Was passiert, wenn man ins Parlament einzieht? Bernd Lynack (SPD) gibt Einblicke in die Seele eines Berufspolitikers

„Umarmparty“ und Sieben-Tage-Woche

„Mensch, da war mein Sohn dabei“: Landtagsabgeordneter Bernd Lynack (rechts, mit LDZ-Redaktionsleiter Florian Mosig) freut sich, dass er auf den LDZ-Seiten der Sonnabendausgabe die Ferienpassaktion im Hildesheimer Kletterpark entdeckt. Foto: Klein

GRONAU Und schon wieder ist ein Politiker zu Gast in Gronau. Doch während der Sommer sonst für ausgiebige Reisen im Wahlkreis genutzt wird, ist Bernd Lynack, SPD-Landtagsabgeordneter aus Hildesheim, in neuer Mission unterwegs. Er ist gerade auf dem Weg nach Alfeld, wo er, da Waltraud Friedemann den Einzug ins Landesparlament verpasst hat, Bürgersprechstunden anbietet. Trotzdem nimmt er sich die Zeit, exklusiv für die LDZ einen Überblick zu geben, wie seine ersten sechs Monate im neuen Job gelaufen sind – und dabei gibt er interessante Einblicke in die Seele eines Berufspolitikers.

Komisch sei es beispielsweise gewesen, seinem CDU-Kontrahenten Frank Wodsack nach dem Feststehen des Wahlergebnisses zu treffen: „Man weiß gar nicht so recht, was man sagen soll. Glücklicherweise konnten wir uns aber in die Augen schauen, da wir keine Schlammschlacht im Wahlkampf erlebt haben.“

Und sowieso, der Wahlkampf: Lynack berichtet, dass er Glück hatte, als Kreis-SPD-Geschäftsführer den Rücken von der Kreisfraktion freigehalten zu bekommen: „Ich konnte zwar viele Termine wahrnehmen, aber dennoch muss die Arbeit erledigt werden“, so der Hildesheimer, der mit seiner Parteifreundin Waltraud Friedemann und anderen Kandidaten mitfühlt, die neben ihrem Beruf auf Stimmenfang gehen, ihren Jahresurlaub opfern und für die es dennoch nicht reicht.

Mitgefühl und Freude

„Man muss sich immer mit dem Gedanken befassen, nicht gewählt zu werden – gerade in Hildesheim.“ Denn die Kreisstadt ist nicht unbedingt eine SPD-Hochburg. Nach der Wahl am 20. Januar brach vieles Neues über Lynack herein. Am Wahlabend bekam er viele SMS und Anrufe, gab ein Interview für den NDR, legte sich aber bald schlafen und versuchte, sich den Montag freizuhalten. Denn klar war, dass am Dienstag die erste SPD-Fraktionssitzung in Hannover stattfinden würde. Ein freier Tag, das gelang nur bedingt, denn erstens klingelte weiter das Telefon, und zweitens musste er sich mit Klaus Bruer, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, auf die Suche nach einem geeigneten Nachfolger als Geschäftsführer machen. „Wir konnten vorher keinen auswählen, um keine Hoffnungen zu schüren, falls ich verloren hätte.“ Kandidaten gab es, wobei es vieles zu beachten galt, beispielsweise die Stellenpläne der Kreisverwaltung. Nachfolger wurde Volker Senftleben aus Eime, Lynack übergab seinen Posten am 1. Februar.

Wie läuft nun eine erste Fraktionssitzung ab? Lynack kam in den Raum und sagte erstmal „Herzlichen Glückwunsch, Stephan“ zum Wahlgewinner Weil: „Dann begann die Umarmparty.“

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