Bantelner Ortsbrandmeister Helmut Greber blickt beim Kommers zum 130-Jährigen beherzt in die Zukunft

„Politik scheut Auseinandersetzung“

Kommers in Banteln: Wehrführer Helmut Greber findet deutliche Worte, der Musikzug Banteln umrahmt das Fest. Fotos: Schirdewahn

BANTELN Nicht in Erinnerungen an die Vergangenheit schwelgen, sondern Probleme von Gegenwart und Zukunft beim Namen nennen und beherzt angehen, diese Zielrichtung prägte den Kommersabend zum 130-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Banteln. Umrahmt wurde die Veranstaltung vom Musikzug, der unter Leitung von Rüdiger Hofmann ein vielseitiges Programm von Marsch und Polka bis Samba zu Gehör brachte.

Ortsbrandmeister Helmut Greber dankte Familie Block-Grupe, die wieder ihren Hof als Festplatz zur Verfügung gestellt hatte, und begrüßte dort die Besucher, unter ihnen hochkarätige Vertreter der Politik und Abordnungen vieler umliegender Wehren. Doch die Beteiligung der Öffentlichkeit hätte stärker sein können, und der Wehrführer redete nicht um den heißen Brei herum: Im Ernstfall werde jederzeit Hilfe durch die Feuerwehr erwartet, aber viele Mitbürger brächten es noch nicht einmal fertig, wenigstens durch den Besuch eines Festes ihre Verbundenheit zu zeigen.

Auch in anderen Dingen fand Greber deutliche Worte: Ohnehin sei es nicht einfach, jemanden für den verantwortungsvollen Dienst zu begeistern, um so mehr, wenn Kameraden an ihrer Arbeitsstelle Schwierigkeiten bekämen, weil sie dem Ruf der Sirene folgten. Die Politik scheue offenbar eine nötige Auseinandersetzung.

Außerdem werde die Feuerwehr stark verwaltet und unterliege vielerlei Gesetzen und Vorschriften, die „am Schreibtisch ausgebrütet“ werden. Neuestes Beispiel seien warnende oder gar empörte Reaktionen auf das „Cold water challenge“: Man könne nicht nur bei Unfällen „Leute aus Autos kratzen“, zum Ausgleich brauchten die Aktiven auch Spaß bei einem Gemeinschaftserlebnis. Die Bundestagsabgeordnete Ute Bertram (CDU) griff in ihrem Grußwort die Worte des Brandmeisters auf und sagte, sie nehme den Appell an die Arbeitgeber sehr ernst „Stell Dir vor, es brennt, und keiner geht hin“, dazu dürfe es nicht kommen. Ihr SPD-Kollege Bernd Westphal gab sich als Kamerad zu erkennen – er hat es bis zum Hauptfeuerwehrmann gebracht – und würdigte besonders das Engagement der Blauröcke angesichts immer modernerer Technik.

Im Wandel der Zeit

Strukturen nicht nur erhalten, sondern im Wandel der Einsatzbedingungen weiterentwickeln, Einsätze nicht am Bildschirm verfolgen, sondern sich selbst engagieren, das nannte der Landtagsabgeordnete Klaus Krumfuß (CDU) als wichtige Voraussetzungen erfolgreichen für Katastrophenschutz. „Ohne die Freiwilligen Feuerwehren wäre die Sicherheit im Kreisgebiet nicht gewährleistet“, mit dieser Feststellung brachte Landrat Reiner Wegner seine Wertschätzung zum Ausdruck und sicherte Rückendeckung in dienstlichen Angelegenheiten zu.

Für die Samtgemeinde Gronau überbrachte Ratsvorsitzender Werner Achilles die Glückwünsche, für die Gemeinde Banteln deren stellvertretender Bürgermeister Peter Schwarze. Brandabschnittsleiter Detlef Witte dankte der Jubelwehr für ihren unermüdlichen Einsatz in 130 Jahren, und Gemeindebrandmeister Frank Kirchner hob hervor, noch wichtiger als Ausrüstung und Fahrzeuge seien die Kameraden, die das ganze mit Leben erfüllten.

Beschlossen wurde der Reigen der Gratulanten durch die Kirchengemeinde und die örtlichen Vereine, alle Redner waren einig, trotz aller Diskussionen solle nun das gemeinsame Feiern im Vordergrund stehen. Dem Kommers vorausgegangen waren Kinderbelustigung und Kaffeetafel sowie die Kranzniederlegung am Ehrenmal. Am nächsten Morgen klang das Fest nach einem Gottesdienst mit dem Katerfrühstück aus. bs

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