Manfred Lilienthal seit 40 Jahren Ernteberichterstatter für Landesamt für Statistik

„Rechenmodelle ersetzen manuelle Erfassung nicht“

Georg Keckl überreicht Manfred Lilienthal im Kreise seiner Familie, Sohn Ludwig, Enkelin Jasmin, Ehefrau Dorothea und Schwiegermutter Klara Köster (v.r.), seine Urkunde. Foto: Hüsing

BETHELN Es ist Erntezeit. Die Landwirte in der Region haben das Getreide eingeholt, jetzt wird der Mais geerntet und die Zuckerrübeneinfuhr hat begonnen. Doch wie hoch ist der diesjährige Ertrag? Die Zahlen werden vom Landesamt für Statistik gesammelt und veröffentlicht. Doch zuvor sind 1 800 freiwillige Ernteberichterstatter, wie Manfred Lilienthal in der Region, unterwegs.

„Vor 40 Jahren, 1973, habe ich die Aufgabe des amtlichen Ernteberichterstatters von Domänenpächter Heinrich Werner in Haus Escherde übernommen“, erinnert sich Manfred Lilienthal an die Anfänge. Als gelernter Landwirt hat er sich schon von Kindesbeinen an für die Statistiken interessiert, mit 26 Jahren konnte er diese Aufgabe auch offiziell wahrnehmen: „Ich war im Gemeinderat und wurde vom damaligen Bürgermeister Heinrich Behring gebeten, das Amt zu übernehmen.“ Seitdem hält der heute 66-Jährige seine Augen und Ohren offen, um die jeweiligen Ernteerträge einschätzen zu können. Seit 2002 besucht Manfred Lilienthal mindestens einmal im Monat den Betrieb von Landwirt Ludwig Kracke in Eddinghausen. „Ich frage nach seiner Einschätzung und trage die Vorschätzungen in die Fragebögen des Landesamtes ein“, berichtet er von seiner Tätigkeit.

Wie wichtig noch heute die manuelle Erfassung ist, weiß Georg Keckl. Er ist beim Landesamt für Statistik in Niedersachsen als Erntestatistiker tätig: „Es gibt immer mal wieder Rechenmodelle, die die Ernte erfassen sollen, doch bislang ist noch kein Fernmeldeverfahren entwickelt worden, das die manuelle Betreuung tatsächlich ersetzen kann.“ So könne der Weizen noch nicht vom Hafer unterschieden werden. Und im Schwarzwald wurden durch die Satelliten und Computerprogramme Weinflächen übermittelt, die sich beim genaueren Hinsehen als frische Baumpflanzungen herausgestellt haben. „Es wird noch mindestens 20 Jahre dauern, bis das mathematische Problem gelöst werden kann“, schätzt Keckl. Denn auch die sich verändernden Wetterlagen müssen bei der Berechnung beachtet werden. „Wir haben ganz selten ein so genanntes Normjahr“, meint Keckl. In diesem Jahr haben der nasse und kalte Mai, die Überschwemmung im Juni und der heiße Juli die Schätzungen beeinflusst. „Es gibt meistens zwischen den Vorschätzungen und den endgültigen Zahlen nur wenig Abweichung“, weiß Manfred Lilienthal aus Erfahrung. Er selbst hat Freude an seiner freiwilligen Tätigkeit und hofft, noch mindestens zehn weitere Jahre als Ernteberichterstatter in Betheln, Haus Escherde und Eddinghausen unterwegs zu sein.

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