Emmi und Herr Willnowsky sorgen für nicht enden wollende Lachsalven

Schlüpfrige Scherze am laufenden Band

Die alternde Kammersängerin Emmi (Christoph Dompke) und ihr Göttergatte Herr Willnowsky (Christian Willner) liefern sich einen Ehekrieg, der die Zwerchfelle der „Freitag live“-Besucher bis zum Außersten strapaziert. Viel Applaus ist der Dank für einen Comedy-Abend in der Aula der KGS Gronau. Fotos: Oelkers

Gronau Makabre Märchen, mitreißende Musik und ein Mordspaar haben im Gronauer Theatersaal für nicht enden wollende Lachsalven gesorgt. Die alternde Kammersängerin Emmi (Christoph Dompke) und ihr Göttergatte Herr Willnowsky (Christian Willner) hatten dem begeisterten „Freitag live“-Publikum in ihrem neuen Programm „mehr ist mehr“ versprochen.

Und Deutschlands Rosenkrieger-Nummer 1 lieferten tatsächlich „mehr schlüpfrige Scherze“ am laufenden Band als manches Zwerchfell ertragen konnte. Meistens gingen diese voll auf Kosten des Partners. In einem so gnadenlosen wie quietschvergnügt vorgetragenen Schlagabtausch zum Fremdschämen schenkten sich Emmi und Valentin Willnowsky nichts. In dieser „Beziehung mit Niveau“ halten Koseworte wie „kleine Gülleprinzessin“, „Kolchosenkasper“ oder „Zarenzipfel“ die (ehe-)kriegerische Leidenschaft am Kochen – und beide gingen großzügig mit ihren Liebesbekundungen um. „Bei uns beiden war es Liebe auf den ersten Blick“, bekannte Emmi mit schonungsloser Ehrlichkeit: „Sie können sich meinen Schreck vorstellen, als ich zum zweiten Mal hingeguckt habe.“ Offenherzig plauderte das Paar aus dem heimischen Schlafzimmer („Bei uns läuft nicht mehr viel“), um dann seine Chancen bei den Gästen Publikum auszuloten.

„Wir haben es da wirklich gut“, gab es für die Gastfreundschaft von Susanne Uhlemann ein dickes Lob der Comedians. Doch für „Hausbesuche“ war die Unterbringung eher weniger geeignet, wie Emmi gegenüber Marvin bedauernd aus Gronau einräumte.

Wunderbare Märchen

Die derben Witze wurden mit einem makabren Ausflug in „Valentin Willnowskys wunderbare Märchenwelt“ garniert. Das garantiert nicht für Kinder geeignete „Märchen von der toten Kuh und der Nixe“ dürfte seinesgleichen suchen. Richtig lecker wurde es, wenn Herr Willnowsky der liebevollen Aufforderung „Spiel ein Lied, du blöder Spaßrusse!“ gehorchte und sich an das Klavier setzte. Auf „Melodjen“ von Udo Jürgens, Roland Kaiser oder Rudi Carrell machte sich das Ehepaar seinen eigenen Reim, harmonierte auf einmal prächtig und brachte den Saal zum Kochen. Immer wieder wurde mitgeklatscht. Fast ohne Unterlass schüttelte sich das Publikum vor Lachen. „Erstmal auslachen lassen“, musste Willnowsky seine Emmi wiederholt ermahnen, bevor es mit dem bitterbösen Reigen aus Witzen und Zoten weiter ging.

Mit entwaffnender Ehrlichkeit und im typischen Willnowsky-Jargon bekannte er: „Manchmal bin ich selbst schockiert, was ich auf der Bühne für einen Scheiß erzähle.“ In dem mit messerscharfen Sprüchen und drastischem Vokabular auch unter der Gürtellinie geführten Ehekrieg traf mancher Seitenhieb aber auch die gesellschaftliche Entwicklung. Es gab ungeheuer viel Applaus an diesem Abend, einen kräftigen Extra-Applaus aber für die doppeldeutige Aufforderung, in der Pause auszutreten – aus der Alternative für Deutschland (AfD).

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