Brüggens Heimatpfleger Werner Sührig: Plattdeutscher Vortrag im Brunotteschen Hof

„Problemlose Verständigung“

Werner Sührig (mit Gitarre) stimmt das Lied „Up´n Siebenbarg“ an. Foto: Fritzsche

WALLENSTEDT  Einen lebhaften Vortrag, ähnlich einer Englisch-Unterrichtsstunde in der Schule, nur eben viel unterhaltsamer, erlebten 30 Besucher jetzt im Brunotteschen Hof. Im Rahmen seiner Vortragsreihe „Zeitreisen“ hatte der Verein „Brunottescher Hof“ den Brüggener Heimatpfleger Werner Sührig eingeladen, der gemeinsam mit seinen Zuhörern zu einer Sprachreise durch das ostfälische Platt aufbrach. „Das ist ja rappelvoll hier“, stellten die interessierten Besucher erstaunt fest, die erst kurz vor Beginn des Vortrags den Seminarraum des historischen Hofes betraten. Und auch Sabine Zimmermann, Schriftführerin des gastgebenden Vereins, freute sich über den großen Zuspruch der Veranstaltung.

Standesgemäß begrüßte Werner Sührig alle Anwesenden auf platt, wobei zu sehen war, dass der Großdialekt der niederdeutschen Sprache von den meisten Gästen auch tatsächlich verstanden wurde. Die von ihm zum Besten gegebenen plattdeutschen Witze sorgten für großes Gelächter, die frühere Art des trockenen Humors kam gut an, und mit viel Ehrgeiz bewältigten die Zuhörer auch den Teil des Vortrags, in dem die selbst aktiv werden mussten. Sührig „paukte“ mit ihnen die „Übersetzung“ der Zahlen eins bis zehn und ließ sie Sätze wie „Die Katze frisst fünf Mäuse“ auf Hoch- wie auch auf Plattdeutsch nachsprechen. „50 Prozent der schwedischen Sprache ist Platt, und auch im Englischen gibt es viele sprachverwandte Worte“, erklärte der Heimatpfleger: „Durch die Hansetätigkeit wurde dieser Dialekt in diese Länder gebracht und machte dadurch eine problemlose Verständigung möglich.“ So wurde aus dem deutschen Apfel ein englischer apple und ein plattdeutscher Appel, und zur Verwunderung seines Publikums hatte Sührig noch mehrere solcher Beispiele mitgebracht. „Das ist mir vorher gar nicht so aufgefallen“, stellten einige Wallenstedter fest. Mit seinen plattdeutschen Geschichten, die Werner Sührig aus seinem Buch „Ostfälisches Platt im Hildesheimer Land“ vorlas und den „Plattdeutschen Vertellungen“, die aus der Feder Gronauer Autoren stammten, unterhielt der Brüggener auf humorvolle Weise und ließ in so manchem seiner Zuhörer Erinnerungen wieder wach werden. Angestrengte Gesichter zauberte Sührig mit seiner Bitte, das alle Anwesenden gemeinsam das Sieben-Berge-Lied „Up´n Siebenbarg“ anstimmen sollten. Den Text und seine Gitarre hatte der Heimatpfleger mitgebracht, und so ertönte ein 30-köpfiger Chor im Brunotteschen Hof, der sich zwar vielleicht nicht gerade auftrittsreif, dafür aber mit viel Inbrunst und Freude präsentierte. Die Anekdoten aus Wallenstedt rundeten das unterhaltsame Programm des Abends ab, wobei sich alle Teilnehmer abschließend einig waren, dass diese anderthalb Stunden nicht nur interessant waren, sondern auch ganz viel Spaß gemacht haben. „Schade, dass nur noch so wenige plattdeutsch sprechen“, bedauerten sie und stellten fest, wie wichtig Menschen wie Werner Sührig sind, die sich bemühen und engagieren, damit dieser Dialekt vor Ort nicht ganz in Vergessenheit gerät. fri

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