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„Antworten finden“

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Matthias Ullrich, Prof. Dr. Hans-Ulrich Jung und Karin Beckmann diskutieren über Entwicklungen im Landkreis. Foto: Mosig
Matthias Ullrich, Prof. Dr. Hans-Ulrich Jung und Karin Beckmann diskutieren über Entwicklungen im Landkreis. Foto: Mosig

KREIS Wenn es um die Bevölkerungsprognosen im Landkreis Hildesheim geht, zeigen farbige Linien seit Jahren immer steil nach rechts unten. Gewiss, so ist es auch im von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft HI-REG herausgegebenen und vom CIMA-Institut erstellten Regionalbericht, der in einer Zusammenfassung in den kommenden Tagen an 100 Entscheidungsträger im Landkreis versendet wird und der 600 Seiten umfasst.

Doch der Bericht eröffnet auch Chancen für die Region, und das nicht zu knapp. „Wer in die Tiefe gehen will, findet Antworten“, sagt HI-REG-Geschäftsführer Matthias Ullrich. So kann man beispielsweise ablesen, dass der Landkreis nach langer Zeit wieder ein Zuwanderungs-Plus zu verzeichnen hat. Wer genauer hinschaut, sieht, dass dies im Bereich junger Frauen im Stadtgebiet Hildesheim zu verzeichnen ist. „Es ist also durch den Hochschulstandort bedingt“, so Ullrich, der nun anmahnt, dass es Überlegungen geben müsse, diese jungen Frauen auch in der Region zu halten. Eine Vernetzung mit Betrieben sei daher wichtig, da „nicht alle Lehrer werden können“. Ähnlich verhält es sich auch bei der Abwanderung junger Menschen aus dem Bereich Alfeld. Als Stadt mit einem Gymnasium streben viele Abiturienten in die Großstädte mit Universitäten. „Es wird aber nicht mehr so viele akademische Berufe für alle Akademiker geben“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Hans-Ulrich Jung, der vielmehr ein Defizit in der Kommunikation zwischen örtlichen Betrieben und Schulen sieht: „Viele wissen überhaupt nicht, was die Firmen vor Ort alles hinter ihren Türen für Möglichkeiten haben.“

Ein ganz entscheidender Punkt sei allerdings die Vernetzung, sagt Landesbeuaftragte Karin Beckmann, die mit ihrer Behörde (75 Mitarbeiter) im Juli nach Hildesheim ziehen wird. Bisher habe jede Kommune für sich gekämpft und versucht, Menschen heranzuziehen. „Es bringt aber nichts mehr, neidisch nach Hannover zu schauen. Was bringt es dem Hildesheimer, Menschen aus Hannover anzulocken und dem Holzmindener, Menschen aus Hildesheim zu holen?“, so ihre rhetorische Frage. Vielmehr sei, auch das lässt sich im Bericht ablesen, die Erkenntnis gereift, dass eine starke Region Hannover positive Ausstrahlung auf den Landkreis Hildesheim generiert.

Stabile Region

Der Landkreis Hildesheim, so der Bericht, ist in Verbindung mit der Landeshauptstadt eine der stabilsten Regionen in ganz Niedersachsen geworden, es gibt kaum Insolvenzen. Und das, so Ullrich, in einer Region, die stark von der Automobilindustrie abhängig ist und die massiv von der Krise 2008 betroffen war. Der Bericht bietet viele Ansätze und unzählige Daten zu Bildung, Steuern, Arbeit und Arbeitslosigkeit und Einkommen, und aus allen diesen Daten hat Beckmann, erst seit einigen Monaten im Land, bereits eine Erkenntnis abgeleitet: „Die Region ist stark geprägt durch den Mittelstand.“ Den gelte es, zu stärken, und da ist sie sich mit Ullrich einig. Der Wirtschaftsörderer erklärt, dass gerade die Krise gezeigt habe, dass man sich nicht von einer Branche abhängig machen darf. Und abschließend geht es nochmal um die bunten Linien nach unten. „Prognosen gehen aufgrund von den Altersjahrgängen und der dadurch sinkenden Wirtschaftskraft immer vom Schlimmsten aus“, sagt Jung: „Zuwanderung kann man kaum berechnen.“ Überhaupt habe der demografische Wandel schon mancherorts so stark durchgeschlagen, dass fast die Talsohle erreicht ist. „Im Harz oder in Holzminden würde ich als Investor gar kein Altersheim mehr bauen. Da sind alle schon ausreichend versorgt“, so der Projektleiter.

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