„Blues Brothers“: Mission des TfN-Musicalensembles, das den 35 Jahre alten Kultfilm auf die Bühne bringt, ist ein voller Erfolg

„Wollt Ihr noch mehr, Gronau?“

Niemanden hält es auf den Sitzen. Es wird mitgeklatscht, getanzt, gelacht und nach rasanten 150 Minuten „Rhythm- & Blues-Show“ der Extraklasse frenetisch applaudiert. Fotos: Oelkers

Gronau „Bringt die Massen noch einmal zum Beben“, lautet die Mission der „Blues Brothers“. Und das Publikum im ausverkauften Theatersaal kocht. In Gronau geht es richtig ab, „Hallelujah“. Niemanden hält es auf den Sitzen. Es wird mitgeklatscht, getanzt, gelacht und nach rasanten 150 Minuten „Rhythm- & Blues-Show“ der Extraklasse frenetisch applaudiert.

Die Mission des großartigen TfN-Musicalensembles, das den 35 Jahre alten Kultfilm in der Bearbeitung von Andreas Unsicker und Christof Wahlefeld auf die Bühne bringt, ist ein voller Erfolg. Die Inszenierung von Katja Buhl trifft den Nerv der Zuschauer, unter denen etliche beinahe so cool gekleidet sind wie Jake und Elwood Blues: schwarzer Anzug, schwarzer Hut, schwarze Krawatte, schwarze Schuhe und Sonnenbrille.

Schräge Story

Viel mehr als die zum Kult avancierte Kluft bekommt Alexander Prosek alias Jake bei der Entlassung aus dem Knast nicht ausgehändigt. Wie die schräge Story weitergeht, dürfte bekannt sein. Die Brüder müssen schnell und auf ehrliche Weise Geld beschaffen für das katholische Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen sind. Eine göttliche Eingebung weist ihnen den Weg: „Wir bringen die Band wieder zusammen!“ Jake und Elwood (Judith Bloch) begeben sich auf einen so temporeichen wie eigenwilligen Trip, um die ehemaligen Bandmitglieder – einige haben mittlerweile ihre Seele an den musikalischen Mainstream verkauft – zusammenzutrommeln. „Unterwegs im Auftrag des Herrn“ verkörpern die stimmgewaltigen Hauptdarsteller so lässig ihre Rollen, dass man beinahe den Eindruck hat, das in jeder Beziehung harmonierende Duo spielte die Rolle seines Lebens. Bis die Gebrüder Blues nach diversen Verfolgungsjagden in einem turbulenten Finale wieder im Kittchen landen und den Saal mit dem „Jailhouse Rock“ rocken, begeistern die fantastischen Stimmen des Musical-Ensembles mit jeder Nummer. Selbstverständlich fehlen die zum Kult gewordenen Songs und Soul-Klassiker „Everybody needs somebody to love“, „Freedom“ oder „Minnie the Moocher“ in dieser Show nicht. Sie werden gekonnt ergänzt durch Aktuelles, etwa durch zwei die unter all dem Anarcho-Klamauk durchaus vorhandene Gesellschaftskritik unterstreichende Nummern von Jan Delay („Kommando Bauchladen“ „Showgeschäft“ – beide in Pfadfinderuniform vorgetragen von Elisabeth Köstner).

Eine köstliche Abwechslung ist die fröhliche Beach Boys Nummer „I get around“, bei der Tim Müller, Björn Schäffer und Jürgen Brehm das Publikum voll auf ihrer Seite haben, vor den Augen der Blues Brothers im Casting aber glatt durchfallen. Angesichts so viel musikalischer Qualität (musikalische Leitung: Andreas Unsicker) fallen einige wenige unglückliche Regieeinfälle wie der recht lächerlich wirkende, Steckenpferd reitende Polizist nicht weiter ins Gewicht.

Fantastische Musik

Was bleibt, ist die gelungene Show, die die „Blues Brothers“ und ihre großartige Band abliefern. „Wollt Ihr noch mehr, Gronau?“ ruft Alexander Prosek von der Bühne. Die Frage ist rhetorisch, die Antwort der Zuschauer, die es schon lange nicht mehr auf den Sitzen hält, im Grunde klar: ein ohrenbetäubendes „Jaaaaaa!“. Nach einem Abend voller fantastischer Musik gibt es am Ende des Musicals mit dem Konzertcharakter noch einige Zugaben. Dann brandet ein letztes Mal begeisterter Applaus auf.

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