Roemer- und Pelizaeus-Museum nimmt mit neuer Ausstellung Vorreiterrolle ein

„Akzente gesetzt“

Haben mit vereinten Kräften deutschlandweite Akzente zur Inklusion gesetzt: Dr. Marion Hesse, Julia Kruse, Rudolf Scheps, Dr. Jürgen Vespermann (hinten; von links), Marion Tiede, Prof. Dr. Regine Schulz und Karl Finke (vorn; von links).

HILDESHEIM Mit der Gestaltung der Dauerausstellung „Museum der Sinne“ übernimmt das Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) eine Vorreiterrolle in der deutschen Museumslandschaft. Die Ausstellung ist für Menschen mit unterschiedlichen Handicaps konzipiert und daher barrierefrei zu erleben.

Die präsentierten Themenschwerpunkte befassen sich mit Alt-Ägypten, Alt Peru, China, Frühe Menschen und der Erdgeschichte. Dabei sind Verknüpfungen mit den Ebenen „Mensch“, „Technik“ und „Lebenswelt“ zu finden. So kann der Besucher selbst entscheiden, ob er sich einer Kultur auf allen drei Ebenen nähern oder die Kulturen miteinander vergleichen möchte. In so genannten Raumkapseln werden Eindrücke zu den jeweiligen Themenbereichen mit typischen akustischen Impressionen bereichert. Erläuterungen sind je nach den Bedürfnissen der Besucher über Audioguides, in Blindenschrift oder auf Monitoren mit Gebärdensprache zu erhalten. Zahlreiche, originalgetreue Repliken von Objekten aus den Dauerausstellungen des Museums erlauben es, diese nicht nur anzusehen, sondern auch zu berühren und abzutasten.

Erste Anregungen für eine derartige Ausstellung kamen von Rudolf Scheps, der selbst blind ist, und im Museum arbeitet. Museumsdirektorin Prof. Dr. Regine Schulz nahm die Anregung auf und schob die Realisierung an. Die RPM-Kuratorinnen Dr. Marion Hesse und Julia Kruse haben für die Präsentation der Ausstellung die Zielgruppen einbezogen und aktuelle neurodidaktische Forschungsergebnisse verarbeitet. Dazu entstanden Kooperationen mit lokalen und regionalen Behindertenvereinen, Verbänden und politischen Institutionen. Die wissenschaftlichen Fundamente erfolgten in Kooperation mit der Universität Hildesheim. Prof. Dr. Folta-Schoofs vom Institut für Psychologie und Studierende der Arbeitsgruppe Neurodidaktik beschäftigten sich mit der „Kognition und Wahrnehmung“ im Rahmen eines Seminars für Master-Studenten. Mehrere Gespräche fanden „am runden Tisch“ mit Marion Tiede, der ersten Vorsitzenden des Behindertenbeirats der Stadt Hildesheim statt. Dr. Marion Hesse sagte bei der Vorstellung der Ausstellung: „Wir mussten sehr viel lernen. Besonders darüber, was verschiedene Behinderungen nach sich ziehen.“ Großes Lob erfuhr das RPM auch vom Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung in Niedersachsen, Karl Finke. Er sagte: „Hier wurden Akzente gesetzt. Nicht nur für Niedersachsen, sondern für ganz Deutschland“.

Die Dauerausstellung ist ab sofort an den regulären Öffnungszeiten zu besuchen. Informationen über Führungen und über spezielle Workshops sind auf der Internetseite unter www.rpmuseum.de zu finden. ckb

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