Mitglieder wollen Arbeit anpacken

Statistik gibt Anlass zur Sorge

Gewässerwart Dirk Heinrich, zweiter Vorsitzender Gustav Mundt, Vorsitzender Günter Ohnesorge und Gewässerwart Detlef Kahnert (von links) blicken auf die Statistik, die die Fangmengen der Fische im Elf-Jahres-Vergleich zeigt.

„Ziemlich erschreckende Rückschlüsse“ hat Gronaus Fischereiverein nun im Rahmen einer umfangreichen Statistik erhalten: Sorge bereiten die heimischen Gewässer, allen voran die Alte Leine.

„Ziemlich erschreckende Rückschlüsse“ hat Gronaus Fischereiverein nun im Rahmen einer umfangreichen Statistik erhalten: Sorge bereiten die heimischen Gewässer, allen voran die Alte Leine.

Am Ende einer Saison erhalten die Gewässerwarte stets die aktuellen Fangmeldungen der Angler. Dies ist laut Vorsitzender Günter Ohnesorge jedoch lediglich „eine Momentaufnahme“, die zunächst noch nicht Anlass zur Sorge gibt. Doch nun hat sich der engagierte Verein die Mühe gemacht, die Ergebnisse der vergangenen elf Jahre zusammenzutragen und zu analysieren. Die Ergebnisse sprechen für sich und zeigen den Mitgliedern, hier bestehe Handlungsbedarf. „Wenn in der Alten Leine so gut wie kein Fisch gefangen wird, zeigt uns dies, dass mit dem Gewässer etwas nicht stimmt“, informiert Günter Ohnesorge.

„Völlig verschlammt“

Die Alte Leine bei Rheden ist etwa zweieinhalb Kilometer lang, allerdings „völlig verschlammt“ und „nur noch wenige Zentimeter tief“. Knapp 1 700 Fänge sind in den vergangenen elf Jahren gemeldet worden, was einen Jahresdurchschnitt von 154 Fische ergibt. „Eigentlich ist es eines unseren schönsten Gewässer“, bedauert Günter Ohnesorge den Zustand des Gewässers, das angesichts schlechter Werte kaum noch einen Lebensraum für Fische bietet. Weitere Untersuchungen sollen dem Verein schließlich zeigen, welche Möglichkeiten es für die Verbesserung des Gewässers gibt. Eine wäre, die Alte Leine auszubaggern. Dies jedoch sei mit erheblichen Kosten verbunden.

„Geld und Idealismus“

Besonders mit Blick auf die Fangmengen der Aale zeigt sich eine dramatische Entwicklung für den Fischereiverein.

Zum Vergleich: In der fließenden Leine, die der Fischereiverein auf einer Länge von rund 15 Kilometern betreut, werden im Jahresdurchschnitt 1 045 Fische gefangen. Doch auch hier müsse der Fischereiverein genauere Beobachtungen vornehmen, „damit sich hier keine weiteren Verschlechterungen einschleichen“, sagt Günter Ohnesorge: „Wir werden künftig wohl auch die Auswirkungen der Klimaveränderung spüren und mit extremen Wasserverhältnissen, sei es beim Wasserstand oder der Wassertemperatur, rechnen müssen.“ Zwar hat sich der Wallenstedter See als Eigentum des Vereins gut entwickelt, nachdem die Mitglieder „viel Geld und Idealismus“ in das drei Hektar große Gewässer investiert und dieses ausgebaggert hatten, doch in den vergangenen drei Jahren sind erneut „massive Anzeichen von Verlandung durch Wasserpflanzen“ zu erkennen, was Schätzungen des Vereins zufolge mit einem Rückgang an Fischfängen einhergeht. Hier soll laut Ohnesorge eine Arbeitsgruppe gebildet werden, um sich diesem Thema anzunehmen.

Große Probleme bereitet dem 460 Mitglieder zählenden Verein der Brüggener See und die Nordstemmer Seen. Die Gewässer – das in Brüggen hat eine Größe von vier Hektar und in Nordstemmen hat der Verein zwei Seen mit insgesamt rund 30 Hektar von Nordzucker gepachtet – werden oft von Badegästen aufgesucht, die ihren Müll unachtsam in der Natur zurücklassen. „Der Müll verärgert unsere Mitglieder“, gibt Günter Ohnesorge zu bedenken. In Nordstemmen etwa sind allein zehn Mitglieder eingesetzt, um dort für Ordung zu sorgen. Vom Autorennen über das Partyzelt bis hin zum riesigen Lagerfeuer – vieles haben die Mitglieder dort bereits erlebt. Die Fangzahlen in Nordstemmen aber hätten sich gut eingependelt, liegen bei durchschnittlich 305 Fische im Jahr. Im Brüggener See sind in den vergangenen elf Jahren 2 627 Fänge gemeldet worden. „Auch hier ist eine Bestandsaufnahme erforderlich“, betont der Vorsitzende.

Bestandsaufnahme

Angesichts der gesammelten Erkenntnisse sind die Mitglieder im Oktober vergangenen Jahres dem Vorstand gefolgt, „ein allumfassendes Zukunftskonzept“ zu entwickeln. Geplant ist zunächst, in allen Gewässern Bestandsaufnahmen mit Elektro-Fischfanggeräten durchzuführen. Dies sei dann auch die Gelegenheit, sich etwa durch Tiefenkarten einen Überblick über die derzeitige Gewässerstruktur zu verschaffen. Eine so genannte Experten-Kommission, die sich aus dem Vorstand, dem Ehrenrat mit seinen erfahrenen Anglern zusammensetzt, soll dann schließlich ein erstes grobes Konzept entwickeln. Diese ersten Vorschläge sollen dann im Gewässerausschuss, in dem Gewässerwarte, -obmänner und -helfer sitzen, prüfen. Des Weiteren will man Experten ins Boot holen. „In dem feineren Konzept müssen wir dann wissen, welche Konsequenzen auf uns zukommen und vor allem, wie wir dies bezahlen können“, weist der Vorsitzende darauf hin, dass der Fischereiverein jetzt schon „am Limit“ wirtschafte. Allein 35 000 Euro fließen jährlich in die Gewässerpflege, darunter 18 000 Euro in den Fischbesatz. Fördermöglichkeiten müssten somit für das Konzept gefunden werden, immerhin leiste der Verein ja mit dieser Arbeit Natur-, Umwelt- und Tierschutz. Derzeit aber steht der Gronauer Fischereiverein noch völlig am Anfang. Jetzt soll erst einmal die Expertenkommission zusammengerufen werden. Und sobald es das Wetter zulasse, etwa im April, Mai, soll mit der Bestandsaufnahme der Gewässer begonnen werden.

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