Abi-Partys in Gronau in der Kritik

So schlimm, wenn Jugend feiert?

GRONAU Ein Bild des Schreckens zeichnete der Anfang der Woche in der LDZ veröffentlichte Leserbrief: Die Burgstraße werde anlässlich der im Lachszentrum organisierten Abi-Partys zur Rennstrecke erklärt, pausenlos würden die Feiernden grölen, ja sich in Hauseingängen „entleeren“ und noch dazu fremdes Eigentum zerstören. Ist es eben dieser Eindruck, den feiernde Jugendliche hinterlassen? Die LDZ hat nachgefragt und – wenn es vielleicht den einen oder anderen Anwohner angesichts seiner subjektiven Wahrnehmung überraschen wird – ein anderes Bild erhalten.

Wenn Jugendliche feiern, kann es schon mal ein wenig lauter werden – übrigens auch, wenn Erwachsene in ausgelassener Stimmung sind. Dass eine Abi-Party, wie jede andere Großveranstaltung auch, nun eine gewisse Geräuschkulisse mit sich bringt, ist somit ebenso wenig ungewöhnlich wie dass der eine oder andere Gast wohl mal über die Stränge schlägt. Was aber ist nun dran am Eindruck der Leserbrief-Schreiber? Handelt es sich hier gar um eine subjektive Wahrnehmung?

Keine Strafanzeige

„Diese Aussagen können wir aus polizeilicher Sicht nicht bestätigen“, stellt Elzes Polizeikommissariatsleiter Ralf Büsselmann klar: Bei der jüngsten Abi-Party habe es keinerlei Straftaten gegeben. Eine Rangelei zwischen Jugendlichen aber sei entstanden, in deren Folge eine Person angesichts ihres Alkoholkonsums das Gleichgewicht verlor und somit versehentlich eine Schaufensterscheibe beschädigte. Dass es für die Bevölkerung teilweise auf Ablehnung stoße, wenn Jugendliche ausgelassen feiern, sei für den Polizeichef durchaus nachvollziehbar. Beschwerden aus der Bevölkerung aber habe es nicht gegeben. Bei größeren Veranstaltungen wird die Polizei stets informiert, schaut nach dem Rechten und nutzt die eine oder andere Abi-Party auch, um Prävention in Sachen Alkohol- und Drogenkonsum zu betreiben. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagt Ralf Büsselmann.

„Diskreditierung“

Angaben der Verwaltung zufolge dürfen im Jahr fünf Veranstaltungen im Lachszentrum organisiert werden. „Ich habe größtes Verständnis für die Interessen der Anlieger“, betont Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens im Gespräch mit der LDZ. Allerdings könne weder er noch Rolf Ising vom Ordnungsamt den im Leserbrief geschilderten Eindruck bestätigen: „Dies deckt sich nicht einmal ansatzweise mit dem, was wir im Gespräch mit den Einsatzkräften erfahren haben.“ Rainer Mertens geht sogar noch einen Schritt weiter: „Das ist eine Diskreditierung von Jugendlichen. Hier wird ein Bild gezeichnet, das einfach nicht zutrifft.“ Auch habe er keineswegs die Unwahrheit gesagt, wie ihm im Leserbrief unterstellt wird, nimmt der Verwaltungschef kurz Stellung dazu: „Zu dem Zeitpunkt waren nur zwei Veranstaltungen im Lachszentrum geplant. In die Zukunft schauen kann ich nicht.“

Bei jeder Veranstaltung im Lachszentrum muss eine Nutzungsänderung beim Landkreis Hildesheim beantragt werden: Weder der Landkreis noch die Samtgemeinde Gronau geben ohne Weiteres grünes Licht, sondern stellen Auflagen. „Eine solche Veranstaltung läuft nicht einfach so nebenbei“, betont Rolf Ising: „Das wird bis ins letzte Detail geplant“, zeigt er beispielsweise eine Skizze, auf der alle Einzelheiten erfasst werden.

Schutz der Bürger

Für die Abi-Party am vergangenen Wochenende hat allein der Landkreis 19 Auflagen gestellt. Zum Schutz der Anwohner forderte die Samtgemeinde zudem, zwei Aufsichtspersonen zusätzlich für die Burgstraße abzustellen, die Aussagen von Rolf Ising zufolge die Feiernden sogar zur Hauptstraße begleitet haben. „Wir versuchen, die Anwohner, so weit es geht, zu schützen“, betont er. Schutz der Bürger auf der einen Seite, eine Möglichkeit für die Jugend, einmal vor Ort feiern zu können, auf der anderen – es sei eine Frage des Interessenabgleichs, bringt Rainer Mertens auch den Wunsch von jungen Menschen ins Spiel: Das Interesse sei nämlich groß, wie die Besucherzahlen der Abi-Partys belegen. Zwischen 400 und maximal 500 Gäste zählt Danilo Lupo bei den veranstalteten Feiern für junge Menschen, die sich mit ihrem hoffentlich bestandenen Abitur in der Tasche eine große Sause gönnen wollen. Seit 1985 betreibt er in Gronau Gastronomie, seit vier Jahren organisiert er die Abi-Partys, in der Regel zwei pro Jahr. „Die Resonanz ist positiv“, teilt er mit – nicht nur von seinen jungen Gästen, sondern auch deren Eltern würden ihm danken, dass er Jugendlichen vor Ort einen solchen Rahmen gibt.

Sicherheit aber habe für ihn höchste Prioriät: „Ich habe schon von mir aus die Sicherheitsauflagen verstärkt“, betont der Organisator: Allein bei der vergangenen Abi-Party waren neben Feuerwehr und Arbeiter-Samariter-Bund 13 Sicherheitsleute vor Ort, darunter Kräfte mit Hunden, die etwa auf der Burgstraße für Ordnung sorgten. Auch die Polizei kommt Angaben von Danilo Lupo zufolge regelmäßig vorbei. „Ich finde es schade, dass die Jugend so negativ dargestellt wird“, bedauert Ehefrau Jennifer Lupo: „Das stimmt einfach nicht.“ Immerhin würden sich die Veranstalter nach jeder Feier selbst ein Bild vor Ort machen: Fotos von der Burgstraße, ja sogar mit dem Handy werden Filme aufgenommen, um den Zustand festzuhalten. „Die Umgebung säubern wir natürlich nach jeder Veranstaltung“, betont Jennifer Lupo. Die Partys selbst würden friedlich verlaufen, die Jugend wolle nur feiern.

Persönlicher Angriff

Die Kritik einiger Anwohner sei Danilo Lupo keineswegs fremd, ja inzwischen gehe es gar so weit, dass der Gronauer schon bedroht wurde. „Ich fühle mich persönlich angegriffen“, ist er verärgert. Und dabei „bewegen wir doch etwas im Ort“, betont der Gastronom und signalisiert, auch weiterhin Abi-Partys auszurichten. Vielleicht kann also der eine oder andere Anwohner künftig mal ein Auge zudrücken, jung war doch jeder einmal, und noch dazu in Feierlaune sicher auch.

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