Delegiertenversammlung der IG Metall / Starker Arbeitskampf / Rentner auf dem Vormarsch

Mobilisierung klappt (noch) gut

89 stimmberechtigte Delegierte kommen zur Versammlung der IG Metall in die Eimer Mehrzweckhalle. Fotos: Mosig

EIME / KREIS Uwe Mebs hat es nicht leicht. Zum einen muss der erste Bevollmächtigte der IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim die ölverschmierten Ballonmützenträger der Metallindustrie mit schneidigen Parolen vor die Werkstore holen, wenn es um die neue Tarifrunde geht oder wenn den Unternehmen, wie Delphi in Bad Salzdetfurth, die Luft ausgeht. Zum anderen muss er im Tarifstreit Lösungen und Ergebnisse präsentieren.

Bei der Delegiertenversammlung in der Eimer Mehrzweckhalle wurde deutlich, dass Mebs das Erste beherrscht: „Die Aktionen in der Region waren vorbildlich. Wir haben tolle Bilder des Arbeitskampfes geliefert.“ Bei der Präsentation der Lösungen tat er sich mit Blick auf den Tarifabschluss in Baden-Württemberg (die LDZ berichtete), der seit gestern auch für Niedersachsen gilt, sichtlich schwer. Die Regelungen zur Bildungsteilzeit seien die „Eintrittskarte für die Zukunft“, orakelte er. Aus den Reihen der Gewerkschafter war zu hören, dass die Lohnerhöhung von 3,4 Prozent ein „Kompromiss hart an der Grenze“ sei. Einzig der Ausbau der Regelungen zur Altersteilzeit sei als „großer Erfolg“ zu werten. Und damit ist die IG Metall beim eigentlichen Thema angekommen, um das es bei der Gewerkschaft zurzeit geht. Denn während der Versammlung verfestigte sich der Eindruck, dass die IG Metall bei rückläufigen Mitgliederzahlen (siehe rechts) langsam ein „Rentnerverein“ wird und damit vor einem Problem steht, dass viele Vereine und Verbände der Region aufgrund des demografischen Wandels haben.

Thema Ortsvorstand: Wie Mebs erklärte, gibt es Bestrebungen, dass im Ortsvorstand Vertreter von 13 Betrieben sitzen sollen. Kleinere Betriebe und Firmen mit „niedrigem Organisationsgrad“ müssen sich anbieten, einen Sitz zu ergattern. So ist der vorläufige Plan, der bei der nächsten Versammlung diskutiert werden soll. Nachfragen dazu gab es indes kaum. Wohl aber kamen Fragen, warum nicht mehr alle drei Seniorenarbeitskreise aus Hameln, Alfeld und Hildesheim – Hameln verfügt sogar über drei, also sind es je nach Zählweise fünf – Beisitzer abstellen dürfen, sondern nur noch ein Seniorensprecher Platz finden soll. Tatsächlich, gestand auch Mebs ein, hat die öffentliche Wahrnehmung der Seniorengruppen, speziell durch die Dienstagsvorträge in Alfeld, die von Henry Kirch organisiert werden, stark zugenommen.

Thema Anträge: Die IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim reicht regelmäßig Anträge beim Gewerkschaftstag ein. Der Antrag, der sich mit einem sachlichen Thema beschäftigt, kommt aus dem Seniorenarbeitskreis Alfeld und befasst sich mit der Sicherung der gesetzlichen Rentenversicherung als tragende Säule der Altersversorgung.

Fazit: Vielleicht ist der Eindruck, dass die Senioren in der IG Metall immer mehr an den Drücker kommen, falsch. Denn wenn man gerade in diesen Tagen auf Warnstreiks und Verhandlungen schaut, sind die Metaller weiter kampfeslustig und die Mobilisierung klappt in der Region (noch) sehr gut. Der zweite Bevollmächtigte Mathias Neumann zeigte beispielsweise auch auf, dass manche Betriebe alle neuen Auszubildenden in die Gewerkschaft geholt haben. Aber die Verantwortlichen werden die Tendenzen in den eigenen Reihen im Auge behalten müssen, denn sonst wird bald nicht mehr vor den Werkstoren um mehr Lohn, sondern vor den Seniorenheimen um mehr Rente gestreikt.

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