Tierschutzorganisation Peta will Strafanzeige stellen / Weshalb wurde die Feuerwehr so spät alarmiert?

Tiertransport-Unfall zieht große Kreise

Vor einer Woche ist der Anhänger eines Tiertransportes in den Graben an der Landesstraße 481 bei Banteln gekippt. Die Einsatzkräfte der Feuerwehren Eime und Banteln werden nach knapp eineinhalb Stunden hinzugerufen. Foto: Heuer

BANTELN Der Tiertransport-Unfall nahe Banteln zieht weitere Kreise: Von einer Anwohnerin Nordstemmens ist nun die Tierschutzorganisation Peta eingeschaltet worden. „Wir teilen nicht die Auffassung des Veterinäramtes“, zeigt sich Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung des im Jahr 1994 gegründeten Vereins, verärgert.

Das Kreisveterinäramt hatte den Vorfall vor gut einer Woche als Unfall bezeichnet, der bisher keine tierschutzrechtlichen Konsequenzen nach sich ziehe, hieß es von der Behörde (die LDZ berichtete). Während derzeit noch ermittelt wird, schaltet sich auch die Tierschutzorganisation Peta ein. „Wir werden Strafanzeige erstatten“, positioniert sich Dr. Edmund Haferbeck: wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und der EU-Transport-Verordnung sowie wegen mutmaßlicher Gefährdung des Straßenverkehrs. „Diese Unfälle häufen sich“, ärgert sich der Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung: Allein in den vergangenen Wochen habe es zehn ähnliche Unfälle im Bundesgebiet gegeben – mit mehreren 1 000 Tieren. Die Verfahren würden aber noch laufen. Angesichts der Anzahl der Tiere sei der Verkehrsunfall nahe Banteln noch als „relativ harmlos“ zu sehen. „Aber uns geht es um jedes einzelne Tier“, betont Dr. Haferbeck im Gespräch mit der LDZ und kritisiert „das gesamte Tiertransportsystem“ scharf. Schweine würden eingepfercht auf mehreren Etagen – als „leichtsinnig verpackte Ware“ – in solchen Anhängern transportiert. „Und solche Sachen sind in unserer Gesellschaft auch noch erlaubt“, bedauert er. Die Bestimmungen seien „lasch“, und selbst diese würden oft noch ignoriert. „Wir wollen einfach nicht, dass diese Unfälle einfach erledigt sind“, nennt Dr. Haferbeck das Anliegen von Peta: Stattdessen fordere die Tierschutzorganisation eine genaue Prüfung der Umstände.

Der Verkehrsunfall nahe Banteln, der sich vor einer Woche in den Abendstunden ereignete, wirft offenbar Fragen auf: Weshalb ist etwa die Feuerwehr erst knapp eineinhalb Stunden später alarmiert worden? „Die Feuerwehr ist zu spät und vor allem mit einer völlig falschen Ansage gerufen worden“, ärgert sich Dr. Edmund Haferbeck. Zur Erinnerung: Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte aus Banteln und Eime erhielten knapp eineinhalb Stunden nach dem Verkehrsunfall den Marschbefehl „Tierkadaverbeseitigung“, wobei sich noch lebende Schweine im Anhänger befanden, wie die Einsatzkräfte vor Ort feststellten.

Die Vorwürfe der Tierschutzorganisation, Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und gegen die EU-Transport-Verordnung, empfindet Mitgeschäftsführer Christian Heuer des Viehvermarktungs-Unternehmens aus Bad Münder als „lächerlich“. Ohnehin ist das Unternehmen nur in der Region unterwegs, um vier Schlachthöfe anzufahren. Maximal zwei Stunden dauere der Transport der Tiere. Der besagte Anhänger des Unternehmens, der nahe Banteln in den Graben kippte, sei mit 80 Schweinen beladen und damit laut Verordnung „nicht einmal ausgelastet“ gewesen. „Ein solcher Unfall ist ärgerlich, aber nun mal passiert“, sagt Christian Heuer: „Wir haben gegen keine Regeln verstoßen.“ Alle Mitarbeiter, die die Tiertransporte fahren, seien entsprechend geschult. Die Bergung der Schweine sei letztlich, vor allem dank der Unterstützung örtlicher Landwirte, „gut gemanagt“ worden. 30 Tiere aber starben oder mussten angesichts ihrer Verletzungen noch vor Ort getötet werden.

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