Windkraft – Einblicke in ein komplexes Thema / Die LDZ beleuchtet die neuen Flächen

„Zukunftsweisende Entscheidungen“

Ein Überblick über die Windkraft-Flächen: Enthalten sind zum einen die Gebiete, die laut RROP-Entwurf in Frage kommen, zum anderen die neuen Flächen, vorgeschlagen vom Landkreis.

GRONAU In nahezu allen Orten des Landkreises Hildesheim flammt mit dem Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) die Debatte um Windkraftanlagen auf. Welche Standorte geeignet sind, hat der Landkreis als Vorranggebiete für Windenergie gekennzeichnet. Doch wie komplex dieses Thema eigentlich ist, wird in der Samtgemeinde Gronau besonders deutlich.

Im RROP-Entwurf des Landkreises ist in der Samtgemeinde Gronau derzeit zunächst die rund 15 Hektar große Fläche bei Heinum sowie ein Standort am Sonnenberg in Eime vorgesehen. Groben Schätzungen zufolge hätten östlich von Heinum drei Windkraftanlagen Platz. Zudem gibt es Bestrebungen der Windkraft-Betreiber des Sonnenbergs bei Eime, die Anlagen in Eime zu erweitern. Ein so genanntes Repowering wäre nach dem vorliegenden Entwurf des Landkreises jedoch nur „in geringem Umfang“ möglich, erläutert Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens. Grund hierfür sind laut Diplom-Ingenieurin Iris Dittmann von der Verwaltung Ausschlusskriterien der Raumordnung des Landkreises, die einer Erweiterung am Sonnenberg nur wenig Spielraum lassen. Eingehalten werden muss zum einen der derzeit festgelegte Abstand zur Wohnbebauung von 750 Metern, zum anderen dürfen bereits belegte Flächen, etwa Naturschutz- und Waldgebiete, nicht angetastet werden.

Nur ein Hektar

Am Sonnenberg beispielsweise liefert ein Rastvogelgebiet von lokaler Bedeutung mit Kiebitz und Kranich ein Ausschlusskriterium. Die derzeitige Ausweisung des Flächennutzungsplans der Samtgemeinde Gronau von 7,5 Hektar steht aufgrund der genannten Kriterien daher im Entwurf des RROP fast vollständig nicht mehr zur Verfügung. In Frage kommt laut Landkreis-Entwurf lediglich ein rund sieben Hektar großes Gebiet, etwas südlich des derzeitigen Standortes, wobei sich nur ein Hektar auf dem Boden der Samtgemeinde Gronau befindet.

„Unsere Aufgabe als Verwaltung ist, der Politik vorzustellen, welche Möglichkeiten es gibt“, verdeutlicht Rainer Mertens. Dem kommt die Verwaltung derzeit in allen Mitgliedsgemeinden nach, stellt auch neue mögliche Flächen für Windenergie vor. Denn wie bereits mehrfach berichtet, liegt eine neue Windkraftvariante auf dem Tisch, vorgeschlagen vom Landkreis. Diese sieht eine etwa 38 Hektar große Fläche westlich von Esbeck vor, mit der die Samtgemeinde Gronau zunächst aber nichts am Hut hat. Interessant wird es für Gronau erst, wenn der geforderte Fünf-Kilometer-Abstand zwischen den Windkraftflächen betrachtet wird. Dann nämlich kommt ein weiteres Gebiet westlich der Bundesstraße 3 mit sage und schreibe 60 bis 65 Hektar in Frage. War zunächst ein kleiner Teil der Fläche auf Elzer Gebiet, ist inzwischen vom Landkreis Hildesheim gemeldet worden, dass dieser „Zipfel“ aus der Planung falle. Er befindet sich nämlich im Überschwemmungsgebiet. Besonders die Aktionsgruppe „Kein Windpark Heinum“ dürfte es freuen, dass mit der neuen Fläche an der B 3 laut Stellungnahme der Samtgemeinde Gronau dann auf das im Raumordnungsprogramm ausgewiesene Vorranggebiet östlich von Heinum angesichts verschiedener Argumente bezüglich der Größe, der Denkmalpflege sowie des Naturschutzes verzichtet werden könnte. Damit wäre aber auch sowohl jede Erweiterungsmöglichkeit als auch Modernisierung der Windkraftenanlagen auf dem Sonnenberg ausgeschlossen. Laut Iris Dittmann aber stehen bereits bestehende Windkrafträder unter Bestandsschutz. Das Baugesetzbuch bietet allerdings eine so genannte Repowering-Verpflichtung an: Würden die neuen Flächen westlich der B 3 tatsächlich zu Windkraft-Vorranggebieten erklärt und bebaut werden, müsste der potenzielle Betreiber zwangsläufig das Gespräch mit der Windenergiegenossenschaft Eime suchen. Die dortigen Anlagen müssten laut einer solchen Repowering-Verpflichtung zunächst stillgelegt und abgebaut werden, um die neuen Anlagen in Betrieb nehmen zu können.

Gespräche mit Elze

Wie Rainer Mertens verdeutlicht, gilt es nun also vor dem Hintergrund des RROP „zukunftsweisende Entscheidungen“ zu treffen. Er bezeichnet die neue Fläche „als sehr gute Variante“, merkt zugleich aber an, dass die Samtgemeinde Gronau hier lediglich eine Stellungnahme abgibt. Die Entscheidung liegt letztlich beim Landkreis Hildesheim. Derzeit werden die Mitgliedsgemeinden informiert und erhalten Gelegenheit, ihre Position vorzutragen (siehe Artikel vom Brüggener Rat). Zudem ist Rainer Mertens im Gespräch mit dem Bürgermeister aus der Nachbarkommune Elze – mit der Absicht, die Verwaltungsausschüsse beider Kommunen für einen Austausch zusammenzuführen. Ziel soll sein, eine gemeinsame Stellungnahme zum RROP-Entwurf zu erarbeiten. Diese muss bis Ende Oktober dem Landkreis vorliegen.

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