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„Aktion zeigt, dass Lyrik berührt“

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Hinterm Rücken wird eines der Banner demontiert: Initiator Jo Köhler schaut zufrieden in die Zukunft: „In spätestens zwei Jahren gibt es eine Neuauflage der beliebten Lesezeichen-Aktion.“ Foto: Kolbe-Bode
Hinterm Rücken wird eines der Banner demontiert: Initiator Jo Köhler schaut zufrieden in die Zukunft: „In spätestens zwei Jahren gibt es eine Neuauflage der beliebten Lesezeichen-Aktion.“ Foto: Kolbe-Bode

HILDESHEIM Das riesige Gedichtbanner mit dem Titel „Weibsbilder“ von Marion Hinz beschreibt Frauen, die in Schubladen sitzen, aus dem Nähkästchen plaudern, Fäden spinnen und „dich“ ganz unten bei den Knöpfen einsperren. Ein halbes Jahr lang schmückte es die westliche Fassade der Arneken-Galerie. Nun ist es abgenommen und eingerollt.

Doch entfernt wurde es nicht, weil es etwa Grund zum Ärgernis bot, sondern einfach nur, weil die Fassade bald weihnachtlich geschmückt werden soll. Die weiteren sieben Gedichtbanner, die in der Arneken-Galerie installiert sind, bleiben noch bis März erhalten. In der Stadt befinden sich noch über 60 großformatige Banner an Gebäuden des öffentlichen Raums, die im Rahmen der Lesezeichen-Aktion bei Bürgern und Besuchern zum poetischen Wahrzeichen der Stadt geworden sind. Ursprünglich sollten alle Gedichte nur ein halbes Jahr an ihren jeweiligen Orten verweilen. Wegen der positiven Resonanz wurde die außergewöhnliche Aktion, die maßgeblich unter der Leitung von Jo Köhler vom Literaturbüro steht, über die dunkle Jahreszeit hinaus verlängert. Köhler berichtet von Anfragen einiger Reisender, die nur Fragmente der Gedichte erhaschen konnten und wissen wollten, wo sie das ganze Werk lesen können: „Ich finde es sehr beeindruckend, dass sich die Menschen die Mühe des Nachforschens machen. Das zeigt, dass die Lyrik berührt.“ Auch die Resonanz auf der Lesezeichen-Webseite zeigt, mit über 200 000 Klicks, das Interesse der heimischen Bevölkerung sowie von auswärtigen Besuchern an einer derart und für Deutschland einzigartig präsentierten Lyrik im städtischen Raum. Jo Köhler verspricht: „Aufgrund vielfachen Wunsches von verschiedenen Menschen, welche das eine oder andere Gedicht am liebsten mit nach Hause nehmen möchten, schaffen wir auf unserer Webseite in Kürze eine Fotogalerie.“ Die Galerie auf der Seite www.hildesheimer-lesezeichen.de soll alle Lesezeichen-Orte dokumentieren und von allen Interessenten kostenfrei heruntergeladen werden können.

Bei der Montage und Demontage kann sich Köhler stets auf die Unterstützung der Stadt verlassen. Sie stellt ein Team ihrer Berufsfeuerwehr zur Verfügung, das die Arbeit professionell übernimmt. Das Banner an der Arneken-Galerie musste unter laufendem Verkehr aus einer Höhe von 12,60 Metern abgenommen werden. Vorerst werden die lyrischen Werke eingerollt und eingelagert. Zum Teil kommen sie bei der nächsten Sprachexpo der Volkshochschule zum Einsatz. Für die weitere Verwendung ist sich Jo Köhler sicher, noch eine zündende Idee zu bekommen. Auf jeden Fall soll es in spätestens zwei Jahren eine Neuauflage des Lesezeichen-Projektes geben.

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