„Mammutsitzung“ zum RROP-Entwurf

Mit welcher Akribie....

„Heinum raus, Brüggen rein“, fordert Christdemokrat Alexander Peetz (Mitte), dass von der Gemeinde gewünschte Windkraft-Gebiet aufzunehmen. Der Ausschuss insgesamt aber stimmt mehrheitlich dagegen. Foto: Klein

GRONAU Wer meint, Kommunalpolitiker nehmen ihre Aufgabe nicht ernst, irrt. Ein gutes Beispiel hierfür lieferten die Mandatsträger in der Sitzung des Finanz- und Bauausschusses der Samtgemeinde Gronau. Rund drei Stunden beschäftigten sich die Ratsmitglieder mit der Stellungnahme der Samtgemeinde zum Landkreis-Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP).

Mit welcher Akribie die Ratsmitglieder die vorgelegten Varianten der Samtgemeinde-Stellungnahme „beacktern“, beeindruckte – wenn dem Zuhörer auch nicht immer deutlich wurde, worum es den Ratsmitgliedern eigentlich ging.

Das politische Gremium befürwortete die Ausweisung einer im RROP-Entwurf bisher nicht dargestellten Konzentrationsfläche westlich der Bundesstraße 3 und nordöstlich von Eime. Angesichts der Fünf-Kilometer-Abstandsregelung soll die bisher dargestellte Fläche am Sonnenberg aufgegeben werden. Fest verankert wird allerdings eine Repoweringverpflichtung, um der Windenergiegenossenschaft Eime die Möglichkeit der Teilhabe am neuen Standort zu geben. (die LDZ berichtete). Doch die Frage nach dem Abstand zur Wohnbebauung war offenbar schwieriger zu beantworten als gedacht. Schon die Mitgliedsgemeinden hatten unterschiedeliche Auffassungen. So kam beispielsweise der Vorschlag, einen Abstand von mindestens 1 000 Metern zwischen einem Windenergie-Vorranggebiet und der Wohnbebauung einzuhalten, mindestens aber das zehnfache der Nabenhöhe.

Sinnvoll?

Christdemokrat Alexander Peetz erachtete diesen Zusatz als sinnvoll, immerhin wisse ja niemand, wie sich die Technik der Windkraftanlagen einmal entwickelt. Wie Matthias Reinold vom Rintelner Büro für Raum- und Stadtplanung aber zu bedenken gab, ist es wichtig „klare Orientierungen“ zu geben. Mit einer Variable aber könne nicht gearbeitet werden, mahnte der Experte. Eine Diskussion entstand; einige Ausschussmitglieder sorgten sich offenbar über die Auswirkungen in der Zukunft. Letztlich aber entschied sich der Ausschuss für den Abstand von 1 000 Metern. Dieses Votum hatte dann allerdings Auswirkungen auf den Wunsch aus Brüggen: Dort regte der Gemeinderat eine etwa 18 Hektar große Fläche für Windenergie an. „Heinum raus, Brüggen rein“, formulierte Alexander Peetz kurz. Ausschussvorsitzender Albert Rehse aber fragte sich, ob dieses Gebiet überhaupt in Frage kommt. „Das ist eine ungünstige Fläche“, kommentierte auch Edgar Eifler von den Grünen: „Der Külf liegt direkt davor.“ Brüggens Bürgermeister Eduard Plachte meldete sich zu Wort: „Wir wollen ja nur, dass der Landkreis die Fläche prüft.“ Alexander Peetz pflichtete seinem Parteikollegen bei, er wolle „die Brüggener ungern kastrieren“, wenn sie sich schon ein Windenergie-Vorranggebiet wünschen. Doch mit genauem Blick auf den Plan scheiterte es am zuvor festgelegten Abstand von 1 000 Metern. „Das ist widersprüchlich“, mahnte Sozialdemokrat Albert Rehse. Auf der eingezeichneten Karte nämlich ist man von einem Abstand von 750 Metern ausgegangen, bei 1 000 Metern würde sich die Fläche auf maximal sieben Hektar verkleinern. Mit vier Ja- und Drei Nein-Stimmen votierte der Ausschuss dafür, auf weitere Konzentrationsflächen zu verzichten.

Das Thema Windkraft war abgehakt, doch es ging weiter. Sollte das derzeitige Grundzentrum Gronau zum Mittelzentrum wachsen? „Es sind alle Kriterien erfüllt. Nur die Einwohnerzahlen stimmen nicht“, meinte Albert Rehse. Experte Matthias Reinhold jedoch sah geringe Chancen für die Leinestadt, diesen Schritt realisieren zu können.

Vielmehr plädierte er dafür, sich als besonderes Grundzentrum Schwerpunktaufgaben zu setzen. Der Verwaltungsvorschlag sah hier bisher die Sicherung und Entwicklung von Wohn- und Arbeitsstätten vor. Zwar war die CDU bereit, hier noch die Sicherung der medizinischen Versorgung aufzunehmen, den Schritt zum Mittelzentrum aber wollten sie angesichts der Expertenmeinung nicht wagen. Mit vier Ja- und drei Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung jedoch empfiehlt das Gremium, bei einer kommenden Änderung oder Neuaufstellung des Landesraumordnungsprogramms Gronau als Mittelzentrum darzustellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare