Ute Bertram im LDZ-Gespräch

„Politikerin zum Anfassen“

Einblicke in die Redaktionsarbeit: CDU-Spitzenkandidatin Ute Bertram im Gespräch mit Redaktionsleiter Florian Mosig. Foto: Klein

GRONAU Mit einem eindeutigen Votum „ihrer“ Partei wird Ute Bertram ins Rennen für die Bundestagswahl geschickt. Ihr Ziel: „Wir werden den Wahlkreis direkt gewinnen“, betont die 52-jährige Alfelderin, die seit 2006 das Parteibuch der CDU besitzt und sich seit 2011 im Alfelder Stadtrat engagiert. Im Gespräch mit der LDZ-Redaktion beschreibt Ute Bertram, was der Wahlkampf für sie bedeutet, welche Chancen sie sieht und weshalb es der Christdemokratin so wichtig ist, eine „Politikerin zum Anfassen“ zu sein.

Sie möchte nicht abgehoben wirken, will ihren Ansätzen treu und eben bodenständig bleiben. „Ich bin keine Technokratin“, betont Ute Bertram, die vielmehr Politik vor Ort betreiben will. Schon im Wahlkampf sollen diese Eigenschaften zu spüren sein: „Ich möchte möglichst viele Menschen treffen“, betont die Alfelderin, die keineswegs „nur im eigenen Saft schmoren will“. Ihr Terminkalender füllt sich stetig, täglich kommen neue Einladungen hinzu. Der Wahlkampf hat längst begonnen. Doch auf ihre Mitbewerber schaut Ute Bertram kaum, richtet den Fokus vielmehr auf die eigene Arbeit. Einer ihrer Schwerpunkte – dies zumindest wird im Gespräch schnell deutlich – ist der stete Blick auf die Finanzen. „Es sollte in unser aller Interesse sein, uns für die Zukunft gut zu rüsten“, betont die Christdemokratin, die vor diesem Hintergrund die Frage in den Raum stellt: „Was bedeutet es denn, wenn wir uns über Kassenkredite finanzieren?“ Die Auswirkungen seien vielen Menschen kaum bewusst.

Deutliche Worte

So kritisiert sie etwa die Haushaltslage in ihrer Heimat Alfeld, in der sie sich als CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat engagiert. „Der Haushalt ist katastrophal“, mahnt sie. So manches hätte sich die Kommunalpolitikerin eben anders gewünscht, blickt sie beispielsweise auf das Alfelder Allwetterbad, dessen Folgekosten die Menschen ihrer Meinung nach in den kommenden Jahrzehnten beschäftigen werden. Über 1,3 Millionen Euro leiste sich die Stadt hier jährlich, um die Einrichtung zu unterhalten. „Jeder Neubau ist schön, aber das sind auch die Bauunterhaltungskosten von morgen“, ist Ute Bertram überzeugt.

Ihr Blick auf die Finanzen aber kommt nicht von ungefähr: Ute Bertram ist in Hildesheim geboren und in Söder bei Holle aufgewachsen. Doch der Vision ihrer Mutter, Bäuerin zu werden, ist sie nicht gefolgt, entdeckte stattdessen ihre Leidenschaft nach dem Abitur: als Bankkauffrau bei der Deutschen Bank in Hildesheim. „Ich habe relativ schnell ein Herz für die Vermögensberatung entdeckt“, schildert sie in groben Schritten ihren Lebenslauf, der sie beruflich nach Frankfurt und sogar für ein Jahr nach Hongkong führte. Gerade die Zeit im Ausland, als junge Frau in einer fremden Kultur, habe sie geprägt und eigenen Angaben zufolge auch „mutig gemacht“.

Nach Alfeld ist sie schließlich der Liebe wegen gekommen, und durch ihre drei Söhne hat Ute Bertram begonnen, sich ehrenamtlich zu engagieren, etwa als Vorsitzende des Gymnasium-Fördervereins. „Wenn man Kinder hat, muss man sich auch kümmern“, ist die 52-Jährige überzeugt.

Im Jahr 2006 trat sie der CDU bei – keine Überraschung, wie sie selbst verrät. Immerhin ist sie in einer „politisch diskutierenden Familie“ aufgewachsen, immer nahe der CDU, durchaus aber auch kritisch. „Mit den Gedanken der CDU bin ich verwurzelt“, betont die Kommunalpolitikerin, die im Falle ihrer Wahl durchaus „dicke Bretter bohren“ will. Ihrer Meinung nach gebe es nämlich eine ganze Reihe bundespolitischer Themen, sprich den Ausbau der Infrastruktur, der eben auch dazu führe, Arbeitsplätze zu erhalten, den viel diskutierten demografischen Wandel und eben in diesem Zusammenhang auch die Unterstützung der Fläche. „Das Zusammenspiel ist wichtig“, betont Ute Bertram: Der Gemeinschaftsgedanke müsse das Kirchturm-Denken künftig ersetzen. Allerdings dürfe gerade mit Blick auf die Strukturreform keineswegs „von oben diktiert“ werden.

Ihre Chancen bei der Bundestagswahl am 22. September schätzt Ute Bertram als gut ein. Schon in der Vergangenheit sei der Abstand zwischen den Wahlergebnissen von CDU und SPD immer geringer geworden. Und dies sei ihrer Meinung nach zum einen den handelnden Personen geschuldet, zum anderen komme die „umsichtige Politik“ der Bundesregierung bei den Menschen an. Allerdings räumt sie auch ein: „Es wird ein knappes Rennen.“

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