Unvergessliche Begegnung

„Meine 12 Stunden in Brüggen“

BRÜGGEN Mit einer ungewöhnlichen Geschichte aus längst vergangenen Zeiten sucht Helmut K. im Beisein von Brüggens Heimatpfleger Werner Sührig die LDZ-Redaktion auf: Vor 70 Jahren lernte der damals Neunjährige während einer Zugfahrt ein Mädchen aus Brüggen kennen – das Erlebnis aus dem Jahr 1943, wohl gemerkt zur Kriegszeit, lässt den heute 78-Jährigen aus Hemmingen nicht mehr los.

„Meine zwölf Stunden in Brüggen“ – so lautet die Überschrift seiner Notiz, die Helmut K. in der Redaktion abgibt. Mit Bleistift hat er sein Erlebnis kurz und knapp notiert, nachdem seine bisherige Suche nach dem damaligen Brüggener Mädchen bisher erfolglos gewesen ist.

Es war im Spätsommer 1943: Helmut K. war neun Jahre alt. „Ich war Jüngster im Zug“, erinnert er sich an die Begegnung im Zug, die ihn bis heute nicht mehr loslässt. Mit der Eisenbahn wollte er damals angesichts der Evakuierung von Hannover nach Thüste fahren. Um sein Reiseziel zu erreichen, musste der junge Helmut K. zweimal umsteigen. Doch da Fliegeralarm angedroht wurde, verspätete sich der Zug, so dass er Thüste an diesem Abend nicht mehr erreichen konnte. „Unter den Mitreisenden war ein Mädchen aus Brüggen, welches mich für eine Nacht in ihre Obhut nahm“, erzählt der Hemminger. Das Mädchen war seiner Schätzung zu Folge vielleicht 16 Jahre alt. Eine Beschreibung aber kann er nicht geben.

Wie zu Hause

Bei völliger Dunkelheit nahm die Brüggenerin den neunjährigen Jungen mit nach Hause, in einen Neubau, schildert er seine Erinnerungen an diese Begegnung: „Ich werde nie vergessen, dass ich als Marmeladen-Hannoveraner zwei Scheiben Brot mit selbstgeschlachteter Wurst bekam.“ Wie zu Hause habe er sich bei dem fremden Mädchen gefühlt, das ihm in einem Dachgeschoss-Schlafzimmer einen Platz für die Nacht anbot. Er erinnert sich noch an ein älteres Ehepaar im Haus, das ein behindertes Kind neben sich sitzen hatte. Doch vieles weiß er heute nicht mehr; diese Begegnung liegt immerhin schon 70 Jahre zurück. Weder Namen noch Adressen sind damals ausgetauscht worden, was die Suche nach der Brüggenerin fast aussichtlos macht. „Im Laufe meines Lebens bin ich immer wieder in Brüggen gewesen“, sagt Helmut K., der inzwischen seit 46 Jahren glücklich verheiratet ist: „Das ist natürlich mit meiner Frau abgesprochen.“

Ein Lebenszeichen

„Meine Augen haben sich immer wieder an der Mauer in Brüggen gestoßen“, berichtet er von Versuchen, dieses Haus von damals ausfindig zu machen. Auch der Besuch im Dorfladen Brüggens habe ihn nicht weitergebracht, selbst Heimatpfleger Werner Sührig konnte nicht helfen. Zwar habe man alle in Frage kommenden Neubauten aus damaliger Zeit „abgeklappert“, doch ohne Erfolg. Zumal sich Helmut K. auch die Frage stellen muss, ob die junge Brüggenerin von damals überhaupt noch am Leben ist. Nur sie weiß, was sie Helmut K. bei der Verabschiedung am Bahnhof in Brüggen überreichte. „Wenn Du ein Lebenszeichen von Dir geben wirst, könnten wir auch im hohen Alter noch einige Stunden zusammen klönen“, hofft der 78-Jährige nun, von der „lieben Dame“ aus Brüggen zu hören oder auch Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten. Die LDZ-Redaktion, Telefon: 05182/921934, wird den Kontakt herstellen.

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