Gronauer Angler im Gespräch mit Europaparlamentarierin Gesine Meissner (FDP)

„Vergewaltigte Leine“

Günter Ohnesorge vom Verein „Leine-Lachs“ zeigt Gesine Meissner das Lachszentrum – und weist auf eine Vielzahl von Problemen hin, die die Fischereifreunde umtreiben. Foto: Mosig

GRONAU Im 19. Jahrhundert war die Leine eine Handelsroute für Floßfahrer. Doch mit der Eisenbahn endete das ab 1850. Die Nutzung des Flusses änderte sich, die Mühlen und die Wehre wuchsen. Die Leine war nicht mehr durchgängig, und damit starb auch der Lachs um 1900 aus.

„Unsere Vorfahren sind leichtfertig mit dem König der Fische umgegangen“, erzählte Günter Ohnesorge, Vorsitzender des Vereins „Leine-Lachs“, seinem Besuch im Norddeutschen Lachszentrum. Der Fischereiexperte begrüßte am Dienstagabend eine Abordnung der FDP Leinebergland um die Europaabgeordnete Gesine Meissner. Die Freidemokratin betreut einen Wahlkreis, der Niedersachsen, Hamburg und Bremen umfasst. Dennoch nahm sie sich umfangreich Zeit, sitzt sie doch seit dem vergangenem Jahr im europäischen Fischereiausschuss. Ohnesorge erläuterte, dass er sich immer über Besuch aus der Politik freue. „Unser größter Fürsprecher war der ehemalige Umweltminister Hans-Heinrich Sander. 2008 hat er gesagt, es müsse möglich sein, die Leine bis 2010 ökologisch durchgängig zu machen. Es hat zwar länger gedauert, doch es wird in diesem Jahr gelingen.“ Der Verein „Leine-Lachs“, in dem 41 Vereine mit insgesamt 18 000 Mitgliedern organisiert sind, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Lachs in unseren Gewässern so weit zu bringen, dass er sich selbst reproduziert. Viel wurde in den vergangenen zehn Jahren erreicht. Schrittweise ginge es beispielsweise in der Kormoran-Problematik voran, laut niedersächsischer Verordnung dürfen diese nun geschossen werden, es bleibe aber dennoch ein Problem. Weitere Themen auf Ohnesorges Agenda war die von ihm als „Vergewaltigung der Leine“ bezeichneten vergangenen Begradigungen ohne Unterstände, auf die „die Sonne knallt“. Hier müsse Geld in die Hand genommen werden, sagte der Gronauer besonders mit Blick auf den Abschnitt unterhalb der Marienburg. Auch der Schutz vor illegaler Vermarktung und vor Raubbau müsse vorangetrieben werden. Doch nicht nur Lachse sind in Ohnesorges Fokus. Explizit sprach er Meissner auf die kritischen Aalbestände an. Die Interessen stünden konträr zu denen in südeuropäischen Ländern: „Insbesondere die kleinen Angelvereine der Region nehmen viel Geld in die Hand.“ Da wirke es merkwürdig, dass sich Spanien gar nicht um die Bestände schere und dass Glasaale tonnenweise nach Asien verkauft werden. Meissner nahm die Anregungen auf und versprach, dass dies nicht ihr letzter Besuch im Norddeustchen Lachszentrum gewesen sei.

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