Perikopenordnung: St. Matthäi-Gemeinde startet Testphase mit alternativen Lesungen und Predigten

Neues aus dem Alten Testament

Im Vergleich: Pastor Wolfgang Richter blickt auf die bisherigen Predigttexte (rechts) und den „Entwurf zur Erprobung“ (links), der derzeit in den Gottesdiensten ausprobiert wird. Foto: Vogelbein

GRONAU Die evangelische Landeskirche möchte die sonntäglichen Gottesdienste thematisch näher an die Menschen rücken. Dafür sollen ab 2017 neue Predigten, Texte und Lieder durch das Kirchenschiff hallen. Um zu schauen, was bei den Gemeindegliedern gut oder weniger gut ankommt, starten in einigen Gemeinden Testphasen mit ersten Textvorschlägen. Auch in der Gronauer St. Matthäi-Gemeinde soll die neue „Perikopenordnung“ ausprobiert werden.

Der Gemeindebrief kündigte es bereits an: „... kann es vorkommen, dass die tatsächlich gelesenen Bibeltexte von denen im Gesangbuch abweichen.“ Grund: Die „Perikopenordnung“ wird erneuert. Testweise, wie Pastor Wolfgang Richter im LDZ-Gespräch erklärt. Und so funktioniert es: Jeden Sonntag werden von den Kirchenvorstehern die Predigten aus der Lektorei vorgelesen. Feste Textempfehlungen zu bestimmten Themen mit Passagen aus der Bibel. Für jeden Sonntag gibt es sechs Texte. Nach sechs Jahren beginnt der Zyklus von vorn. Zum Reformationsjahr 2017 sollen die Texte neu geordnet werden. Das heißt: Einige Passagen fallen raus, neue kommen hinzu. Bei der Auswahl der neuen Text- und Themenschwerpunkte sollen jetzt die Gemeindeglieder helfen. Zuvor konnten sich die Kirchengemeinden um diese Testphase bewerben. Gronau gehört dazu.

„Mir liegt das sehr am Herzen. Es ist wichtig, Einfluss zu nehmen und dabei zu sein“, begründet Pastor Richter die Teilnahme der St. Matthäi-Gemeinde. Der Schwerpunkt bei den vorläufigen Textempfehlungen in der Erprobungsphase liegt auf dem alten Testament. „Zum einen ist es eine grundlegende Verbindung von Christen- und Judentum, die aufleben wird“, sagt Richter, „zum anderen werden viele Themen angesprochen, die bisher unbeachtet bleiben.“ Dazu gehören auch Psalme, die bisher gar nicht in der Ordnung der Predigttexte vorhanden waren. Für die Besucher des Gottesdienstes bedeutet das zwei Dinge: Die Themenvielfalt wächst. „Es gibt viele Motive im alten Testament, die noch unbeachtet sind“, erklärt Richter. Zum anderen sind die Gemeindeglieder dazu aufgerufen, Rückmeldung abzugeben. „Ich hoffe, dass sich viele melden und sagen, was ihnen gut gefallen hat und was vielleicht gar nicht funktioniert“, so Pastor Richter. Diese Informationen werden dann an die Landeskirche weitergetragen, um die endgültige Fassung ab 2017 in die Gottesdienste zu bringen.

Aber auch für die Gottesdienst-Verantwortlichen ändert sich einiges. „Die Vorleser müssen sich auf komplett neue Texte vorbereiten. Auch für mich wird die eine oder andere Predigt neu“, sagt Pastor Richter. Er freue sich aber vor allem darüber, mit den Gemeindegliedern intensiv ins Gespräch zu kommen und die Eindrücke mitzunehmen. Gestartet ist die Testphase bereits zu Beginn des Kirchenjahres am ersten Advent. Beendet wird sie am 1. November 2015.

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