Gesetzesänderung beschert Versichertenberater Eduard Plachta eine Flut von Anrufen

Rente mit 63, Mütterrente und Co. werfen noch viele Fragen auf

Papierkrieg ist Eduard Plachta als ehrenamtlicher Versichertenberater gewohnt: Zahlreiche Bürger suchen derzeit aufgrund des neuen Rentenpaketes seine Sprechstunde auf. Foto: Appel

GRONAU Seit Anfang Juli ist das neue Rentenpaket in Kraft, das zahlreiche neue Regelungen enthält. Viele Menschen fragen sich, welche Veränderungen die neuen Rentengesetze mit sich bringen.

Die abschlagsfreie Rente mit 63, die Verbesserung bei der Mütterrente, aber auch generelle Fragen zur finanziellen Sicherheit im Alter – als ehrenamtlicher Versichertenberater in Gronau und Elze bekommt Eduard Plachta die große Unsicherheit der Bürger aus erster Hand mit.

„Die Leute bombardieren mich mit Anrufen. Keiner weiß so richtig Bescheid“, berichtet Plachta. Zweimal im Monat steht der ehrenamtliche Bürgermeister von Brüggen rund fünf Stunden im Rahmen der Sprechstunde des Deutschen Rentenversicherung Bunds im Rentenbüro im Verwaltungsgebäude III der Samtgemeinde Gronau den Mitbürgern in Sachen Versicherungen und Rente Rede und Antwort. „Je nach Anzahl an Leuten geht der Tag auch mal länger“, so Plachta. Zuletzt war die Zahl an Fragenden stetig groß.

Seit Ende Mai, als die mediale Berichterstattung zum Rentengesetz richtig Fahrt aufgenommen hatte, berate er in der Regel an die 16 Personen pro Sprechstundentag. Es wären sogar noch mehr, wenn nicht viele kleinere Fragen bereits im Rahmen der telefonischen Anmeldung geklärt werden würden – und seit Juni steht das Telefon nicht still. Doch nach 28 Jahren als Versichertenberater bringt Plachta nichts mehr so schnell aus der Ruhe. „Bei so viel Erfahrung, kennt man die Zusammenhänge und Begriffe und weiß, was gemeint ist.“ Aufgeregt waren zuletzt jedoch zahlreiche Frauen, die von der Neuregelung der so genannten Mütterrente profitieren, sprich einen Zuschlag bei der Anrechnung von Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder erhalten. „Ich bekomme das zwar, doch der Zuschlag wurde im Bescheid vergessen. Was soll ich tun?“ -- Diese Frage habe Plachta in den zurückliegenden Wochen mehrfach gehört. Er beruhigt die Gemüter: „Erstmal muss man nichts tun. Aus technischen Gründen ist die Summe noch nicht angegeben. Das wird aber alles automatisch nachgezahlt.“

Zeitgleich gibt Plachta den Hinweis, dass Mütter, die bisher noch keinen Rentenanspruch aus eigenen Einzahlungen erworben, aber drei oder mehr vor 1992 geborene Kinder haben, nun unter Umständen einen Anspruch auf eigene Rente genießen. „Durch die verbesserte Mütterrente kommen sie auf die für den Rentenanspruch geforderten fünf Beitragsjahre“, so Plachta. Dies müsse allerdings beantragt werden, „am besten bis Ende Oktober“. Auch Fragen zur „abschlagsfreien Rente ab 63“ stünden derzeit häufig auf der Tagesordnung in Plachtas Sprechstunde. „Viele kommen und fragen, wie es bei ihnen eigentlich aussieht.“ Im Prinzip sei die Antwort einfach: Wer 45 Jahre gearbeitet hat beziehungsweise in der gesetzliche Rentenversicherung versichert war, hat die Möglichkeit, nach dem 63. Lebensjahr abschlagfrei in den Ruhestand zu gehen. Schwieriger werde es, wenn Lücken, etwa durch Kindererziehung, Krankheit und Arbeitslosigkeit, in diesem Zeitraum auftauchen. So können Zeiten der Arbeitslosigkeit umfangreiche und zeitintensive Ermittlungen nach sich ziehen, wenn Nachweise nicht mehr oder nur noch unvollständig vorhanden sind. „Für jüngere Personen etwas verwirrend ist zudem, dass die Regelung für alle ab dem Geburtsjahrgang 1953 und jünger stufenweise auf das 65. Lebensjahr angehoben wird“, ergänzt Plachta.

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