Andachten und Gartenarbeit: Annegrid Helwing lebt für die St.-Michaelis-Kirche

„Bei uns ist alles möglich“

Mit Altar, Kanzel und Lesepult bildet das eiserne Kruzifix ein Ensemble im Altarraum.

HILDESHEIM  St. Michaelis in Hildesheim, anerkannt als Unesco-Welterbe: die eindrucksvolle, 1 000 Jahre alte Architektur, die einzigartige bemalte Holzdecke und andere Kunstschätze ziehen jährlich tausende von Touristen an. Wo aber ist der Lieblingsort in dieser Kirche für eine, die hier täglich ein und aus geht? Annegrid Helwing zögert keine Sekunde, begibt sich zur vordersten Reihe und lässt sich auf einem der Stühle nieder – den Blick zum Kruzifix gewandt.

„Dieses Kruzifix wirkte von Anfang an auf viele Menschen abstoßend“, erzählt sie. Von Prof. Thomas Duttenhoefer geschaffen, ist es Teil eines modernen, eisernen Altarraum-Ensembles. Annegrid Helwing ergeht es gerade umgekehrt damit: Alles in St. Michaelis sei harmonisch, perfekt, ein irdischer Ausdruck des himmlischen Jerusalem. „Und nun steht das nicht Harmonische, Zerbrochene genau im Zentrum dieser Kirche“, sagt sie. Aber auf diese Weise habe erst das Sorgenvolle, Tränenreiche und Gebrochene seinen Platz gefunden, das wiederum durch die ausgebreiteten Arme des Erlösers aufgefangen werde. Von der ersten Reihe kann sie sich diesem Anblick ganz hingeben, der so „beruhigend und schön“ sei, sagt Annegrid Helwing.

„Den Hang zur Kirche hatten wir schon immer“, erzählt die 68-Jährige über sich und ihren Mann Heinrich. Der arbeitete in der Kirchenverwaltung, war zuletzt Leiter des früheren Kirchenkreisamts in Bockenem. Als gelernte Einzelhandelskauffrau und Verwaltungsangestellte hatte Helwing einen anderen Weg eingeschlagen, doch viel lieber wollte auch sie bei der Kirche arbeiten. Schließlich ging ihr Wunsch in Erfüllung und sie bekam eine Stelle bei der Evangelischen Erwachsenenbildung. Dort war sie Verwaltungskraft, bot aber auch Kurse und Seminare an. „So bin ich in die Frauenarbeit gekommen“, berichtet sie.

Die Frauenarbeit ist bis heute eines der Felder, in denen sie sich ehrenamtlich engagiert, auf Gemeinde- wie auf Sprengelebene. Außerdem ist sie stellvertretende Vorsitzende des Michaelis-Kirchenvorstands und dort auch in mehreren Ausschüssen. Sie macht Besuche in der Gemeinde, veranstaltet das Frauenfrühstück und Erzählcafe, organisiert mit einem anderen Kirchenvorsteher den Geburtstagskreis, hält als Lektorin Gottesdienste und koordiniert die Reihe „Wort und Musik“ in St. Michaelis: Ein Team von etwa 20 Ehrenamtlichen sorgt jeden Tag um 12 Uhr für einen Moment des Innehaltens, begleitet von Organisten, die ebenfalls ehrenamtlich spielen. „Einer kommt sogar aus Celle, weil es so eine Freude ist, auf dieser Orgel zu spielen“, sagt Annegrid Helwing „Eigentlich“, ergänzt sie nach einigem Nachdenken, „habe ich hier schon in jedem Kreis mitgearbeitet.“ Und, ach ja, den Kirchgarten pflegt sie auch. Jeden Tag zwei Stunden. Alles in allem summiert sich der Einsatz bald auf eine Vollzeitstelle. Warum, wofür? „Einmal ist es diese Kirche, die so viel in mir bewegt und auch so viel gibt“, beschreibt Annegrid Helwing ihre Motivation. Außerdem gebe es das große engagierte Team der Ehrenamtlichen in Michaelis: „Bei uns ist alles möglich!“ Und schließlich seien es die Menschen in der Gemeinde: „Ich stecke ganz viel Zeit in die Gemeinde, aber ich bekomme auch ganz viel zurück, was Freude macht. Diese Kirche ist einfach ein Stück Heimat.“

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