Eimer Sonnenbergschule wird mit mehrheitlichem Ratsvotum geschlossen / Zerreißprobe für die Region

„Trauriger Tag“ für alle Entscheidungsträger

Die Bevölkerung hat großes Interesse am Ratsentscheid: So wird die Einwohnerfragestunde rege genutzt, um doch noch Einfluss auf die Entscheidung in Sachen Schulschließung zu nehmen. Foto: Mosig

GRONAU Die Eimer Sonnenbergschule wird geschlossen. Die dreistündige Samtgemeinderatssitzung offenbarte ein letztes Mal alle Facetten einer Diskussion, die zu einer Zerreißprobe für die Region geworden ist.

Die Betroffenen aus Eime – Eltern, Schulbedienstete und Befürworter der Schule – führten noch einmal in lobenswerter Weise mit hoher Emotionalität ihre Gründe ins Feld, warum die Schule erhaltenswert sei. Es geht um das Kindeswohl, um Fehler in der Matrix, um die Zukunft von „KidS“, um falsche Schülerzahlen, um die Attraktivität des Flecken. Zwischenrufe und Beifallsbekundungen für die Kämpfer unter den Ratsmitgliedern, die mit zahlreichen Anträgen versuchten, die Schule in irgendeiner Weise zu erhalten, prägten die Sitzung. Die Übergabe von 1 136 Unterschriften zum Erhalt war ein gewaltiges Pfund, das unbeachtet blieb. Denn auf der anderen Seite stehen diejenigen, die sich an Zahlen orientieren, am Bevölkerungsschwund und an der finanziellen Lage. Zwei Sichtweisen prallen hier aufeinander und passen niemals zusammen, die sich aber doch um die gleichen Fragen drehen: Wie begegnen wir dem demografischen Wandel? Erhalten wir oder verschlanken wir?

Sicher, denjenigen, die mit Wut im Bauch die Sitzung beobachten, fällt es schwer, zu begreifen, was hier vor sich geht: Eine Schule wird aus Kostengründen geschlossen, die Löschwasserversorgung in Rheden für zigtausend Euro ausgebaut. Wieso kann man das Geld, was beim Schmutz- und Niederschlagswasser eingespart wird, nicht in die schulische Versorgung stecken? Wieso werden Schulen geschlossen und Fachmarktzentren gebaut? Es könnte so einfach sein. Natürlich mag es richtig sein, seine Wut auf den Samtgemeindebürgermeister, die Verwaltung und die Ratsmitglieder zu lenken, da sie ja „Schuld sind“ mit ihrer Entscheidung.

Doch auf der anderen Seite muss man ihnen auch glauben, dass sie sich ihre Entscheidung nicht leicht machen, dass es „ein trauriger Tag ist“, wie Rainer Mertens sagte, und dass sie von uns gewählt sind – aus unserer Mitte heraus – um fürs Allgemeinwohl und die Zukunft zu entscheiden. Als Beobachter, der versucht, beide Seiten zu verstehen und Emotionen herauszulassen, ist man ratlos, welches die richtige Entscheidung ist oder gewesen wäre. Man versteht nicht, wie manches zusammengeht: Alle Ratsmitglieder scheinen einzusehen, dass wir neue, schlankere Strukturen im Südkreis brauchen, dass Fusionen mit Duingen und wohl auch mit Elze und Sibbesse nötig sind, um aufgrund des demografischen Wandels die Bedingungen anzupassen. 28 Hände gingen nach oben, als zu den Fusionen abgestimmt wurde. Doch das war einfach, schwierige Entscheidungen zu diesem Themenkreis scheinen noch weit weg. Oder, andersherum draufgeschaut: Wieso stimmen beim darauffolgenden Beschluss nur noch 19 Mitglieder für eine Schulschließung? Wir stehen jetzt an einem Punkt, an dem man sich entscheiden muss, konsequent zu verändern oder konsequent zu erhalten. Wie Rainer Mertens sagen würde: „Wer in die Zukunft schauen kann, nenne mir die Lottozahlen.“ Doch einen kleinen Blick in die Glaskugel kann man bereits machen: Es wird wohl nicht das letzte Mal wütende Bürger gegeben haben, und die Entscheidungsträger werden in nächster Zeit hart kämpfen müssen, dass das Vertrauen in die Demokratie nicht schwindet.

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