Erster Warnstreik bei Hamelin / Produktion im Rahmen der Frühschicht stillgelegt

Peter Winkelmann: „Politik der Nadelstiche“

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ruft zum Warnstreik vor den Toren von Hamelin auf. Damit wolle die Gewerkschaft die Geschäftsleitung des Unternehmens wieder an den Verhandlungstisch bewegen. Foto: Klein

GRONAU Vor den Toren von Hamelin versperren Mitarbeiter den Weg. Kaum ein Fahrzeug wird kommentarlos durchgelassen. Der Grund: Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hat zum Warnstreik aufgerufen, um das Unternehmen wieder an den Verhandlungstisch zu bewegen.

Seit 5.30 Uhr – mit Beginn der Frühschicht – steht die Produktion des in Europa marktführendes Unternehmens still. Rund 70 Mitarbeiter haben sich stattdessen mit Fahnen und Pfeifen vor dem Werkstor versammelt. Die Stimmung ist gut, die Menschen haben Hoffnung. „Was uns hier fehlt, ist die Menschlichkeit“, bedauert der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Maik Grajewski im Gespräch mit der LDZ. Einen langen Atem haben die Mitarbeiter bereits bewiesen, seit Monaten dauert der Tarifstreit inzwischen an. „Es herrscht schon Angst, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren“, räumt Maik Grajewski durchaus ein. Offensichtlich hat die damalige Drohung im Rahmen des Konflikts, Teile des Unternehmens zu verlagern oder gar zu schließen, ihre Wirkung kaum verfehlt.

Doch kampflos wolle man sich nicht geschlagen geben: „Der Wille der Mitarbeiter ist, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen“, schildert er die Stimmung bei Hamelin: „Jeder weiß, ich muss mich bewegen, damit sich überhaupt etwas bewegt.“ Dass die Mitarbeiter von Hamelin unzufrieden sind, zeigt sich an der Mitgliederstatistik der IG BCE: Längst sind etwa 90 Prozent der Mitarbeiter aus der Produktion der Gewerkschaft beigetreten. Diese Abteilung wurde gestern für den Zeitraum der Frühschicht komplett stillgelegt – und das tue dem Unternehmen weh, wie IG BCE-Bezirksleiter Peter Winkelmann überzeugt ist. Immerhin startet mit Beginn der Sommerferien die Produktion für die Artikel zum Schulanfang.

Trotzdem rechnet Peter Winkelmann kaum mit einer Reaktion seitens der Geschäftsleitung: „Wir wollen jetzt aber erst einmal abwarten.“ Sollte sich diese jedoch nicht bewegen, soll es weitere Warnstreiks geben. „Es wird eine Politik der Nadelstiche“, kündigt er an, dass sich die Gewerkschaft Zeiträume aussuchen wird, in denen ein Warnstreik dem Unternehmen zusetze. Denn das Vorgehen der Geschäftsleitung könne die Gewerkschaft kaum tolerieren: Verhandeln wolle sie nur mit dem Betriebsrat, ohne die IG BCE. „Wir sind dafür gar nicht ausgebildet“, teilt Maik Grajewski mit: „Und wir wissen auch, dass wir dies gar nicht dürfen.“ Peter Winkelmann pflichtet bei und verweist auf die Gesetzeslage.

Die Forderungen der IG BCE bleiben also weiterhin bestehen: ein Haustarif soll vereinbart werden – mit dem Ziel, eine rechtlich abgesicherte Basis für die Entlohnung der Beschäftigten zu erreichen. Besonders wichtig sei der Gewerkschaft die Gleichbehandlung aller Mitarbeiter (die LDZ berichtete).

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