Diakonie Himmelsthür weiht neue Tagesförderstätte ein / Neue Umgebung ist Herausforderung für Beschäftigte

„Arbeit gibt dem Leben Rhythmus“

Das runde Regal ist ebenso in der Förderstätte entstanden wie die Gegenstände darauf. Maik Schmidt stellt ein Futterhäuschen für Vögel dazu. Ingrid Hoppmann-Hornberg hilft ihm dabei.

HILDESHEIM Wohnungen gibt es für Menschen mit Assistenzbedarf inzwischen viele im Stadtgebiet und im Landkreis. Nun sollen auch die Förderplätze der Diakonie Himmelsthür nicht länger am Hauptgelände in Sorsum konzentriert bleiben. Zur Förderstätten-„Premiere“ auf der Marienburger Höhe ist nun ein weiteres Angebot im Stadtgebiet hinzugekommen: Die Tagesförderstätte im Langen Garten in Hildesheim bietet in hellen, luftigen Werkräumen Förderung und Beschäftigung für 43 Menschen, 38 Plätze sind schon belegt.

Hierher kommen Frauen und Männer mit erhöhtem Unterstützungsbedarf, die die Arbeit in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung nicht leisten können. Einige kommen jeden Tag mit dem Bus aus Sorsum, andere wohnen in der Nähe und können den täglichen Weg zu Fuß meistern. Jetzt wurde die neue Förderstätte mit vielen Gästen festlich eingeweiht.

Sie sei schon ein bisschen stolz darauf, diesen Standort entdeckt zu haben, sagte Regionalgeschäftsführerin Judith Hoffmann. Bei einer Fahrradtour waren ihr die leer stehenden Räume aufgefallen: „So stadtnah, und doch ein bisschen geschützt. Ich war fasziniert von den Möglichkeiten.“ Früher hatten sich hier die Studierenden der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, die nun auf den neuen Campus am Weinberg umgezogen sind, künstlerisch betätigt.

Fachbereichsleiterin Beate Gronau dankte Vermieter Elmar Schultz für seine kreative Unterstützung bei der Umgestaltung der Räume für ihre neuen Nutzer. So wurden zum Beispiel Wände eingezogen, um den Einbau eines Pflegebades zu ermöglichen. „Arbeit gibt unserem Leben einen Rhythmus“, sagte Ines Ney, Kaufmännische Direktorin der Diakonie Himmelsthür: „Es geht darum, etwas einzubringen, was man gut kann.“ Die Beschäftigten sind im Langen Garten auf rund 800 Quadratmetern in verschiedenen Arbeitsgruppen tätig. Sie fertigen Möbel oder Gebrauchsgegenstände aus Holz und aus Material, das sonst auf dem Müll landen würde. Zum Beispiel haben sie schon Tischchen und ein rundes Regal aus Kabeltrommeln hergestellt und Liegen mit einem Unterbau aus Europaletten. „Das Upcycling ist uns ganz wichtig“, hob Bereichsleiterin Birgit Grabe hervor: „Wir wollen aus allen Materialien irgendetwas zaubern.“ Eine weitere Arbeitsgruppe stellt kleine nützliche Dinge aus Keramik her, wieder andere kümmern sich um die anfallende Wäsche auch aus anderen Förderstätten. Eine Gruppe sorgt für Getränke, einen gedeckten Tisch und sauberes Geschirr.

Für die Beschäftigten sei die neue Umgebung eine Herausforderung, ebenso wie der Weg dorthin, so Brigit Grabe. Anders als in Sorsum träfen sie hier auf der Straße mit fremden Menschen zusammen, zum Beispiel den Mitarbeitenden der umliegenden Betriebe. Auch die Geschäfte in der Nähe, in die es zum Einkaufen geht, seien viel größer als gewohnt: „Man muss hier alles erst einmal üben.“

Die Tagesförderung in Sorsum bestehe weiter, die Plätze im Langen Garten seien hinzugekommen, erklärt Birgit Grabe. Denn alle Menschen mit Behinderung hätten Anspruch auf ganztägige Förderung im so genannten zweiten Milieu, also außerhalb ihrer Wohnumgebung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare