Bürgermeister der Gronauer Mitgliedsgemeinden äußern sich zum Vorhaben in Banteln

„Pro Banteln“ – der richtige Weg?

Eduard Plachta: „Dann müssten ja alle künftigen Ortsteile bedacht werden.“

Gronau Eine besondere Idee hat sich in Banteln entwickelt: In der 1 506-Seelen-Gemeinde soll noch vor der Fusion ein Verein gegründet werden, der aktuell den Arbeitstitel „Pro Banteln“ trägt. Mit diesem Verein wolle die heute noch eigenständige Gemeinde auch künftig ihre Unabhängigkeit wahren und Strukturen im Ort erhalten – eben ohne, stets an den neuen Stadtrat herantreten zu müssen. Wie positionieren sich wohl die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden in dieser Angelegenheit?

Im Idealfall gewinnt der neue Verein in Banteln möglichst viele Haushalte, die monatlich einen Obolus zahlen. Das mögliche Problem an diesem Vorhaben: Den Vorstellungen des Bürgermeisters Friedrich-Georg Block-Grupe zufolge soll der künftige Stadtrat dem neuen Verein eine Anerkennung – 10 000 Euro stehen im Raum – zahlen, um die Arbeit des „Grünen Daumens“ in der Gemeinde zu würdigen. Die ehrenamtliche Gruppe würde nämlich Jahr für Jahr den Haushalt in Banteln erheblich entlasten. Ob es Sinn macht, den neuen Stadtrat Gronaus gleich mit einer solchen Forderung nach Geld zu belasten, ist für die Bürgermeister fraglich.

„Es ist ganz wichtig – und da müssen wir alle an einem Strang ziehen – die eigenen Identitäten in den Orten zu wahren“, äußert sich Gronaus Bürgermeister Karl-Heinz Gieseler: „Das ist für mich selbstverständlich.“ Dem neuen Rat der Stadt Gronau wolle er aber nicht vorgreifen: „Über eine solche finanzielle Forderung gilt es, später zu diskutieren und diese genau zu überdenken“, sagt er mit Blick auf den Wunsch des Bantelner Bürgermeisters. Grundsätzlich gebe es in den Orten „eine ganze Menge an Vereinen“, die unterstützt werden. Da müsse der neue Rat partnerschaftlich arbeiten und vielleicht sogar überlegen, wo Dinge zusammengeführt werden könnten. Aber: „Der neue Rat muss sich erst einmal konstituieren“, sagt er. Diesem Gremium aber werde daran gelegen sein, dass es auch weiterhin überall „intakte Dorfgemeinschaften“ gibt, ist er überzeugt.

Vertrauen

„Ich habe festes Vertrauen, dass auch in Zukunft kein Ortsteil zu kurz kommen wird“, ist der Bürgermeister aus Betheln überzeugt. Das Credo von Werner Achilles laute: Den eigenen Kirchturm nicht außer Acht zu lassen, wohl aber keine Kirchturmpolitik zu betreiben. „Ich wünsche mir, dass die Unterstützung, die wir bisher den Vereinen zukommen lassen haben, auch genauso fortgeführt wird“, zeigt er sich optimistisch, dass örtliche Strukturen weiterhin erhalten bleiben. Die Forderung aus Banteln, dem neuen Verein gleich eine solche Summe zur Verfügung zu stellen, stößt jedoch auf Kritik: „Wenn eine Summe x zu freien Händen übertragen wird, dann müsste jede heutige Mitgliedsgemeinde bedacht werden“, gibt der Bethelner zu bedenken: „Das aber würde gleich wieder eine Hypothek für die neue Stadt bedeuten.“

Andreas Zastrow fragt sich erst einmal, ob es rechtlich überhaupt möglich ist, Steuergelder in dieser Größenordnung zur freien Verfügung zu übertragen. „Grundsätzlich aber finde ich die Idee aus Banteln gut“, sagt Despetals Bürgermeister. Doch eines sei ihm ganz wichtig: „Darüber muss man sprechen.“ Auch im Despetal gebe es wie in anderen Mitgliedsgemeinden Ehrenamtliche, die sich um die Verschönerung und die Pflege des Ortes kümmern: „Wir haben uns bisher aber noch nicht die Mühe gemacht, genau auszurechnen, wie viel wir hier sparen.“ Alle ehrenamtlichen Gruppen, die sich für den Ort einsetzen, werden unterstützt – und dies solle auch so bleiben. „Warum sollte der neue Rat Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, das Geld wegnehmen?“, gibt der Despetaler Bürgermeister zu bedenken.

„Keine Notwendigkeit“

Auch in der Gemeinde Rheden gibt es Ehrenamtliche, die sich beispielsweise um Grünflächen kümmern, die Ehrenmale in Schuss halten und Bänke reparieren und aufstellen. „Ich sehe keine Notwendigkeit, einen weiteren Verein zu gründen“, äußert sich Rhedens Bürgermeister Hartmut Leske zum Vorstoß aus Banteln: „Es kann doch nicht sein, dass der Bürger als Steuerzahler weiter belastet wird“, äußert er sein Unverständnis: „Das wäre ja schon fast eine Unterorganisation des Rates.“ Zwar gebe es nach der Fusion keine Räte mehr in den Gemeinden, „aber es wird ja nicht so sein, dass in den Orten dann nichts mehr passiert“, ist er überzeugt.

„Ich will dem neuen Rat nicht vorgreifen“, sagt Eduard Plachta, der aber anmerkt, dass auch die Gemeinde Brüggen eine Initiative hat, die sich um das Ortsbild kümmert: „Diese Gruppe entlastet letztlich auch unseren Haushalt“, teilt Brüggens Bürgermeister mit: „Dann müssten ja alle künftigen Ortsteile bedacht werden.“

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