Rettungsplan für das Gronauer Krankenhaus: Kein Verkauf, dafür aber finanzielle Einschnitte für die Belegschaft

Der Name „Johanniter“ bleibt

Freuen sich, dass das Johanniter-Krankenhaus erhalten bleibt: Geschäftsführer Dr. Martin Windmann, Oberin Bärbel König und der ärztliche Leiter Dr. Holger Duwald (von links). Foto: Mosig

GRONAU Das Johanniter-Krankenhaus startet in die Zukunft – und zwar als Johanniter-Krankenhaus. Wegen der prekären Situation hatte sich die Geschäftsführung im April auf die Suche nach einem „strategischen Partner“ begeben (die LDZ berichtete). Fündig sei man nicht geworden, betonte Geschäftsführer Dr. Martin Windmann gestern, und so habe man nach Prüfung einiger Alternativen den Entschluss gefasst: „Der Name Johanniter soll bleiben.“

Man sei in der Situation, nicht auf Gewinne ausgerichtet zu sein und Sorge für die Mitarbeiter und die Patienten zu tragen. Es habe zwar konkrete Kaufangebote gegeben, auch von einem Träger, der bereits ein Krankenhaus im Landkreis Hildesheim betreibt, doch bei der strategischen Ausrichtung hätte man gemerkt, dass der Vertrauensbonus, den die Gronauer Einrichtung in der Region nicht nur bei Patienten und Mitarbeitern, sondern auch bei den niedergelassenen Ärzten besitzt, nicht verspielt werden solle, so Oberin Bärbel König. „So gut wie keiner“ der Mitarbeiter hätte das Krankenhaus in den „schweren Monaten“ des Jahres 2013 verlassen, sagte der ärztliche Direktor Dr. Holger Duwald: „Alle stehen zu unserem Krankenhaus.“ Und so wurde mit Gesellschaftern und Belegschaft eine neue Lösung erarbeitet.

Windmann sieht bei der derzeitigen Lage vieler Krankenhäuser mehrere Fehler im System. Einer sei, dass Krankenkassen Rückforderungen stellen dürfen, wenn sich herausstellt, dass ein Patient nicht hätte aufgenommen werden müssen. Der zweite Faktor ist der so genannte Landesbasisfallwert, also das Geld, was man für Patienten erhält. Der sei von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, Niedersachsen habe den zweitschlechsten Wert. Die tariflichen Personalkosten seien aber in ganz Deutschland identisch. Aus dieser Schere ergebe sich für Gronau auch größtenteils das Minus von 625 000 Euro im Geschäftsjahr 2012. „Wir sind kein Einzelfall“, sagte Windmann mit Blick auf Einbeck, Stadtoldendorf oder Alfeld, wo „Ameos ja nicht die allerschwärzesten Zahlen schreibt“: „Dagegen geht es uns hier noch gut.“ Zum Schließen der finanziellen Lücke hat die Geschäftsführung ausgehandelt, dass die Gesellschafter, die Johanniter GmbH mit Sitz in Berlin und die hannoversche Genossenschaft des Johanniter-Ordens, auf Gelder aus einem gewährten Kredit in siebenstelliger Höhe verzichten. Zudem muss die Belegschaft einem Lohnverzicht von 13.9 Prozent in Kauf nehmen, mit Ausnahme der Auszubildenden. Windmann ging davon aus, dass diese finanzielle Maßnahme etwa zwei bis vier Jahre dauern soll. Bis dahin müsse man sich strategisch neu aufstellen, Leistungsvorhaltungen hinterfragen und bei Investitionen mehr die Marktmacht der Johanniter nutzen. Laut Duwald seien betriebsbedingte Kündigungen nicht angedacht, und „vom Chefarzt bis zum Auszubildenden stehen alle hinter diesem Haus“, das zu den ältesten Johanniter-Krankenhäusern in Deutschland gehört, in dem es bisher wenig personelle Fluktuation gab und in dem viele Mitarbeiter schon seit Jahrzehnten arbeiten.

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