Ökumene in Gronau: Unterschiede als Chance, Jugendlichen Türen zu öffnen

Menschen brauchen einander

100 Gramm kosten mehr als 30 Euro: Barbara Volz-Lindner zeigt das kostbare Weihrauch-Harz.

GRONAU „In Gronau wird die Ökumene gelebt“, erklärt die katholische Gemeindereferentin Barbara Volz-Lindner. Auch Diakonin Anne Basedau von der evangelischen Gemeinde stimmt ein und erkennt, dass die Ökumene Türen öffnet und dabei auch den eigenen Glauben erweitern kann. Doch bei so viel Zusammenarbeit stellt sich schnell die Frage: Was trennt beide Kirchen eigentlich noch?

Die Begegnung des Glaubens zur Weihnachtszeit in der evangelischen und katholischen Kirche in Gronau gehört für die Schüler der ersten Klassen der Grundschule zum Fest dazu und ist ebenso ein Bestandteil der ökumenischen Arbeit. Was mit einem Gottesdienst im Advent in der St. Matthäi-Kirche begann, fand mit einer gemeinsamen Andacht in der St. Joseph-Kirche nun seinen Abschluss. „Für die Kinder ist der Unterschied der Konfessionen noch nicht wichtig. Trotzdem stellen sie viele Fragen“, erklärt Barbara Volz-Lindner. Ein Unterschied wird den Kindern beim Betreten des katholischen Kirchenhauses allerdings sofort bewusst – auch, weil Diakonin Anne Basedau sie mit einem zarten Griff an die Nase erinnert: „Hier riecht es ganz anders.“ Denn Barbara Volz-Lindner hat der Weihrauchkugel schon kräftig eingeheizt, so dass sich der schwere Duft bis weit unter das hohe Gewölbe der St. Joseph-Kirche ausbreiten konnte.

Der Glaube zählt

Anne Basedau ist seit etwa zwei Jahren im Amt und erfüllt eine Aufgabe, die in der evangelischen Landeskirche einmalig ist. Als Diakonin ist sie gleichzeitig Schulseelsorgerin und pflegt einen engen Kontakt zu den Schulen und somit auch zu den Kindern in der Leinestadt. Barbara Volz-Lindner ist seit 16 Jahren als Gemeindereferentin in der Region aktiv. Ihr Gebiet beschränkt sich nicht nur auf Gronau, nicht nur auf Schulen und nicht nur auf Jugendarbeit. Trotzdem haben beide Frauen zueinandergefunden – weil sie glauben. „Die Ökumene hängt vom Menschen ab“, ist sich Barbara Volz-Lindner sicher. Mit Anne Basedau habe sie eine Partnerin auf evangelischer Seite, die „genauso glaubt wie ich“. Sie beten miteinander, singen miteinander und glauben an denselben Gott. „Es ist unglaublich wichtig, den richtigen Ansprechpartner zu haben“, lobt auch Anne Basedau die tolle Zusammenarbeit mit ihrem Gegenüber. Sie wollen gemeinsam einen Zugang zum Glauben schaffen, und sprechen deshalb insbesondere junge Menschen und Kinder gezielt an. Was die Konfessionen trennt, sei bei Kindern noch kein großes Thema – aber trotzdem sehr wichtig. „Ökumene ist keine neue Konfession“, betont Barbara Volz-Lindner. Demnach gebe es klare Grenzen, die aber nicht von einer Zusammenarbeit abhalten. „Wir feiern das Abendmahl und die heilige Messe nicht gemeinsam“, zählt sie auf. „Es ist wichtig, dass sich die Menschen in ihrer Gemeinde – ob evangelisch oder katholisch – wohlfühlen“, betont Anne Basedau die Tatsache, dass der Glaube im Mittelpunkt stehe. Die Ökumene öffne auf beiden Seiten Türen, schaffe Berührungspunkte und beseitige Vorurteile. „Christen wissen um ihren Glauben. Wir gehen den Weg der Gemeinschaft“, fügt Barbara Volz-Lindner hinzu. Wie es allerdings in Zukunft weitergeht, ist zurzeit noch ungewiss. Im April verabschiedet sich Barbara Volz-Linder in den Ruhestand. Der Posten der Gemeindereferentin wird nicht neu besetzt. „Mir ist wichtig, dass ich weiterhin einen Ansprechpartner habe“, zeigt sich Anne Basedau optimistisch: „Es muss weitergehen.“

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