SPD-Kandidaten im LDZ-Gespräch

„Mut zu Reformen“

Bernd Westphal (von rechts) und Bernhard Brinkmann erläutern im LDZ-Gespräch mit Redaktionsleiter Florian Mosig und Kim Hüsing, worum es ihnen beim derzeitigen Wahlkampf geht: Präsenz und Vertrauen. Foto: Kuhlemann

GRONAU Am 22. September ist Bundestagswahl: Einige bekannte Kandidaten aus dem Wahlkreis 48, Landkreis Hildesheim, werden nicht mehr antreten. So auch Bernhard Brinkmann (SPD), der sich im LDZ-Gespräch verabschieden und gleichzeitig seinen möglichen Nachfolger, den Bundestagskandidaten der SPD, Bernd Westphal näher vorstellen möchte.

„Ich komme auch in Zukunft noch gerne ins Leinebergland“, verspricht Bernhard Brinkmann zu Beginn des Gesprächs. Er hat es sich während seiner Amtszeit nicht nehmen lassen, regelmäßig den Wahlkreis zu besuchen und an Veranstaltungen der hiesigen Vereine und Unternehmen teilzunehmen.

Dies möchte ihm Bernd Westphal nachtun, der in die Fußstapfen des Hildesheimers treten möchte. „Eins meiner vier Schwerpunktthemen ist die Wirtschaft – nachhaltige Wirtschaft“, so Bernd Westphal. Hierzu gehören für den Giesener Steuererhöhungen für Besserverdienende: „Um den Ländern und vor allem den Kommunen mehr Spielraum geben zu können, müssen sie mit Finanzen ausgestattet werden, um ein investitionsfreundliches Klima zu schaffen.“ Als Beispiel nennt Bernd Westphal das geplante Pumpwerk in Freden. So seien die Pläne bis zur Wahl gestoppt, um dann mit der führenden Regierung Investitionsverhandlungen aufnehmen zu können. „Wir brauchen Planungssicherheit“, fordert der SPD-Kandidat für die Unternehmer.

Auch Bildung spielt in seinem Wahlkampf eine große Rolle, weshalb er die Berufsschulen stärken will, um Fachkräfte für das Handwerk, den Mittelstand und die Industrie im Leinebergland ausbilden zu können. „Die Regionen sind intakt und dennoch schrumpft die Bevölkerung“, so Westphal. Zwar sei Bildung generell ein Landesthema, doch für ihn seien Ausbildungsplätze der erste und wesentliche Schritt. „Im Raum Gronau gibt es ein gutes und vielfältiges Schulangebot, Eime hat eine attraktive Mehrzweckhalle – dies sind Punkte, die junge Leute motivieren sollten, in der Region zu bleiben“, meint der 52-Jährige. „Ich würde der Samtgemeinde für das Angebot der frühkindlichen Förderung die Note eins geben“, ergänzt Bernhard Brinkmann. Er hoffe auf eine Kooperation zwischen den Gemeinden im Leinebergland und den Universitäten Hildesheim, Hannover und Göttingen: „Die Initialzündung muss vor Ort geschehen, wir Politiker aus Berlin können nur helfend zur Seite stehen.“

Ein weiteres Thema, das Bernd Westphal beschäftigt, ist die „soziale Gerechtigkeit“. Dies sei ein Thema, dass die Menschen in der Republik wirklich beschäftige. „Die SPD hat in der Vergangenheit sicherlich nicht alles richtig gemacht, aber stes den Mut besessen, mit der Agenda 2010 etwas anzustoßen“, so der Kandidat des hiesigen Wahlkreises. Sein Wunsch ist mehr Mut zu Reformen. Auch Mindestlohn und Altersarmut gehören zu diesem Themenblock: „Wir müssen die Fehlentwicklungen korrigieren.“ Bernd Westphal ist es zudem wichtig, den Menschen komplizierte Sachverhalte näher zu bringen und ihnen vor gewissen Veränderungen die Angst zu nehmen. So hoffe er auf eine steigende Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung, was die Energiewende angeht: „Hier handelt es sich um Dimensionen, die nicht regionalpolitisch gelöst werden können.“ Dennoch sei es wichtig, stets mit den Leuten vor Ort ins Gespräch zu kommen. Zurzeit nimmt Bernd Westphal in erster Linie abends und am Wochenende Termine im Wahlkreis wahr. Ab Mitte Juli bis zur Wahl im September nutzt er dann seinen Jahresurlaub, um in die heiße Wahlkampfphase einzusteigen. „Meine Familie spielt mit und unterstützt mich“, sagt Westphal. Seine drei Söhne sind bereits aus dem Haus, nun betreut er gemeinsam mit seiner Frau Martina seine an Demenz erkrankten Schwiegereltern. „Bei einigen Terminen begleitet mich meine Frau“, freut er sich über die Rückendeckung. „Es macht mir viel Spaß und ist sehr interessant“, freut sich Bernd Westphal auf die weiteren Erlebnisse während des Wahlkampfs, obwohl seine Freizeit zunehmend darunter leidet: „Das Freizeitkonto geht gegen Null.“ Dennoch ist er sich sicher, auch im Falle der Wahl, sich ab und an die Zeit zu nehmen, ein Buch zu lesen, um auf andere Gedanken zu kommen.

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