Eitzumer bangen um Kleinod: Wird St. Josef von der katholischen Kirche entweiht?

Was passiert mit der Kapelle?

EITZUM In Eitzum kocht die Gerüchteküche. Seit geraumer Zeit lädt die katholische Kirchengemeinde Gronau schon nicht mehr zum Gottesdienst in die St. Josef-Kapelle ein. Nun haben Eitzumer durch einen Zufall erfahren, dass ihre Kapelle in naher Zukunft entweiht werden soll.

1946 hat die englische Luftwaffe eine Holzkapelle in Gronau errichtet, die 1951 in Eitzum erneut aufgebaut wurde – auf dem Grundstück der Familie Friedrich Bröring. Noch heute ist der Grund und Boden im Besitz der Eitzumer: „Meine Eltern haben der kostenfreien Nutzung durch die katholische Kirche zugestimmt, so lange Gottesdienste gefeiert werden“, erklärt Erhard Bröring. 1986 ist das Land in seinen Besitz übergegangen, wie ein Testament belegt. Seine Geschwister wurden ausbezahlt und dafür das Elternhaus verkauft. „Es war für mich und meine Kinder selbstverständlich, dass die Kirche ein Nutzungsrecht hat“, so Bröring. Doch seit etwa eineinhalb Jahren werden in Eitzum keine Gottesdienste mehr gefeiert: „Die Gottesdienstbesucher müssen nach Gronau, weshalb viele Ältere gar nicht mehr hingehen“, bedauert Bröring.

Doch wie geht es denn nun mit dem Kleinod in Eitzum weiter? „Die Kapelle wird laut des Domvikariats entweiht“, berichtet Marco Bröring von einem Gespräch. Zunächst war für die Entweihung sogar ein Termin Anfang Juni angesetzt: „Ich habe durch Zufall davon erfahren, die katholische Gemeinde hat uns nicht informiert“, bedauert Familie Bröring: „Ich finde es eine vollkommene Frechheit, dass nichts öffentlich gemacht wird“, so Erhard Bröring. Der 63-Jährige hat sich bereits nach einer Änderungsgenehmigung erkundigt, doch bislang sind beim zuständigen Bauamt keine Pläne bekannt.

Auch Paul Elpel hat von den Plänen der katholischen Kirche durch Zufall erfahren. „Ich drehe Filme und wollte auch die Eitzumer Kapelle festhalten“, erzählt er. Erhard Bröring, der die Schlüsselgewalt über die St. Josef-Kapelle hat, hat ihm die Tür geöffnet und dabei von dem Entweihungstermin gesprochen: „Unsere Kapelle ist ein erhaltenswertes Kleinod mit einem einmaligen Altarbild“, findet der Eitzumer. An der Wand hinter dem Altar ist auf der einen Seite im Hintergrund der Kreuzigungsszene das Leinebergland, auf der anderen Seite das Waldenburgerland in Schlesien zu sehen.

Die heute mit Beton verstärkte Kapelle wurde Ende der 1980er Jahre unter der Leitung von Josef Wichers renoviert. Der Eitzumer restaurierte zudem eine Marien-Figur, die er der Kapelle stiftete. Eine Josef-Figur deutet in einer Nische zudem auf den Namensgeber der Kapelle hin. „Der Bauausschuss der katholischen Kirchengemeinde Gronau muss nun entscheiden, was mit dem Inventar passieren soll“, erklärt Erhard Bröring. Er hat sich mit seinem Sohn Marco auf den Weg nach Gronau gemacht, um zu erfahren, wie es mit dem Gebäude auf seinem Grundstück weitergeht: „Doch der Pfarrer hat uns lediglich darauf hingewiesen, dass die Besitzverhältnisse nicht geklärt seien und die Entweihung verschoben werde. Daraufhin mussten wir den Raum verlassen.“ Ihn ärgert es sehr, dass alles hinter dem Rücken der Gemeinde entschieden und ausgetragen wird: „So wird eine katholische Gemeinschaft zerstört.“ Schließlich hätten zahlreiche Eitzumer, die heute noch leben, die Kapelle ab- und wieder aufgebaut. „Wir würden die Kapelle gerne erhalten – sei es als Kirche oder als Gemeinschaftsraum“, versichert der Landwirt. Seiner Kenntnis nach sei die katholische Kirche auch gerne bereit, ihm das Gebäude zu überlassen, aber die Unkosten für einen Abriss oder Renovierungsarbeiten müsste dann Familie Bröring tragen. „Die Fenster und Türen sind undicht, an der einen Stelle regnet es in die Kapelle hinein und im Anbau müsste auch einiges investiert werden“, fasst Marco Bröring die Schwachstellen zusammen.

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