Doppelte Anzahl an Einsätzen für den Rettungsdienst in der Silvesternacht / „Wahnsinniges ehrenamtliches Engagement“

Wenn Bürger feiern, ist der ASB im Einsatz

Der Arbeiter-Samariter-Bund ist rund um die Uhr einsatzbereit: Rettungswachenleiter Meik Hüpper (links) im Gespräch mit Christian Kerner (Mitte), der derzeit ein Praktikum im Rahmen seiner Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert, und Julian Offer, Rettungsassistent im Praktikum. Foto: Klein

GRONAU Während das Gros der Bevölkerung heute vor dem Spiegel steht, um sich für die große Silvester-Feier – für die Nacht der Nächte – zu stylen, ist Meik Hüpper mit seinem Team im Einsatz. „Wir feiern hier auch“, sagt der Leiter der ASB-Rettungswache in der Leinestadt, der seit 2006 jedes Jahr die Fahrt im Rettungswagen gegen die Feier zum Jahreswechsel eintauscht.

„Hier ist es auch echt schön“, beschreibt der Wachenleiter die familiäre Atmosphäre. Es erweckt fast schon den Anschein, als würden sich Freunde in der Wache treffen, um zu feiern. Luftschlangen schmücken die obere Etage, abends kommt das Team zum Raclette-Essen zusammen. Nur wenn der Meldeempfänger „piept“, kehrt das fünfköpfige Rettungsdienst-Team des Arbeiter-Samariter-Bundes von der vermeintlichen Silvester-Feier zurück, um Menschenleben zu retten. Was sie in der Silvesternacht erwartet, ist stets ungewiss: Laut Meik Hüpper, der seit 2009 die Wache in Gronau leitet, sind es meist chirurgische und internistische Fälle – vom amputierten Finger bis hin zu Verbrennungen. „Da geht auch schon mal ein Knaller in der Hand los“, teilt der 37-Jährige mit.

Wenn die Lage es zulässt, wird um Mitternacht mit alkoholfreiem Sekt oder Orangensaft auf das neue Jahr angestoßen – kurz danach beginnt die heiße Phase für den Rettungsdienst. Sind es in gewöhnlichen Nächten durchschnittlich zwei bis drei Einsätze nach Mitternacht, so ist es Silvester die doppelte Anzahl. Wenn die Einsatzkräfte ausrücken, ist es auf den Straßen regelrecht „gespenstisch“.

Zum Team in der Silvesternacht gehören fünf Einsatzkräfte und der Notarzt. Gearbeitet wird in 24-Stunden-Schichten – von 7 Uhr bis zum Neujahrsmorgen. Unterstützt werden die hauptamtlichen Rettungsassistenten und -sanitäter in dieser Nacht von der ehrenamtlichen Schnell-Einsatz-Gruppe – mit einem Rettungswagen und zwei Einsatzkräften. „Das ist ein wahnsinniges ehrenamtliches Engagement“, zollt Markus Dolatka, Geschäftsführer des ASB-Kreisverbandes Hildesheim / Hameln-Pyrmont der SEG großen Respekt. Die Erfahrungswerte aus der Vergangenheit zeigen, dass die ehrenamtliche Unterstützung nötig ist: Im Laufe der Nacht fließt immerhin viel Alkohol, die Hemmschwelle sinkt. Hinzu kommen Knallkörper, und nicht immer besitzen diese das entsprechende Gütesiegel. „Im Rahmen der Jahrtausenwende hatten wir einen Fall, bei dem Schwarzpulver im Knallkörper war, so dass einer Person die Hand weggerissen wurde“, warnt Markus Dolatka zum einen vor ausländischen Feuerwerkskörpern, zum anderen vor unsachgemäßen Gebrauch von Silvesterböllern und -raketen.

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