Kommissarische Schulleiterinnen Renate Liebig und Marianne Aselmeyer begleiten Georg-Sauerwein-Schule bis zum Schluss

„Wir genießen die letzten Tage“

In der Eingangshalle der Georg-Sauerwein-Schule sind alle Jahrgänge verewigt: Die komissarischen Schulleiterinnen Renate Liebig (links, Realschule) und Marianne Aselmeyer (Hauptschule) erinnern sich. Nach dem aktuellen Schuljahr gehen in dem Gebäude alle Lichter aus. Foto: Vogelbein

GRONAU Im Augenblick sind es vor allem viele kleine und praktische Fragen, die sich Renate Liebig und Marianne Aselmeyer stellen. Wer meldet die Telefone ab? Was passiert mit dem Schularchiv? Die beiden kommissarischen Schulleiterinnen an der Georg-Sauerwein-Schule in Gronau begleiten die letzten zehnten Klassen zu ihren Abschlussprüfungen, ehe zum Ende des Schuljahres am Leintor 17 in Gronau endgültig die Lichter ausgehen.

„Im Augenblick genießen wir die letzten Tage“, erzählt Renate Liebig, die als kommissarische Schulleiterin Christiane Kunze im Frühjahr nach fast 30 Jahren an der Schule beerbte. Ein schweres Erbe möchte man meinen, ist sie doch diejenige, die symbolisch „als Letzte das Licht ausmacht“. Tatsächlich ist es für sie und Marianne Aselmeyer, als Leiterin der Hauptschule ebenfalls kommissarisch im Amt, eine „ganz besondere Zeit“. Etwas wehmütig ist Aselmeyer dann aber doch, wenngleich diese meist von außen hereingebracht wird: „Es sind in der Regel ehemalige Schüler und Eltern, die auf uns zugehen und in Anbetracht der Schließung ihr Bedauern ausdrücken“, so Marianne Aselmeyer.

Intern sieht die Situation ganz anders aus. Vier zehnte Klassen werden noch unterrichtet, zwei im Realschul-, zwei im Hauptschulzweig. „Die Situation hat uns alle vielleicht ein bisschen mehr zusammengeschweißt“, vermutet Renate Liebig. Nach anfänglichen Zweifeln seien insbesondere die Schüler nach und nach zusammengewachsen. „Irgendwie ist es hier auch sehr gemütlich“, geraten die beiden Schulleiterinnen gar ins Schwärmen. Auch die Schüler würden von dieser Atmosphäre profitieren.

So bleibt für beide ein kurzer Augenblick Zeit, die Bilder der ehemaligen Abschlussklassen im Eingangsbereich der Schule zu betrachten. „Irgendwo bin ich da vielleicht auch dabei“, sagt Renate Liebig. Tatsächlich sind fast alle Generationen an der Wand verewigt. Viele Fotos werden wohl nicht mehr dazukommen – ein Jahrgang, um genau zu sein. Ein Grund zur Sentimentalität sei das aber noch nicht: „Im Augenblick sind wir ja auch noch voll im Schulalltag“, versichert Marianne Aselmeyer. Das könnte sich aber ändern, wenn die Klassen drei Wochen vor den Sommerferien entlassen werden und nach den Abschiedsfeiern Mitte Juli die Aufräumarbeiten beginnen. Zwei Fragen sind bis dahin noch zu klären: „Was passiert mit unserem neuen Physikraum, und auch das Archiv muss ja zur KGS transportiert werden“, erklärt Renate Liebig. Diese wird dann die zentrale Schulstelle in Gronau. Auch die Lehrer, die aktuell an der Georg-Sauerwein-Schule unterrichten, gehören schon zur Kooperativen Gesamtschule (KGS) und sind lediglich abgeordnet. „Wir machen uns keine Sorgen um unsere Zukunft“, ist Renate Liebig daher beruhigt. „Das ist nun mal der Lauf der Dinge“, sind sich beide Schulleiterinnen sicher. Der demografische Wandel sei nicht aufzuhalten.

„Dass die Schule in Gronau bleibt, wenn auch woanders, ist immerhin die beste Lösung“, sind sich beide einig. Zum Abschied werden am Leintor 17 noch einmal alle Türen geöffnet: Ehemalige Schüler und Eltern sollen an einem „Tag der offenen Tür“ die Gelegenheit haben, „Tschüss“ zu sagen zu „ihrer“ Schule. Was Renate Liebig und Marianne Aselmeyer bis dahin antreibt? „Die kommissarische Leitung ist nur möglich, wenn einem die Schule ganz besonders am Herzen liegt. Und das ist bei uns der Fall.“

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