

KREIS  Die Firma K+S (Kali und Salz) plant, den einst stillgelegten „Schacht Siegfried“ wieder in Betrieb zu nehmen, um Kali abzubauen und daraus weltweit nachgefragte Düngemittel herzustellen (die LDZ berichtete). Ende Oktober wurde das so genannte Raumordnungsverfahren abgeschlossen, bald soll das Planfeststellungsverfahren nach Bergrecht erfolgen. Nun luden die Grünen im Hildesheimer Nordkreis zu einer Info-Bustour ein, um über das Vorhaben und seine Auswirkungen auf die Umwelt bestmöglich aufzuklären.

Harald Sandner, Mitglied des Sarstedter Stadtrates, stellte klar: „Wir haben nichts gegen das Vorhaben von K+S – die wirtschaftlichen Chancen müssen genutzt werden. Der Kali-Abbau muss aber umweltverträglich und nachhaltig vonstatten gehen.“ Nina Lipecki von der Kreistagsfraktion fügte hinzu: „Wir wollen die Belastung für Umwelt und Anwohner so gering wie möglich halten.“ Denn beim Kali-Abbau kämen auch Chemikalien zum Einsatz und durch die Wetterschächte – die die Stollen belüften – würde es Schadstoffausstöße geben. Auch Immissionen und die Flächenversiegelung durch neue Werke, Anlagen, Straßen und Gleisnetze sowie die Zunahme des Schwerlastverkehrs seien für Mensch und Natur belastend. An der Glück-Auf-Straße in Sarstedt soll auf einem 3,3 Hektar großen Areal ein Werk entstehen, in dem 300 Beschäftigte größtenteils unter Tage arbeiten sollen. Hier ist ein Seilfahrtsschacht zur Personenbeförderung vorgesehen. Zudem muss die Infrastruktur für das Werk geschaffen werden. Straßen müssen neu gebaut und die Kanalisation muss den Bedürfnissen angepasst werden. Sandner forderte, dass Ausgleichflächen wie Obstwiesen unbedingt in Sarstedt geschaffen werden müssen und nicht irgendwo anders im Landkreis Hildesheim. Der Wetterschacht bei Rössing-Barnten soll nicht verändert werden, große Bauarbeiten seien hier nicht zu erwarten. Mit großer Sorge betrachten die Grünen die Größe der Abraumhalde, die neben der bisherigen bei Giesen aufgeschüttet werden soll. „Fest steht, dass sie um ein Vielfaches größer sein wird, als der bisherige Kali-Berg“, so Matthias Köhler vom BUND. 2,7 Millionen Tonnen sollen im Jahr aus dem Bergwerk geholt werden, um eine Million Tonnen Kali zu gewinnen. Dabei fallen rund 1,7 Millionen Tonnen Rückstand an, davon gehen eine Million Tonnen wieder zurück in die Erde, der Rest wird aufgeschüttet. „80 Prozent des Materials sind Kochsalz“, so Köhler. Die Fläche könne für tausende Jahre nicht mehr für Landwirtschaft genutzt werden. Gerade die unmittelbare Nähe zum Naturschutzgebiet „Entenfang“ bereite den Grünen Bauchschmerzen. Dass die Halden eine Basisversiegelung erhalten sollen, freue Matthias Köhler.

Wenn alles läuft, wie von K+S geplant, sollen die Bauarbeiten im Jahr 2016 beginnen. 2020/21 könnte der Betrieb aufgenommen und für etwa 40 Jahre Kali abgebaut werden.

„Ich wünsche mir, dass K+S das Projekt als Prestigeobjekt sieht, und hohe Umweltstandards umsetzt“, so Nina Lipecki: „Noch gibt es viele ungeklärte Fragen.“

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