Schrecklicher Vorfall im Raum Gronau

29 Schrotkugeln: Graureiher stirbt an Bleivergiftung

22 Schrotkugeln kann Tierarzt Dr. Bitter entfernen, aber sieben sitzen einfach zu tief.
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22 Schrotkugeln kann Tierarzt Dr. Bitter entfernen, aber sieben sitzen einfach zu tief.

Gronau / Osterwald – Unbekannte haben im Dezember im Raum Gronau einen EU-weit ganzjährig geschützten Graureiher mit einer Schrotladung angeschossen und schwer verletzt liegengelassen. Eine Spaziergängerin brachte den Vogel in die Tierklinik am Osterwald. Trotz erfolgreicher Not-OP eines gebrochenen Flügels und der Entfernung von 22 Schrotkugeln verstarb der Reiher drei Wochen später an einer Bleivergiftung. Tierarzt, Jäger und Naturschützer sind entsetzt. 

„Es kann ein Dummer-Jungen-Streich gewesen sein“, mutmaßt Dr. Jan Bitter. Der Tierarzt und Jäger schaut nachdenklich auf die Röntgenbilder des Reihers – mit einer Mischung aus Unverständnis und unterdrückter Empörung: „22 Schrotkugeln konnte ich entfernen. Eine hat den Flügel zerschmettert und gebrochen, den haben wir geschient. Sieben Kugeln saßen einfach zu tief.“ War der Schütze vielleicht ein Jäger? Wohl kaum, meint Bitter. Der Jäger beginne und beende die Jagd vernünftig. Ohne, dass das Wild leiden müsse: „Bevor man das Tier schießt, wird es angesprochen, wie es im Jägerjargon heißt. Es wird zugeordnet und klassifiziert, ob es jagdbar ist oder nicht. Um ganz sicher zu sein, dass es gejagt werden darf.“ Und dann werde sauber geschossen, das Tier notfalls, nach einem Fehlschuss, erlöst. Das wisse und beherzige jeder Jäger. „Es gibt Vorkommnisse, die machen einen vorerst einfach sprachlos“, so Günter Blötz, Vorsitzender des NABU-Kreisverbandes Hameln-Pyrmont:  „Angeschossen und liegengelassen!? Nach Ansicht des NABU ein Fall von Jagdfrevel!“ Der Graureiher zähle zu den vom Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders und ganzjährig geschützten Arten: „Wenn man den prächtigen Schreitvogel am Gewässerrand oder auf der Wiese stehen sieht, sollte man sich an einer friedlichen Koexistenz erfreuen und die durch ihn eventuell verursachten wirtschaftlichen Schäden in unserer Region vernachlässigen – mal ganz abgesehen von des seitens des NABU seit Jahren geforderten Verzichts auf Bleimunition.“ Burkhard Cramer, Vorsitzender der Jägerschaft Hameln-Pyrmont, hofft, dass der Beschuss des Reihers nicht auf einen Jäger rückschließen lasse. Der sei zu den gesetzlichen Bedingungen und dem Gebrauch der Schusswaffe ausgebildet und kenne die Gesetzeslage. Die Jägerschaft sehe es daher als notwendig an, den Vorfall bei den Behörden zur Anzeige zu bringen und den Verursacher zu ermitteln. – Ingrid Stenzel

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